Frédéric Gutenkauf und DJ Wilson
Zwei Kapitäne, eine gemeinsame Geschichte und Derby-Rivalität
2011 gewannen DJ Wilson und Frédéric Gutenkauf mit der Etzella Ettelbrück das Endspiel gegen Steinsel. Für beide war es der erste Pokalsieg. 15 Jahre später kommt es zum Wiedersehen in der Arena der Coque – dieses Mal jedoch als Gegner.
2011 gewannen DJ Wilson (l.) und Frédéric Gutenkauf mit der Etzella ihren ersten Pokal, am Samstag werden sie ihre Mannschaften als Kapitän in die Arena der Coque führen Foto: Editpress/Julien Garroy
„Da haben wir den Pokal gewonnen und ich war das erste Mal dabei“, sagt Frédéric Gutenkauf, als er auf den 2. April 2011 angesprochen wird. Momente dieses Endspiels sind bei ihm noch sehr präsent, wie er lachend betont. „Wir hatten einen US-Spieler, der 2,18 Meter groß war.“ Karim Shabazz, so viel steht fest, hat allein schon durch seine Körpergröße Eindruck hinterlassen. „Ich weiß zudem noch, dass das Spiel hart umkämpft war und es auf den letzten Wurf ankam.“
Wer diesen genommen hat, weiß der 33-Jährige auch noch ganz genau. „Eric Jeitz stand in der Ecke und ich hatte das Gefühl, dass der Ball zehn Minuten in der Luft war. Er landete nicht im Korb und wir gewannen das Finale.“
Ettelbrück setzte sich in einem der spannendsten Endspiele, das die Coupe de Luxembourg in der Coque erlebt hat, am Ende mit 67:65 durch. „Und Nels (Delgado) musste mit fünf Fehlern vom Feld“, erinnert sich Gutenkauf. Etwas, das selten vorkam und umso mehr in Erinnerung geblieben ist.
Für mich war damals schon klar, egal was auch kommt, dass ich nicht für einen anderen Verein auflaufen möchte
Frédéric Gutenkauf
Etzella Ettelbrück
Der erste Pokalsieg war für den älteren Gutenkauf-Bruder auf jeden Fall ein ganz besonderer Moment – auch wenn seine Rolle 2011 im Vergleich zu heute eher klein war und er selbst nicht aktiv auf dem Feld eingreifen durfte. Doch den Cup mit dem Team zu gewinnen, das er zuvor bei vielen Finalspielen von der Tribüne aus unterstützt hatte, wird er nicht so schnell vergessen.
Frédéric Gutenkauf war bei den Pokalsiegen der Etzella 2019 und 2023 bereits Kapitän Foto: Editpress/Gerry Schmit
15 Jahre später sind bei „Fritz“ Gutenkauf, der seinem Heimatverein immer treu geblieben ist, einige Titel hinzugekommen: das Double 2019, der 25. Pokalsieg der Vereinsgeschichte 2023 und der Meistertitel im vergangenen Jahr. Alles Triumphe, bei denen er die Mannschaft als Kapitän anführte.
„Für mich war damals schon klar, egal was auch kommt, dass ich nicht für einen anderen Verein auflaufen möchte“, betont der 33-Jährige, dessen Familie stark mit der Etzella verwurzelt ist. „Dass ich das Team aber einmal als Kapitän anführen würde, daran hatte ich nicht gedacht. Ich bin einfach zu jedem Training gegangen, egal wie viele Minuten ich spielen durfte, und habe immer alles gegeben. Dass ich so viele Endspiele bestreiten durfte, ist einfach auch ein Resultat der harten Arbeit der letzten 15 Jahre.“
Besondere Motivation
Gutenkauf wird nun sein sechstes Endspiel in der Coque bestreiten – dieses Mal geht er mit der Etzella einmal mehr als Favorit ins Rennen, auch wenn es in den letzten beiden Wochen in der Meisterschaft gleich zwei Niederlagen gab.
„Wir haben uns mit Krankheiten herumgeschlagen und komplett den Rhythmus verloren, was sich dann auch an den Wochenenden bemerkbar machte“, sagt Gutenkauf, der sich auch fragt, wann Ettelbrück zuletzt zwei Spiele in Folge verloren hat. „Unter Trainer Gavin Love jedenfalls nicht“, meint der Etzella-Kapitän. „Zwei Jahre lang haben wir auch kein Heimspiel mehr verloren, gegen Esch war es dann mal wieder der Fall. So etwas passiert eben.“ Trotz dieser Rückschläge blickt er optimistisch auf das Endspiel gegen Fels.
Auf die Derby-Stimmung freut sich Gutenkauf indessen besonders. „In den letzten Jahren spielten in Fels viele Jungs, mit denen wir groß geworden sind. Heute ist das nicht mehr so – von denen ist eigentlich nur noch DJ übrig geblieben.“
Die besondere Motivation bleibt dennoch bestehen: „Wir leben alle in derselben Region, die Leute reden viel darüber. Deshalb herrscht auf beiden Seiten ein gewisser Druck, den man aber auch schätzt. Geschenkt wird sich hier erst recht nichts.“
„Positive Erinnerungen“
„An den 2. April 2011 kann ich mich noch sehr gut erinnern“, meint ebenfalls DJ Wilson mit einem Grinsen. Es war sein erstes Pokalfinale und gleichzeitig der einzige Titel, den er bisher in seiner Karriere gewonnen hat. „Ein Spieler wie Edson (De Sousa Silva) beispielsweise war damals vier Jahre alt. Das zeigt, dass ich schon lange dabei bin“, ergänzt der Felser Kapitän mit einem Lachen.
Ich hatte das Glück, mit Nelson Delgado zu spielen, der stets mein Vorbild war
DJ Wilson
Arantia Fels
Mit seinen Jahren in Ettelbrück, wo er den Basketball erlernt hat, verbindet Wilson sehr positive Erinnerungen. „Ich hatte das Glück, mit Nelson Delgado zu spielen, der stets mein Vorbild war und von dem ich mir als Kapitän auch einiges in Sachen Leadership abgeschaut habe. Vieles, was ich von Nels gelernt habe, versuche ich auch an unsere jungen Spieler weiterzugeben“, erzählt der 34-Jährige, der betont, dass er ohne die Anfänge in Ettelbrück heute nicht da wäre, wo er ist.
Seit der Saison 2017/18 läuft DJ Wilson im Trikot der Arantia auf und ist seit 2021 Kapitän. Damals spielte Fels noch in der Nationale 2, stieg jedoch in derselben Saison in die höchste Liga auf und hat sich seither kontinuierlich gesteigert. Mittlerweile zählt die Arantia zu den besten Teams des Landes.
„Die Aufbauarbeit begann schon vor meiner Zeit. Viele ehemalige Spieler sind dem Verein stets erhalten geblieben. Der Erfolg entsteht durch die Zusammenarbeit von Spielern und Verein. Und der Erfolg kam nicht von heute auf morgen. Ein Pokalfinale ist das Ziel eines Spielers, doch es ist vor allem auch eine Belohnung für den Verein, in dem Leute wie Rui (Nunes), Pedro (Nunes) oder Luc (Kirpach) seit Ewigkeiten dabei sind.“
Auch wenn Fels aktuell den besseren Lauf hat, sagt die Tabelle Wilson zufolge nicht unbedingt alles aus. Für den 34-Jährigen ist die Etzella die stärkste Mannschaft dieser Spielzeit. „‚Mir kruten eng gutt laanscht d’Läffele géint si‘, ganz einfach, weil Ettelbrück besser war. Wir wissen, was uns erwartet. Und deshalb müssen wir von Beginn an bereit sein. Im Halbfinale verschliefen wir die erste Hälfte. Falls wir gegen die Etzella einen solchen Start erwischen, dürfen wir uns nicht vormachen, dass wir das Spiel noch gewinnen können“, so Wilson, der vor Kurzem Vater wurde und unterstreicht, dass das Pokalendspiel vielleicht eine der letzten Gelegenheiten ist, einen Titel zu gewinnen.
DJ Wilson (r.) beim Comebacksieg im Halbfinale gegen die Sparta Foto: Editpress/Gerry Schmit
Das Derby hat Tradition: In den letzten Jahren standen sich Ettelbrück und Fels immer wieder in wichtigen Duellen gegenüber. In positiver Erinnerung bleibt dem Felser sicherlich der Sieg im Pokalhalbfinale 2022 sowie das Viertelfinale der Meisterschaft 2023, das Fels mit 2:1 für sich entschied.
Wilson zufolge begann die Rivalität, als Spieler von der Etzella zur Arantia wechselten. „Ich habe viele positive Erinnerungen an Ettelbrück, aber es gab auch Gründe für meinen Wechsel und deshalb wollte – und will – ich mich stets gegen meinen ehemaligen Verein beweisen.“
Ein Derby mit Tradition
Trotz der Rivalität versteht man sich auf dem Feld gut: „Nach einem Spiel trinkt man ein Bier zusammen. Oftmals bleiben wir länger in Ettelbrück in der Buvette und sie bei uns. Das macht den einheimischen Basketball eben aus.“
Wilson merkt jedoch schmunzelnd an, dass man nach dem Endspiel vielleicht nicht zusammen anstoßen wird.
Ein Derby, hitzige Duelle
Nach vier Jahrzehnten, in denen die Arantia eher im Niemandsland vor sich her tummelte, begann mit dem ersten Aufstieg im Jahr 2013 eine neue Ära. Seitdem hat sich in Fels viel getan – besonders die Anfangsjahre, als viele ehemalige Etzella-Spieler im Kader standen, lieferten heiße Derby-Duelle. In den letzten Jahren hat sich die Arantia in der Enovos League dann endgültig unter den Spitzenteams etabliert.
Ein vorläufiger Höhepunkt war der Einzug ins Pokalfinale 2022, das jedoch gegen Esch verloren ging. Zuvor hatte Fels im Halbfinale Ettelbrück aus dem Wettbewerb geworfen. In der gleichen Saison revanchierte sich die Etzella allerdings im Meisterschaftsviertelfinale mit einem 2:0-Erfolg. Ein Jahr später, in der Saison 2022/23, standen sich beide Teams erneut im Viertelfinale der Meisterschaft gegenüber – eines der intensivsten Duelle der rezenten Derby-Geschichte, das die Arantia im entscheidenden dritten Spiel knapp mit 103:102 für sich entscheiden konnte.