WM-Kolumne „Hasta la Visa“
Das FIFA-Versprechen für den Weltfrieden heißt Ilgiz Tantashev
Stellen Sie sich vor, es ist Krieg – und keiner sieht gelb. Die WM hat ihren Tiefpunkt der Schiedsrichterleistungen, doch immerhin einen Dienst in Richtung Weltfrieden geleistet.
Die FIFA hatte recht! Fußball ist ein Völker verbindendes Element. Weshalb es trotz aller Probleme auf der Welt offenbar einen besonders hässlich geformten Friedenspreis brauchte. Nach der Betonschlacht von Philadelphia steht jedenfalls schon fest, wer diesen Spezial-Pokal bei der nächsten Verleihung erhält: Ilgiz Tantashev. Der usbekische Schiedsrichter schaffte in knapp 90 Minuten nämlich genau das, woran Politik, Ombudsleute und Diplomaten in der Nachkriegszeit scheiterten: Der 42-Jährige brachte Deutschland und Frankreich dazu, sich ausnahmsweise einmal vollkommen einig zu sein.
Einigen deutschen Kommentatoren spielte das durchaus in die Karten. Angefangen bei Sportjournalist Jonas Friedrich: „Das ist kein Gegner“, hatte er vor dem deutschen Aus gegen Paraguay noch im TV-Studio herausposaunt. Eine Woche später wusste die ganze Welt, was er wohl eigentlich gemeint hatte. Die Südamerikaner waren auf einen MMA-Kampf gegen Frankreich vorbereitet worden – und nicht so sehr auf eine Partie „Joga bonito“. 29 Tacklings, 13 „offizielle“ Fouls und keine einzige Gelbe für Paraguay: Wenn selbst Zlatan Ibrahimovic bei FOX viermal Platzverweise gesehen haben will, sagt das schon einiges über die Härte des Abends aus.
Dabei hatte Paraguays Trainerstab wohl ein Detail vergessen: die militärische Tradition des Gegners. Kylian Mbappé nennt man in den sozialen Medien den „General“. Entsprechend unbeeindruckt zeigten sich die Franzosen, als Matias Galarza auf dem Elfmeterpunkt herumstochern wollte. Veteranen bringt man nicht mit solchen Mitteln aus der Fassung, höchstens zum Grinsen. Spätestens als Rayan Cherki nach Spielende mit einem Napoleon-Hut über den Platz stolzierte, dürfte man in ganz Paraguay verstanden haben, dass die „Grande Nation“ ihnen bei psychologischer Kriegsführung noch viel beibringen könnte.
Der Sieger des Abends bleibt aber ohnehin Tantashev: Selten hat ein Schiedsrichter den Fußball so vereint. Da er in Zukunft an Spieltagen wohl etwas zusätzliche Freizeit haben wird, steht einer Ombudsmann-Karriere in der Weltpolitik eigentlich nichts mehr im Weg.