Start der K.-o.-Runde

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“: Kanada wartet auf „Decoy“-Davies

Auch vor dem Start der K.-o.-Runde bestimmt Alphonso Davies die Schlagzeilen in Kanada. Ist der Kapitän endlich bereit?

Alphonso Davies in kanadischem Fußballtrikot, seit März 2025 ohne Länderspieleinsatz für Kanada

Alphonso Davies hat seit März 2025 kein Spiel mehr für Kanada bestritten Foto: AFP/Emilee Chinn

Alphonso Davies schwieg. Wortlos, sein Handy ans Ohr gedrückt, lief Kanadas Kapitän durch die Katakomben des BC Place in Vancouver und ließ sein Land erneut ratlos zurück. Wann, so lautet die Frage vor dem größten Spiel in der Geschichte des kanadischen Männerfußballs, macht der Superstar endlich mit? „Er wird spielen“, sagte Nationaltrainer Jesse Marsch vor dem WM-Sechzehntelfinale gegen Südafrika. Doch so richtig glauben will ihm das niemand.

Schon gegen die Schweiz (1:2) hätte der Bayern-Profi schließlich sein Comeback feiern sollen, das hatte Marsch angekündigt. Doch am Ende? Alles nur ein „Decoy“, also ein „Ablenkungsmanöver“. Und so wird in Kanada vor der Partie am Sonntag (21.00 Uhr MESZ) in Los Angeles mal wieder kräftig diskutiert. Über Marsch, dessen Kommunikation, aber vor allem: über das Verlangen nach dem größten Star.

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragte The Athletic. Marsch müsse gegen Südafrika „alles in die Waagschale werfen“, also auch: Davies. Das Problem? Offensichtlich weiß niemand, wie es dem 25-Jährigen, der wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel seit Anfang Mai kein Spiel bestritten hat, wirklich geht. Und die Kommunikation des Trainers, so das Urteil der kanadischen Öffentlichkeit, mache die Situation nicht besser.

Nur ein Ablenkungsmanöver?

Seine neueste Ankündigung werde ohnehin niemand „als etwas anderes als Übertreibung auffassen“, scherzte Marsch am Donnerstag. Zuvor hatte es teils deutliche Kritik am Amerikaner gegeben. Mit seinem Versuch eines „Ablenkungsmanövers“ habe Marsch inmitten aller Euphorie ein „schlechtes Bild“ abgegeben, urteilte die Vancouver Sun: „Marsch kann sagen, was er will, aber es ist mehr als klar, dass Davies’ Verfügbarkeit nicht in seinen Händen liegt.

Sondern? In denen des FC Bayern? Schon vor der WM hieß es, dass man beim deutschen Rekordmeister hoffe, Davies würde frühestens in der K.-o.-Phase zum Einsatz kommen. Zu groß sei bei seinem Arbeitgeber die Sorge, der Linksverteidiger könnte zu früh einsteigen und sich abermals verletzen. Viel Spekulation freilich. Marsch nimmt das Ganze ohnehin nicht zu ernst.

„Das ist die WM“, verteidigte der 52-Jährige sein Ablenkungsmanöver: „Wir wollen gewinnen und jeden Vorteil nutzen, den wir bekommen können.“ Am Sonntag, betonte Marsch einmal mehr mit Nachdruck, werde Davies spielen. Ob von Beginn an oder nur als Joker, „werden wir sehen“. So oder so wäre die Bedeutung einer Rückkehr des Kapitäns, der seit März 2025 nicht mehr für Kanada gespielt hat, nicht zu unterschätzen.

Davies könne „einen großen Einfluss haben“, hatte Marsch zuletzt betont: „Sowohl fußballerisch als auch mental. Unser Kapitän ist zurück, unser bester Spieler ist wieder in der Mannschaft. Ich finde, das ist ein ganz entscheidender Faktor.“ Auch im Land würde Davies’ Rückkehr, gepaart mit einem Erfolg gegen Südafrika, nochmal einen Schub auslösen. (SID)

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