Tennis
Die Herren als Vorbild: FLT will das Damen-Tennis weiter nach vorne treiben
Ab dem 15. Juni schlägt die luxemburgische Damen-Nationalmannschaft beim Billie Jean King Cup in San Marino auf. Die FLT möchte die Bühne des Wettbewerbs auch nutzen, um dem Damentennis im Großherzogtum neuen Schwung zu verleihen – und nimmt sich dabei auch den jüngsten Erfolg der Herren im Davis Cup zum Vorbild.
FLT-Präsident Claude Lamberty (M.) und Billie Jean King Cup-Kapitänin Claudine Schaul wollen das Damentennis nach vorne treiben Foto: Editpress/Didier Sylvestre
Es war Tennis auf hohem Niveau, emotional und am Ende in der ausverkauften Coque auch sportlich erfolgreich: Der 3:1-Heimsieg der FLT-Herren im Davis Cup gegen die Ukraine löste nicht nur Euphorie aus, sondern vielleicht auch einen kleinen Tennis-Hype im Großherzogtum. „Eine Nationalmannschaft ist immer das Aushängeschild einer Sportart“, sagt FLT-Präsident Claude Lamberty. „Wir sind sehr froh über den Erfolg unserer Herren. Aber auch unsere Damen haben einen hohen Stellenwert. Deswegen wollen wir sie promovieren – und das ist mit der Nationalmannschaft am einfachsten.“
Und nach dem Vorbild der Herren wollen nun auch die Damen nachziehen. Klar ist jedoch, dass die ganz großen Zeiten mit Spielerinnen wie Anne Kremer, Claudine Schaul oder Mandy Minella vorbei sind. Mit Marie Weckerle (WTA 585) hat die FLT ein Aushängeschild in ihren Reihen, das das Land begeistern kann. „Die Zeiten, in denen wir fast durchgehend in den Top 100 vertreten waren, sind vorbei“, weiß Billie-Jean-King-Cup-Kapitänin Schaul. „Das war aber für ein Land wie unseres außergewöhnlich. Marie steht aktuell in der Rangliste etwas alleine da. Ziel ist es aber, sie und die Spielerinnen dahinter bestmöglich zu begleiten.“
Molinaro auch wieder dabei
Die FLT will den anstehenden Billie Jean King Cup nutzen, um das Damentennis in Luxemburg weiter zu promoten. An erster Stelle steht dabei – und dessen sind sich die Verantwortlichen bewusst – der sportliche Erfolg. Vom 15. bis 20. Juni steht in San Marino das Turnier der Europa-Gruppe III an. Insgesamt 13 Nationen schlagen dann auf, gespielt wird in drei Dreier- und einer Vierergruppe. Die Gruppenersten bestreiten anschließend ein Play-off gegeneinander, die beiden Sieger steigen auf. „Wir sind nicht der Top-Favorit“, sagt Schaul, die in San Marino von Trainer Gilles Kremer, der dieses Amt neu belegt, begleitet wird. „Wir haben aber gute Chancen auf den Aufstieg. Ich hoffe, dass alle fit sind. In einer solchen Woche muss dann alles passen.“ Die Auslosung der Gruppen steht noch aus.
Um zum sportlichen Erfolg beizutragen, hat Kapitänin Claudine Schaul erneut Eléonora Molinaro nominiert. Molinaro, die einst die Nummer 234 der Welt war, hatte Ende 2024 ihren Rücktritt von der Profi-Tour erklärt. Dennoch war sie auch 2025 Teil des luxemburgischen Billie-Jean-King-Cup-Teams. Die 25-Jährige lebt weiterhin in den USA und betreut an ihrem College eine Mannschaft, für die sie jedoch selbst nicht mehr spielen darf.
Angeführt von Weckerle
„Ich bin in regelmäßigem Kontakt mit Eléonora“, sagt Schaul. „Ich habe mich zunächst vergewissert, ob sie noch trainiert und fit ist. Das hat mir als Information erst einmal gereicht. Es ist schwierig, ihren aktuellen Leistungsstand zu beurteilen. Sie hatte früher aber ein so hohes Niveau, dass sie auch weiterhin eine sehr gute Spielerin bleibt, selbst wenn sie nur trainiert. Außerdem bringt sie wichtige Erfahrung mit. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich sehr über die Nominierung gefreut hat, weil ihr die Mannschaft am Herzen liegt.“
Angeführt wird das Aufgebot zweifelsohne von Marie Weckerle, die bereits seit vier Jahren Teil des Teams ist und im Einzel eine Bilanz von vier Siegen und fünf Niederlagen aufweist. Ergänzt wird die Mannschaft durch die beiden 18-jährigen Nachwuchstalente Leila Fabbri und Onalee Wagner. „Sie konzentrieren sich beide voll auf Tennis und haben große Ziele“, sagt Schaul. Beide könnten in San Marino durchaus zu Einsätzen kommen: Im besten Fall hat Luxemburg drei oder sogar vier Spiele innerhalb von vier Tagen zu bestreiten.
Die hohe Belastung könnte Schaul dazu zwingen, in der Aufstellung zu rotieren. Während Fabbri vor ihrem Debüt stehen könnte, gab Wagner ihr Billie-Jean-King-Cup-Debüt bereits im vergangenen Jahr. Im Doppel trat sie an der Seite von Laura Palumbo an und besiegte ein montenegrinisches Duo, das beim Stand von 5:0 für die Luxemburgerinnen aufgab.
Bewerbung um die Austragung des Billie Jean King Cup
Neben der Werbung über die Nationalmannschaft arbeitet die FLT jedoch auch an der Basis daran, das Damentennis zu fördern. „Wenn unsere Vereine Mädchen lizenzieren, werden sie von uns finanziell unterstützt“, sagt Lamberty. „Fakt ist, dass mehr Jungen eine Lizenz erhalten als Mädchen. Von unserer Seite gibt es finanzielle und administrative Initiativen, um mehr Mädchen für unseren Sport zu gewinnen.“ Dass es einfacher wird, Mädchen zum Tennis zu bekommen, wenn die Damen erfolgreich sind, steht außer Frage. Im Optimalfall steigen die FLT-Damen in diesm Jahr auf und der Verband richtet dann 2027 den Billie Jean King Cup selbst in Luxemburg aus. Bereits in diesem Jahr hatte man sich um die Austragung beworben, den Zuschlag erhielt jedoch San Marino.
„Die Emotionen und Erlebnisse, wenn man Tennis live vor Ort erlebt, können Mädchen begeistern“, sagt der FLT-Präsident. „Wir würden gerne ein Turnier organisieren, aber es hängt natürlich auch immer von den anderen Bewerbungen ab. Wir werden wohl nie die Einzigen sein, die sich bewerben. Der Hintergedanke einer solchen Austragung ist natürlich auch die Werbung für den Sport. Medial sind wir dadurch viel präsenter und können den Menschen zudem etwas bieten. Sie haben die Spielerinnen quasi zum Anfassen nah. Und das ist etwas ganz anderes, als wenn unsere Nationalspielerinnen in San Marino oder Moldawien spielen.“