Editorial

Attacke der Superreichen

Flavio Becca

Flavio Becca Foto: Gerry Schmit

Jean-Louis Dupont und Martin Hissel: Diese zwei Anwälte vertreten die Superreichen und sorgen dafür, dass sie noch reicher werden können.

Das Duo aus dem ostbelgischen Eupen stand in den vergangenen Wochen und Monaten als Anwälte der Super-League-Clubs wieder im Rampenlicht. Real Madrid, Juventus Turin und der FC Barcelona wollen bekanntlich eine Fußball-Liga gründen, in der nur die besten Clubs der Welt vertreten sind. Die Vereinigung dieser drei Klubs wurde vor rund einem Monat vor dem Europäischen Gerichtshof auf Kirchberg angehört. Es wurde sich mit der Frage beschäftigt, ob der Europäische Fußballverband (UEFA) und der Weltfußballverband (FIFA) ihre marktbeherrschende Stellung ausnutzen, um sich gegen Konkurrenzprodukte zur Champions League (wie die Super League) zu wehren. Das Urteil wird 2023 gesprochen. Die Fans und viele Vereine sind gegen die Gründung einer Super League. Sie wollen nicht, dass die Reichen noch reicher werden. Die Argumentation der Anwälte ist jedoch durchaus valabel und es kann nicht per se davon ausgegangen werden, dass die Klage abgeschmettert wird. 

Um ihre Argumentation noch einmal zu unterstützen, greifen die Anwälte nun ein zweites Mal aus Richtung Luxemburg an. Diesmal sind die Kläger der Swift Hesperingen (als betroffener Verein), die Flavio-Becca-Firma Leopard SA und ein sogenannter „Fan“ (die beiden Letztgenannten sind die „Endverbraucher“). Das Thema ist ein ähnliches. Das Klage-Trio wendet sich gegen „die Rechtswidrigkeit von verschiedenen UEFA- und FLF-Regeln, die es Vereinen verbieten, länderübergreifende Wettbewerbe zu gründen“. Im Kommuniqué, das vor rund zwei Wochen veröffentlicht wurde, werden konkret eine „Benelux-Liga oder ein paneuropäischer Wettbewerb“ genannt. Im Grunde genommen nichts anderes als eine Super League, nur auf einem anderen Niveau.

Welches Interesse hat ein Verein wie Hesperingen – der sich nicht einmal in Luxemburg für den Europapokal qualifiziert hat – also daran, an einem solchen Wettbewerb teilzunehmen oder ihn gar zu gründen? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Es geht ums Geld.

Derzeit ist Flavio Becca zwar Mäzen beim Swift, aber kein Investor im eigentlichen Sinne, denn es kann keine Kapitalrendite erwirtschaftet werden. Und hier kommt die nächste Klage von Dupont und Hissel. Der Swift fordert, dass in Luxemburg in Zukunft Sportvereine auch als Gesellschaften firmieren dürfen. Bisher ist es nur möglich, als A.s.b.l. („Association sans but lucratif“) geführt zu werden. Und aus einem eingetragenen Verein kann man bekanntlich legal keinen Gewinn herausziehen.

Viel Geld scheffeln ist in Luxemburg auch nur bedingt mit einem Verein möglich, der als Gesellschaft geführt wird und in dem Aktionäre erlaubt sind. Die Gewinnmarge ist nämlich meistens sehr klein. Fernsehgelder gibt es nicht und der Merchandising- oder Branding-Bereich ist kaum ausgebaut. Der einzige Weg, mit einem Fußballclub Geld zu verdienen, ist der regelmäßige Einzug in die Gruppenphase der verschiedenen europäischen Wettbewerbe.

Es geht eigentlich vielmehr um das Prinzip als um große Summen in diesem Fall. Geschäftsleute wie Flavio Becca können es nicht akzeptieren, dass in ihrem Verein nicht die gleichen Regeln herrschen wie in der freien Marktwirtschaft. Dabei macht genau das die Fußball-Romantik – sofern es sie überhaupt noch gibt – aus. Es zeigt, dass sich der Turbo-Kapitalismus noch nicht auf jedem Fleck der Erde durchgesetzt hat.

Die Attacke des Superreichen ist für den Luxemburger Fußball aber nicht unbedingt ein kompletter Nachteil. Sie kann zu einem Denkanstoß führen, um die hierzulande oft festgefahrenen Strukturen zu überarbeiten. 

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