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Cargolux setzt Erfolgsserie auch 2025 fort und gibt sich gelassen, was die Debatte um Kerosin-Mangel betrifft
Bei kaum einem anderen Luxemburger Unternehmen wird die jährliche Entwicklung derart durch internationale Geschehnisse geprägt wie bei der Cargolux. Dabei hat es die Luftfrachtgesellschaft geschafft, jede Krise in den vergangenen Jahren in einen Rekordgewinn zu verwandeln. So auch im Jahr 2025. Nicht einmal um Kerosinmangel macht man sich derzeit Sorgen.
Die Cargolux beschäftigt etwa 3.200 Mitarbeiter in Luxemburg Foto: Editpress/Julien Garroy
Bei den Jahrespressekonferenzen der Luxemburger Cargolux gab es auch dieses Jahr wieder nur glücklich strahlende Gesichter zu sehen. Trotz geopolitischen Unsicherheiten und Handelsstreitigkeiten hat die Luftfrachtgesellschaft „auch 2025 wieder einen Rekord eingeflogen“, unterstreicht Verwaltungsratspräsident Tom Weisgerber. Auf 465 Millionen Dollar belief sich der Nettogewinn im Jahr 2025, etwa 17 Millionen mehr als im Vorjahr.
Es setzt sich somit die Serie der Jahre fort, in denen die Welt mit Krisen geplagt wird, in denen Cargolux es jedoch geschafft hat, Lösungen anzubieten und Geld zu verdienen. Angefangen hatte dieser Trend mit der Corona-Krise. Während der Transport über Land eingeschränkt war, konnten ihre Flugzeuge benötigte Waren durch die Luft befördern. Aus einem Nettogewinn von 20 Millionen Dollar im Jahr 2019 war bis 2022 ein gewaltiges Plus von 1,6 Milliarden geworden. Das bis vor den Krisenjahren beste Ergebnis des 55 Jahre alten Unternehmens war im Jahr 2018 erwirtschaftet worden, ein Gewinn von 211 Millionen Dollar.
Jede Krise ein Gewinn
„Flexibilität ist einer der Schlüsselfaktoren für unseren Erfolg“, so Weisgerber weiter. Bei den geflogenen Stecken habe es tiefgreifende Veränderungen gegeben, erläutert Geschäftsführer Richard Forson. Aufgrund veränderter Handelsregeln habe es weniger Flüge für E-Commerce-Produkte von Asien nach Nordamerika gegeben. Zugelegt habe jedoch die Zahl der Flüge innerhalb Asiens wie auch die von Asien nach Europa.
Weiter an die geopolitische Lage anpassen müssen habe man dabei nicht nur die Zahl der Flüge und die angeflogenen Ziele, sondern auch die Strecken selber. So kann die Gesellschaft seit dem russischen Überfall auf die Ukraine nicht mehr über diese beiden Länder fliegen, und mittlerweile herrscht auch weiter südlich Krieg. Zwischen diesen beiden Regionen bleibt der Cargolux nun nur noch ein schmaler Korridor, um zwischen Europa und Asien zu fliegen.

Richard Forson, Tom Weisgerber und Maxim Straus (v.l.n.r.) Foto: Cargolux
Der erwirtschaftete Umsatz ist um zwei Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar gestiegen, präzisiert Finanzchef Maxim Straus. Das transportierte Frachtvolumen sowie die Auslastung der Flieger sind leicht gefallen, jedoch ist der Preis pro transportiertem Kilo gestiegen.
Mitgeholfen, gute Zahlen zu erwirtschaften, habe dabei auch die Diversifizierung, die in den letzten Jahren begonnen wurde, so Forson weiter. 2024 hatte man den Bereich Cargo-Handling mit rund 1.200 Mitarbeitern von der Luxair übernommen. 2025 ist man mit Aquarius in den Sektor der Waldbrandbekämpfung eingestiegen. Deren Flugzeuge waren 2025 und auch wieder 2026 in der Türkei im Einsatz.
Preise für Kerosin haben sich verdoppelt
Weiter hinzugekommen ist nun noch eine neue Tochtergesellschaft namens CV-Fuel. Diese hat eine Lizenz, um Kerosin, das man direkt in den Häfen kauft, über die NATO-Pipeline nach Luxemburg zu importieren. Das habe man wohl zur richtigen Zeit getan, so Forson. „Das gibt uns heute viel Flexibilität.“ Damit könne man etwa ein Drittel des Eigenbedarfs abdecken. Das verbrauchte Kerosin beinhalte mittlerweile zwei Prozent „Sustainable Aviation Fuel“, fügt er hinzu. Bis 2030 soll der Anteil auf sechs Prozent steigen, wie die EU vorschreibt.
Insgesamt macht man sich bei Cargolux nur wenig Sorgen über die kurz- und mittelfristige Verfügbarkeit von Kerosin, so Forson. „Unsere Besorgnis ist nicht besonders groß. (…) Wir haben Notfallpläne. (…) Auch für die Sommerzeit.“ Dass sich die Preise für Kerosin innerhalb eines Jahres verdoppelt haben, bekomme schlussendlich der Kunde – und später der Verbraucher – zu spüren.
Wie es nun weitergehen wird, sei natürlich schwierig zu sagen, so der Geschäftsführer. „Wir wissen nicht, was nächstes Jahr sein wird. Aber wir haben unsere Notfallpläne.“ Sicher sei nur: „In der Luftfahrtbranche wird es nie langweilig.“
Wir sind äußerst zufrieden damit, wie dieses Unternehmen durch turbulente Zeiten navigiert
Tom Weisgerber
Verwaltungsratspräsident
Sorgen mache man sich eher für die langfristigen Folgen des Konflikts, erläutert die Gesellschaft weiter. Das würde aber dann die gesamte Weltwirtschaft und alle Transportunternehmen treffen. Wenn eine steigende Inflationsrate zu einer Rezession führen würde, dann würde überall die Nachfrage nach Transportdienstleistungen sinken, so die Befürchtung.
Als Cargolux ist man jedoch zuversichtlich. Für die Zukunft sieht man sich mit starken Reserven, einer starken Bilanz und einer stabil gebliebenen Verschuldung gut aufgestellt, so Straus. „Wir sind äußerst zufrieden damit, wie dieses Unternehmen durch turbulente Zeiten navigiert“, schlussfolgert Weisgerber.
„In der Luftfahrtbranche wird es nie langweilig“
Weltweit beschäftigt Cargolux rund 4.000 Mitarbeiter, davon 3.200 in Luxemburg. Die Gesellschaft gilt als zehntgrößter privater Arbeitgeber des Landes. Wichtigste Anteilseigner der Cargolux sind die Fluggesellschaft Luxair (35,10 Prozent), die chinesische HNCA (35 Prozent), die BCEE (10,9 Prozent), die staatliche Entwicklungsbank SNCI (10,67 Prozent) sowie der luxemburgische Staat (8,32 Prozent).
Die Cargolux-Gruppe betreibt eine Flotte von 30 speziell für den Frachtverkehr gebauten Boeing 747-400 und 747-8. Um die 16 alternden 747-400 Maschinen zu ersetzen, hat Cargolux 2022 eine Bestellung für zehn Frachtflugzeuge vom Typ 777-8, mit Optionen für sechs weitere Maschinen, bei Boeing in Auftrag gegeben. Ab 2029, ein Jahr später als bisher vorgesehen, sollen die bestellten Flieger geliefert werden.

Die Cargolux betreibt 30 Flugzeuge Foto: Christian Muller