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Intellektuelle Unehrlichkeit

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Symbolfoto Foto: Pixabay

Frau Blanche Weber vom „Mouvement écologique“ fühlte sich angesichts des Sommerloches bemüht, erneut Einwände gegen das sich noch nicht einmal in Planung befindende Google-Rechenzentrum vorzubringen.

Sie bemängelt jetzt den zu erwartenden hohen Wasserverbrauch. Genau wie bei den geplanten Joghurt- und Steinwolle-Fabriken wird so lange herumgemäkelt, bis die Unternehmer von sich aus das Handtuch werfen. Bereits zweimal unterlag ihr Verein in letzter Instanz vor den Verwaltungsgerichten. Einmal verlangte man vergeblich Einsicht in ein Memorandum of Understanding. Beim zweiten Mal wurde man abgewiesen, weil bereits in der SUP projektbezogene Informationen verlangt wurden, darunter der Wasserverbrauch. Das Gericht meinte zu Recht, dass erst bei konkreten Planungen und Maßnahmen auf nachgeordneten Genehmigungs- und Zulassungsebenen entschieden wird, wie konkrete raumbezogene Umweltauswirkungen detailliert beschrieben und bewertet werden müssen.

Die grünen Kollegen in Deutschland sehen Rechenzentren entspannter und hatten bereits vor Putins Gasstopp eine sinnvolle, ökologische Nutzung ausgemacht, die gerade jetzt Sinn ergibt. Die Ampelparteien haben in der Tat in ihrem Koalitionsvertrag den Rechenzentren einen eigenen Absatz gewidmet: „Wir werden Rechenzentren in Deutschland auf ökologische Nachhaltigkeit und Klimaschutz ausrichten, u.a. durch Nutzung der Abwärme.“

Bekanntlich sind Elektrofahrzeuge das neue Götzenbild der Grünen und so fordert Frau Weber auch weitere Subsidien für den Kauf. Was den Wasserverbrauch bei der Gewinnung von Lithium aus Salzseen in Südamerika angeht, gibt es leider keine Aussage. Eine verantwortungsvolle, nachhaltige Umweltpolitik muss immer global sein und sich nicht auf ein noch nicht einmal existierendes Projekt in Bissen beschränken.

Es wird kolportiert, dass der Bau eines Rechenzentrums in Ostbrandenburg am Wassermangel gescheitert ist. Warum so informationsscheu? Der deutschen Presse nach sollte Google wie in Bissen der Bauherr sein. Warum Google in Ostbrandenburg nicht bauen konnte, hatte einen guten Grund, wie die deutsche Presse berichtet. „Kommt nach Tesla auch Google nach Ostbrandenburg? Nein. rbb-Recherchen haben ergeben: Dafür ist nicht genügend Wasser da. Die immer knappere Ressource könnte das erhoffte ökonomische Wachstum in der Region ausbremsen. Am Wassermangel scheitern die Pläne des US-Unternehmen Google, eines Rechenzentrums in Neuenhagen (Märkisch-Oderland) zu bauen. Die Tesla-Ansiedlung und ein in Strausberg geplantes Rechenzentrum der Bundeswehr hätten diese Sorge noch verschärft. Aber auch die Wasserversorgung wird durch den Elektro-Boom gefährdet und das ist neu. In Berlin, wo Tesla eine ,Gigafactory‘ errichtet und künftig jährlich so viele Autos produzieren möchte, wie aktuell weltweit verkauft werden, löst die Gigantomanie eine veritable Wasser-Versorgungskrise aus. Im ersten Schritt benötigt Tesla nach eigenen Angaben rund 1,4 Millionen Kubikmeter oder 1.400.000.000 Liter Wasser pro Jahr für die Herstellung der Elektroautos. Das entspricht dem gesamten Jahresbedarf von über 40.000 Menschen. Damit ist aber noch nicht Schluss, denn wenn die Maximalkapazitäten der Fabrik erreicht sind, steigt der Durst auf das Vielfache. Nun schlägt die zuständige Wasserversorgung vor Ort daher Alarm: Die Versorgung von rund 170.000 Menschen könnte gefährdet sein, wenn keine weiteren Maßnahmen getroffen werden.“

Es zeigt sich also, dass der Elektroauto-Boom auch beim Wasserbedarf zu Folgen führt, die bislang nicht bedacht wurden.

Vielleicht sollte Frau Weber sich die Webseite der Firma Kiowatt ansehen, die auch in Bissen angesiedelt ist und welche mit dem dortigen bereits bestehenden Rechenzentrum zusammenarbeitet. Eines der angestrebten Ziele ist laut Webseite die „Erzeugung von Kälte mit Absorptionskältemaschinen für das benachbarte Datenzentrum, das erste grüne Datacenter weltweit“.

Warum sollte Google nicht das zweite werden?

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