Nach Balogun-Begnadigung
Belgien schießt gegen FIFA und will Spielerlaubnis von Balogun anfechten
Nach der Aussetzung der Rot-Sperre für US-Stürmer Folarin Balogun fordert Belgiens Verband Aufklärung von der FIFA. Warum eine Berufung laut der Belgier keine Chance hat und was sie jetzt planen.
US-Präsident Donald Trump (r) hält während eines Treffens mit FIFA-Präsident Gianni Infantino im Oval Office des Weißen Hauses am 28.8.2018 eine Rote Karte hoch Archivbild: Evan Vucci/AP/dpa
Im Streit um die ausgesetzte Rot-Sperre des US-Nationalstürmers Folarin Balogun hat der belgische Fußballverband der FIFA schwere Vorwürfe zu einem Berufungsverfahren gemacht und weitere Schritte angekündigt. Der Verband sehe „keine andere Möglichkeit, als die Spielberechtigung Baloguns für das bevorstehende Spiel anzufechten“, hieß es in einer Stellungnahme des Königlichen Belgischen Fußballverbands (RBFA) kurz vor dem Achtelfinale der Belgier gegen die USA am Dienstag (2.00 Uhr/MESZ).
Was war passiert? Die Belgier teilten mit, ein Schreiben an die FIFA gerichtet zu haben mit der Bitte, eine Kopie der Entscheidung im Fall Balogun und eine Erläuterung des angewandten Verfahrens zu bekommen. Als einzige Reaktion habe der RBFA ein Schreiben der FIFA erhalten, in dem sie erklärte, die Korrespondenz als Berufung zu werten. Zudem teilte der Weltverband den Angaben nach mit, dass bereits ein Richter bestellt worden sei und dem RBFA nur wenige Stunden blieben, um diese Berufung zu vervollständigen.
Das Problem: Nach den eigenen Regularien der FIFA sei eine Berufung nur zulässig, wenn dem Berufungsführer zuvor die begründete Entscheidung zugestellt wurde, so der RBFA. „Obwohl der RBFA lediglich berechtigte Erklärungen verlangte, konstruierte die FIFA selbst ein Berufungsverfahren und sorgte zugleich dafür, dass dieses als unzulässig eingestuft werden würde“, hieß es im Statement der Belgier.
Belgischer Fußballverband über Ereignisse „zutiefst besorgt“
„Unabhängig vom sportlichen Ausgang dieser Partie ist der RBFA über den Verlauf der Ereignisse zutiefst besorgt“, schrieb der Verband weiter. Der RBFA werde sich „auch in den kommenden Stunden, Tagen und Monaten weiterhin für die grundlegenden Prinzipien von Ethik, fairem Wettbewerb und die Interessen des Fußballs insgesamt einsetzen“.
Zuvor hatte The Athletic berichtet, die FIFA habe Belgien das Recht eingeräumt, gegen die Entscheidung vorzugehen. Ein Mitglied des FIFA-Berufungsausschusses, das keinem UEFA- oder Concacaf-Verband angehört, sollte demnach über den Fall entscheiden.
Balogun hatte im WM-Spiel gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte gesehen, nachdem er unabsichtlich auf dem Knöchel seines Gegners gelandet war, und war zunächst für ein Spiel gesperrt worden. Die FIFA setzte die Sperre später unter Berufung auf Artikel 27 ihres Disziplinarreglements, der die Aussetzung einer Disziplinarmaßnahme ganz oder teilweise ermöglicht, für ein Jahr zur Bewährung aus. Damit ist der US-Stürmer nach derzeitigem Stand für das Achtelfinale gegen Belgien spielberechtigt.
Der New York Times und der Nachrichtenagentur AP zufolge soll der Aussetzung der Sperre ein Anruf von US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Chef Gianni Infantino vorausgegangen sein. Die Entscheidung der FIFA und die Berichte um mögliche Hintergründe lösten weltweit Kritik aus.