Arbeitsrecht
Überstunden bei Amazon: „déi Lénk“ fordert Kontrolle durch die ITM
Bei der ITM ist eine Meldung gegen Amazon eingegangen. Es geht um Überstunden ohne Ausgleich. „déi Lénk“ fordert nun Konsequenzen.
Allzeit bereit: Amazon soll sich nicht an Arbeitszeitregelungen halten Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Amazon erwartet von seinen Mitarbeitern auf Kirchberg neben der regulären 40-Stunden-Woche so viele zusätzliche Stunden „wie nötig“. Das berichtet RTL am Freitag unter Berufung auf eine Meldung an die „Inspection du travail et des mines“ (ITM). Ein System, um Arbeitszeit zu erfassen und auszugleichen, gebe es nicht. Videokonferenzen mit Kollegen in den USA fielen wegen der Zeitverschiebung regelmäßig in den Abend. Bei Verkaufsaktionen wie Prime Day oder Black Friday werde bis spät in die Nacht gearbeitet und früh am Morgen weitergemacht. Gesetzliche Ruhezeiten und das Recht auf Abschalten („Droit à la déconnexion“) nach Feierabend würden so oft nicht eingehalten.
Der Verfasser der Meldung habe für sich selbst 177 Überstunden in 38 Wochen errechnet. Zudem stufe Amazon nach internem System 54 Prozent der Belegschaft als leitende Angestellte ein. Für diese gelten Sonderregeln bei Arbeitszeit und Zuschlägen. Die Einstufung entspreche jedoch nicht den gesetzlichen Vorgaben, heißt es laut RTL.
Nicht die erste Meldung
Bereits im August war eine erste Meldung bei der ITM eingegangen. Damals ging es um Mitarbeiter, die wegen des Prime Day am Nationalfeiertag arbeiten mussten, ohne Feiertagszuschlag.
Lesen Sie auch
„déi Lénk“ reagierte am Freitag mit einem Kommuniqué und spricht von einer „modernen Form der Sklaverei“. Die Partei verlangt eine Kontrolle durch die ITM. Arbeitsminister Marc Spautz (CSV) solle in der zuständigen Kammerkommission Stellung nehmen. Die ITM werde ihrer Aufgabe nicht gerecht, seit die CSV-DP-Regierung ihr nur noch eine „beratende Rolle“ zugewiesen habe.
Amazon EU, die zentrale europäische Handelsgesellschaft des Konzerns mit Sitz auf Kirchberg, setzte 2025 knapp 92 Milliarden Euro um und machte 511 Millionen Euro Gewinn. (hat)