WM-Kolumne „Hasta la Visa“

Wie Donald Trump laut Redakteur Tun Stemper die Glaubwürdigkeit des Fußballs untergräbt

Donald Trump hat mit FIFA-Präsident Gianni Infantino wegen einer Roten Karte telefoniert. Kurz danach wurde Folarin Baloguns Sperre in eine Bewährung umgewandelt. Warum das problematisch ist.

Wie Donald Trump laut Redakteur Tun Stemper die Glaubwürdigkeit des Fußballs untergräbt

„Gianni, about that red card.“

„Donald, my friend, I will see what I can do.“

„Thank you for your attention to this matter.“

Ob es sich genauso abgespielt hat, wissen wir nicht. Aber: US-Präsident Donald Trump hat mit FIFA-Präsident Gianni Infantino wegen der Roten Karte gegen Folarin Balogun telefoniert. Seine Sperre für das Achtelfinale der US-Boys gegen Belgien wurde aufgehoben und in eine Bewährung umgewandelt – ein Schelm, wer dabei Böses denkt.

Das ist erst das zweite Mal in der WM-Geschichte, dass ein Spieler trotz Roter Karte im vorherigen Spiel auflaufen darf. Und in beiden Fällen gibt es Berichte über Einflussnahme aus der Politik. 1962 wurde Brasiliens Garrincha im Halbfinale vom Platz gestellt – und spielte im Endspiel trotzdem. Zum einen gab es damals, anders als heute, noch keine Regelsperren nach Roten Karten. Zum anderen bezahlte ein Schiedsrichter auf Befehl des brasilianischen Fußballverbandes den Linienrichter der Partie, damit dieser der Anhörung fernblieb. Regelrecht verschwunden sei er gewesen. Das Resultat: Ohne seine Aussage fehlten der FIFA die Beweise, um Garrincha zu sperren.

Dass nun, 64 Jahre später, ein US-Präsident eine Sperre aufheben konnte, zerstört die Glaubwürdigkeit des Fußballs stärker als Paraguay den französischen Spielfluss. Und schafft einen gefährlichen Präzedenzfall. Dürfte etwa Keir Starmer – oder König Charles höchstpersönlich – die Sperre von Englands Jarrell Quansah im Viertelfinale gegen Norwegen annulieren lassen?

Auch ohne Politikum ist die Episode kontrovers. Gegen Rote Karten bei einer WM darf eigentlich keine Beschwerde eingelegt werden. Zwar hat die FIFA die Möglichkeit, laut Artikel 27 des eigenen Regelwerks Sperren teilweise oder ganz zur Bewährung anzusetzen – diese Möglichkeit wurde etwa bei Cristiano Ronaldo angewendet, weil es seine erste Rote Karte im Trikot der Portugiesen war. Allerdings fehlt in der Causa Balogun jegliche Begründung. Das erhöht das Risiko für Willkür enorm.

Wenn jedoch Tatsachenentscheidungen anfechtbar sind, stellt sich die Frage: Wie lange? Dürfte man so Uwe Seeler, Franz Beckenbauer oder Gordon Banks wieder ausgraben, um das WM-Finale 1966 (irreguläres „Wembleytor“) zu wiederholen?

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