Nach Bronze von Colin und Weber
Wie das luxemburgische Beachvolleyball aus den Kinderschuhen wächst
Im luxemburgischen Beachvolleyball tut sich etwas: Zum Auftakt der mitteleuropäischen Turniere holten Steve Weber und Colin Hilbert in Tschechien Bronze. Auch ein zweites Herren-Duo vertritt die Luxemburger Farben derzeit auf internationalem Level.
Mit seiner Körpergröße ist der Block eine natürliche Stärke des früheren Basketballers Mathis Wolff Foto: CEV Nations Cup
Vor über 100 Jahren wurden auf Stränden auf Hawaii bereits erste Volleyballspiele ausgetragen und vor 20 Jahren wurde Beachvolleyball in Atlanta olympisch. Ebenso geht dieses Jahr das bekannte Luxembourg Beach Open auf dem „Gaalgebierg“ in die 30. Auflage. Auch bei den nächsten JPEE in Monaco wird wieder im Sand gebaggert und bei der letztjährigen Ausgabe in Andorra holten Rebekka Klerf und Eline Delcourt Silber. Dort verletzte sich allerdings Colin Hilbert. Endlich wieder komplett genesen, geht er mit seinem langjährigen Partner Steve Weber in ein ambitioniertes Jahr, in dem erstmals ein luxemburgischer Nationaltrainer die Sportart koordiniert fördert.
Bronze zum Auftakt
Zum Auftakt der mitteleuropäischen Turniere (Mevza) holten die dreifachen Landesmeister am 11. Mai in Benesov Bronze und gleich anschließend ging es zum Qualifikationsturnier im Nationscup nach Madrid. Das wird von einer Nationalmannschaft aus zwei Duos bestritten. Bei den Frauen fehlt für diesen Nationencup derzeit ein starkes zweites Team, aber in Madrid tauchte am Netz plötzlich Mathis Wolff auf und sagte: „Es war eine Megaehre, dort unsere Farben zu vertreten und ich bin dem Nationaltrainer unendlich dankbar, dass er uns das Vertrauen geschenkt hat und ich so früh so etwas spielen konnte.“
Vor Corona spielte der Zwei-Meter-Hüne noch in Ettelbrück und Bartringen Basketball. Wegen seines Studiums in Mainz und vor allem einer schwereren Knieverletzung musste er seiner Sportart den Rücken kehren und begeisterte sich nach und nach fürs Spiel im Sand. „Am schwersten fällt mir das Timing im Angriff und ich muss mich daran gewöhnen, nicht wie im Basketball unter den Ball zu springen und so das gegnerische Feld aus den Augen zu verlieren. Auch bei der tiefen Annahme und eigentlich überall kann ich noch viel lernen.“
Dass man auch noch spät erfolgreich zum (Beach-)Volleyball wechseln kann, beweist der frühere Fußballer Colin Hilbert. Dieser hatte sich in der Pandemie in das Volleyballspiel im Sand verliebt und formt nach einer kurzen, aber intensiven Lehrzeit mit Steve Weber das stärkste luxemburgische Paar. Nach einer längeren Auszeit durch Hilberts Verletzung in Andorra haben sie in der aktuellen Weltrangliste 576 Punkte aus nur drei Turnieren und liegen auf Platz 241.
Nach einem dreitägigen Lehrgang mit rumänischen Kollegen Anfang dieser Woche steht aber bereits ab Donnerstag das Futures-Turnier im niederländischen Appeldoorn an und Steve Weber verriet: „Diese ersten drei Wochen haben wir enorm viel auf dem Programm, aber auch danach spielen wir bis in den September wenigstens ein bis zwei Turniere im Monat, wollen regelmäßig bei den Futures ins Hauptfeld und dann so weit wie möglich kommen.“
Vom Basket zum Beachvolleyball
Den Nationscup sah er eher als Vorbereitungsturnier, um weiter Erfahrung zu sammeln und zu sehen, wo man sich verbessern kann. Sein Fazit: „Ich bin auf jeden Fall zufrieden. Wir haben gesehen, wie die Besten der Welt spielen, was sie in bestimmten Phasen machen, und dass wir streckenweise mithalten können. Und das Match gegen Serbien, bei dem es wirklich galt, haben wir gewonnen. Wir hatten gleich am Anfang den richtigen Schlüssel gefunden, sie hatten sich im zweiten Satz zwar besser eingestellt, aber im Tiebreak haben wir auch darauf die richtige Antwort gefunden.“ Die richtige Taktik, mentale Stärke und die Koordination des Duos sind im Beachvolleyball entscheidend. Selbst gegen die vierfachen spanischen Olympiateilnehmer oder den italienischen 21. der europäischen Rangliste spielten sie gut mit und Nationaltrainer Adrien Perchet nahm fleißig Notizen für die nächsten Trainings.

Seine Qualitäten aus der Halle bringt Nationalspieler Steve Weber auch immer besser in den Sand Foto: CEV Nations Cup
Nachdem Beachvolleyball lange Jahre (nur) als lustige Abwechslung in der Off-Season galt, soll der Nationaltrainer diese Variante bereits im Jugendbereich aufbauen und den bestehenden Seniorenbereich stärken. Welche Hilfe Adrien Perchet selbst für eingespielte und erfahrene Duos ist, betonte Steve Weber: „Bisher hatten wir gemacht, was wir mit unserer Erfahrung aus der Halle für richtig hielten. Er bringt uns jetzt Beachvolley bei und unser Zusammenspiel wird ständig besser.“
Es war eine Megaehre, dort unsere Farben zu vertreten und ich bin dem Nationaltrainer unendlich dankbar, dass er uns das Vertrauen geschenkt hat
Mathis Wolff
über seine erste Nationencup-Erfahrung
Noch wichtiger war der Nationaltrainer wohl für Mathis Wolff. Nach seiner Rückkehr nach Luxemburg im Oktober feilten die beiden den ganzen Winter an seiner Annahme und Technik und es war auch der Nationaltrainer, der ihn für seine erste richtige Saison im Beachvolleyball an die Seite von Lucas Pernossi stellte. Mit doppelter Staatsbürgerschaft lebt dieser in Bordeaux. In nur drei verlängerten Wochenenden im Februar, März und Mai spielten sie sich ein und sprangen in Benesov ins kalte Wasser. Gleich danach traten sie in Madrid auf. „Gegen diese großen Nationen hatten wir als Underdog nichts zu verlieren, gaben einfach alles“, erinnert sich Mathis Wolff zufrieden. Gegen das zweite Duo aus Spanien gewannen sie überraschend sogar den zweiten Satz und verloren den Tiebreak nur auf zwölf, wozu der 27-Jährige selbstkritisch anmerkte: „Von Anfang an kamen wir gut miteinander klar und hatten gegen die Spanier eine sehr gute Blockverteidigung. Wir machten aber auch viele unnötige Fehler wie Aufschläge ins Netz oder ich mit Netzfehlern. Uns fehlt einfach noch die Konstanz, aber wir brauchen uns nicht zu verstecken.“
Verstecken wäre mit seinen zwei Metern Körpergröße auch schwierig, aber bei Future-Turnieren sieht man ihn frühestens gegen Ende der Saison. Um überhaupt in der Qualifikation antreten zu können, muss das neue Duo erst bei Mevza-Turnieren Punkte sammeln. Und Mathis Wolff weitere Erfahrung bei den heimischen Wettkämpfen.
Im Überblick
Das Programm in Luxemburg:
6.6.: Qualifikation Luxembourg Beach Tour Men (Lintgen)
14.6.: Qualifikation LBT Men & Women (Echternach)
20.6.: Qualifikation LBT Men & Women (Boy Konen)
21.6.: Mixed Qualifikation LBT (Boy Konen)
27.6.: Qualifikation LBT Women (Lintgen)
28.6.: Qualifikation LBT Men (Bartringen)
11./12.7.: Mixed Finals LBT (Lintgen)
18./19.7.: Finals/Qualifiers LBT Men & Women (Boy Konen)
24.-26.7.: 30. Lux. Beach Open (Esch/Alzette)
25./26.7.: Finals LBT Men & Women (Esch/Alzette)
31.7.-2.8.: Mevza Championship (Cessingen)