Aufrüsten für die Wirtschaft

Luxemburg gründet Verteidigungsfonds: 150 Millionen Euro für Investitionen in Unternehmen

Luxemburg gründet einen neuen Investmentfonds für Verteidigung und Dual-Use-Technologien. Der soll helfen, die Nato-Ausgabenziele zu erreichen – und gleichzeitig wirtschaftliche Substanz im Land schaffen.

Verteidigungsministerin Yuriko Backes, Wirtschaftsminister Lex Delles und Finanzminister Gilles Roth präsentieren neues Finanzinstrument bei Pressekonferenz

Verteidigungsministerin Yuriko Backes, Wirtschaftsminsiter Lex Delles und Finanzminister Gilles Roth stellen das neue Finanzinstrument vor Foto: Gouvernement.lu

Luxemburg erhält seinen „Fonds national de la défense“. Am Donnerstagnachmittag haben Verteidigungsministerin Yuriko Backes, Wirtschaftsminsiter Lex Delles und Finanzminister Gilles Roth den FND vorgestellt. Dieser wird mit 150 Millionen Euro gespeist, die innerhalb von fünf Jahren in den Bereichen Verteidigung und Dual-Use-Technologie investiert werden sollen.

Es ist ein Instrument, das seit etwa zehn Jahren regelmäßig eingesetzt wird. Hat die Regierung entschieden, einen bestimmten Sektor fördern zu wollen, gründet sie gemeinsam mit der staatlichen Entwicklungsbank SNCI einen speziellen Fonds. Dieser investiert dann Kapital in junge – oder nicht mehr ganz so junge – internationale Unternehmen aus dem anvisierten Bereich und sorgt gleichzeitig dafür, dass diese eine Verbindung zu Luxemburg aufbauen: mal eine eigene Niederlassung, mal gemeinsame Forschungsprojekte.

Der Fonds verfolgt dabei drei sich ergänzende Ziele, schreibt die Regierung: Die Ausgaben des Landes im Bereich der Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben im Einklang mit den Zielen der NATO zu bringen; die Schaffung von wirtschaftlicher Substanz in Luxemburg stärken; eine wirtschaftliche Rendite mit den Investitionen zu erwirtschaften.

„Durch die Mobilisierung öffentlicher Mittel unterstützen wir strategische Technologien mit hohem Potenzial und stärken gleichzeitig nachhaltig die wirtschaftliche Substanz des Landes“, erläutert Finanzminister Gilles Roth. Mittelfristig soll der FND mithelfen, ein „nationales Ökosystems innovativer Unternehmen im Verteidigungssektor“ zu schaffen.

Geld aus mehreren Quellen

Die Investitionspolitik des Fonds orientiert sich an der luxemburgischen Verteidigungsindustriestrategie, die die Regierung im März 2026 vorgestellt hatte. Im Visier sind Bereiche, in denen Luxemburg bereits Stärken aufgebaut hat oder aufbauen will: Cybersicherheit, Weltraum, fortschrittliche Materialien und Automatisierung. Der Fonds soll sowohl in Investmentfonds als auch direkt in einzelne Unternehmen co-investieren, stets mit dem Ziel, wirtschaftliche Substanz im Großherzogtum zu schaffen.

Das Geld für den Fonds wird aus unterschiedlichen staatlichen Quellen kommen: So werden der Staat selber, gemeinsam mit dem Fonds souverain intergénérationnel du Luxembourg (FSIL) 75 Millionen Euro einbringen. Die andere Hälfte des Kapitals wird die staatliche Entwicklungsbank SNCI (Société nationale de crédit et d‘investissement (SNCI) beisteuern. Letztere wird sich auch um die Verwaltung des neuen Fonds kümmern.

Das Modell ist nicht neu: Luxemburg setzt seit rund zehn Jahren auf sektorielle Fonds, die gemeinsam mit der SNCI aufgelegt werden, um strategisch wichtige Branchen zu fördern. Mit dazu zählen beispielsweise der Luxembourg Future Fund 1 und sein Nachfolger LFF2. Konzentriert wird sich hier auf Firmen, die in Bereichen wie Cybersicherheit, Health-Tech, Weltraum oder Umwelttechnologien tätig sind.

Die Regierung ist aber zufrieden mit den bisher erzielten Ergebnissen. Die Investitionen hätten geholfen, mehrere Firmen nach Luxemburg zu ziehen, hat sie mitgeteilt. Darunter die Weltraumunternehmen Spire und ClearSpace, das aus Silicon Valley stammende Unternehmen Lyton, sowie zwei spezialisierte Vermögensverwalter.

Förderung der nationalen Wirtschaft

„Mit dieser Initiative setzen wir eine bereits eingeleitete Dynamik fort, die darauf abzielt, Verteidigung und Dual-Use-Technologien zu einem vorrangigen Schwerpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung zu machen“, fügt Wirtschaftsminister Lex Delles hinzu. Alles mit dem Ziel, „Luxemburg als echten Innovationspol zu positionieren.“

Neu ist derweil, dass sich der FSIL an einem solchen Fonds beteiligt. Dieser Staatsfonds ist nicht der milliardenschwere Luxemburger Rentenfonds, sondern ein kleines Instrument, das aktuell über lediglich 784 Millionen Euro an Kapital verfügt. Die Mission des 2014 gegründeten FSIL besteht darin, Ersparnisse zu bilden, deren Erträge unter bestimmten Bedingungen und innerhalb bestimmter Grenzen zum Wohl künftiger Generationen verwendet werden können.

Bleibt zu bemerken, dass sich nicht jedes Unternehmen, in das investiert wird, zu einem geschäftlichen Erfolg entwickeln wird – innerhalb eines Fonds sollen dann aber, im Normalfall, Fehltritte durch Erfolge kompensiert werden.

Mehr als nur eine Ausgabe

Im Endeffekt dürfte es sich um gut angelegte 150 Millionen Euro handeln. Das Geld fließt nicht einfach in den Kauf von Munition und Waffen, sondern wird investiert. Mit etwas Glück kann es sich somit auf mittlere Sicht um eine „Ausgabe“ handeln, mit der der Staat einen finanziellen Gewinn erwirtschaften kann.

Hinzu kommt, dass Luxemburg auf Nato-Ebene zugestimmt, mittelfristig 5 Prozent seiner Wirtschaftsleistung in die Verteidigung zu stecken. 3,5 Prozentpunkte dieser Ausgaben müssen in „core defence“-Projekte fließen. Diese Finanzinvestitionen werden als Teil der 1,5 Prozentpunkte anerkannt, die flexibler ausgegeben werden dürfen, die „defence related“ sein dürfen, so das Verteidigungsministerium auf Nachfrage. Das Geld das investiert wird, ist also Geld, das Luxemburg versprochen hat, auszugeben.

Der nun angekündigte Fonds ist ein Teil der Strategie, um die höheren Verteidigungsausgaben auch in der Luxemburger Wirtschaft ankommen zu lassen. Eine sektorielle Unternehmensvereinigung wurde bereits gegründet. Geplant ist auch ein „Defence Campus“ in Düdelingen, wo sich Unternehmen aus dem Bereich ansiedeln können. Was der aufstrebenden Rüstungsindustrie hierzulande aber noch fehlt, ist der gesetzliche Rahmen: Ein Gesetz, das klar regelt, was Rüstungsunternehmen in Luxemburg dürfen und was nicht. Der Text ist in Ausarbeitung.

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