Luxemburg
Arbeitslosigkeit steigt auf 6,3 Prozent – Spautz: „Entwicklung noch nicht abgeschlossen“
Die Arbeitslosigkeit in Luxemburg ist zu Jahresbeginn erneut gestiegen, Arbeitsminister Marc Spautz (CSV) prognostiziert, dass die Zahlen im Februar ähnlich schlecht ausfallen. Besonders betroffen sind hochqualifizierte Fachkräfte.
Besonders hochqualifizierte Arbeitskräfte sind zurzeit von Arbeitslosigkeit betroffen Foto: Editpress-Archiv/Isabella Finzi
Die Arbeitslosigkeit in Luxemburg ist zu Beginn des Jahres 2026 weiter gestiegen. Wie die ADEM am Freitag mitteilt, waren zum 31. Januar 21.255 arbeitsuchende Einwohner registriert. Das sind 1.824 Personen bzw. 9,4 Prozent mehr als im Januar des Vorjahres. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote, berechnet vom Statec, liegt bei 6,3 Prozent.
Für Arbeitsminister Marc Spautz keine erfreuliche Entwicklung – die im Januar wohl noch nicht abgeschlossen ist. „Die Entwicklung wird sich auch im Februar so fortsetzen, weil dann erst die bereits angekündigten Entlassungen von Amazon ihren Niederschlag in der Statistik wiederfinden“, sagt der CSV-Arbeitsminister im Gespräch mit dem Tageblatt. Wenn die Saisonarbeiter ihre Arbeit wieder aufnehmen, würde sich diese Entwicklung jedoch wohl beruhigen. „Das ist trotz allem kein gutes Zeichen“, erkennt Spautz an. Besonders der Blick auf die betroffenen Berufe gibt dem Arbeitsminister zu denken, weil besonders der Bausektor betroffen sei. „Wir müssen den Bau wieder ankurbeln und neue Arbeitsplätze schaffen. Das sind aber nicht nur wir im Arbeitsministerium, die sich dessen annehmen müssen“, nimmt Spautz die gesamte Regierung in die Pflicht. Ein Plan zum Ankurbeln der Wirtschaft und dem daraus folgenden Schaffen neuer Arbeitsplätze wolle die Regierung voraussichtlich noch in der ersten Jahreshälfte vorlegen.
Besonders stark betroffen von der Entwicklung am Arbeitsmarkt sind den Zahlen des Statec zufolge hochqualifizierte Arbeitskräfte. In dieser Gruppe stieg die Zahl der Arbeitssuchenden binnen eines Jahres um 15,9 Prozent. Auch zwischen den Altersklassen stellt die ADEM Unterschiede fest: Bei den 30- bis 44-Jährigen fiel der Anstieg mit 11,3 Prozent am deutlichsten aus. Bei den unter 30-Jährigen lag das Plus bei 8,9 Prozent, bei den über 45-Jährigen bei 7,8 Prozent.
Seit mehreren Monaten zeigt sich ein ähnliches Bild bei den gesuchten Berufsprofilen. Besonders stark nahm die Zahl der Arbeitssuchenden in den Bereichen Sekretariat und Assistenz, Buchhaltung sowie Informatik zu. Gleichzeitig ist in genau diesen Berufsfeldern die Nachfrage rückläufig: Die bei der ADEM gemeldeten offenen Stellen in der Buchhaltung, im Sekretariats- und Assistenzbereich, in der IT sowie im Ausbaugewerbe verzeichneten im Jahresvergleich die stärksten Rückgänge.
Weniger Bezieher von Arbeitslosengeld
Im Januar meldeten Arbeitgeber insgesamt 3.383 offene Stellen – ein leichter Rückgang um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Bestand an verfügbaren Stellen ist gleichzeitig weiter rückläufig: Mit 5.977 offenen Posten lag er um 8,7 Prozent unter dem Wert von Januar 2025.
Die Zahl der neu eingeschriebenen arbeitsuchenden Einwohner blieb weitgehend stabil. 3.101 Personen meldeten sich im Januar neu an, was einem Rückgang von 0,6 Prozent im Jahresvergleich entspricht.
Deutlich gesunken ist hingegen die Zahl der Bezieher von Arbeitslosengeld. Ende Januar erhielten 7.396 Einwohner die volle Arbeitslosenentschädigung – ein Rückgang um 31,6 Prozent im Jahresvergleich. Wie bereits im Vormonat wird diese Zahl weiterhin durch wesentliche Änderungen beeinflusst, die im Zusammenhang mit einer umfassenden IT-Systemumstellung bei der ADEM im November 2025 stehen, welche die statistische Erfassung der Leistungsansprüche beeinflusst.
Leistungen im Rahmen einer beruflichen Wiedereingliederung bezogen Ende Januar 1.468 Personen – ein leichter Anstieg um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Begünstigten einer Beschäftigungsmaßnahme stieg moderat um 1,7 Prozent auf 4.404 Personen.
Starker Anstieg bei nicht in Luxemburg wohnenden Arbeitsuchenden
Auffälliger ist die Entwicklung bei den nicht in Luxemburg wohnenden Arbeitsuchenden. Ihre Zahl erhöhte sich binnen eines Jahres um 22,4 Prozent auf 4.061 Personen. Mehr als die Hälfte von ihnen (rund 58 Prozent) verfügt über einen Status im Rahmen einer externen beruflichen Umschulung und hat somit Anspruch auf finanzielle Unterstützung. In dieser Gruppe betrug der Anstieg 8,9 Prozent.
Besonders stark wuchs jedoch die Zahl jener Nicht-Residenten, die sich freiwillig und ohne Leistungsanspruch bei der ADEM einschreiben. Mit 1.723 Personen lag ihr Anteil bei rund 42 Prozent aller nicht ansässigen Arbeitssuchenden. Der Anstieg der Zahl der Personen in diesen zwei Kategorien ist mit 47 Prozent im Jahresvergleich jedoch „spektakulär“, schreibt das Arbeitsamt.
Auch bei den Neueinschreibungen zeigt sich diese Dynamik: 1.070 Nicht-Einwohner meldeten sich im Januar neu arbeitsuchend, was einem Anstieg von 28,3 Prozent entspricht. (DJ/siw)