WM-Kolumne „Hasta la Visa“

Warum Redakteur Sam Maquet Grüneisen glaubt, dass Kloppo allein nicht reicht

Jürgen Klopp als alleiniger Retter des deutschen Fußballs? Warum es weit mehr braucht als einen sehr guten Bundestrainer.

Warum Redakteur Sam Maquet Grüneisen glaubt, dass Kloppo allein nicht reicht

Es war einer der traurigsten Tage in der Geschichte des DFB, ja wenn nicht sogar in der deutschen Sportgeschichte. Dieser 29. Juni hat sich in das kollektive Gedächtnis eingeprägt – ihr wisst, was ich meine.

Nun soll alles besser werden. Ein gewisser Jürgen Norbert Klopp aus Stuttgart, den meisten unter „Kloppo“ oder „The Normal One“ bekannt, soll die deutsche Nationalmannschaft, ja gar den deutschen Fußball retten. Doch mit Kloppo allein wird’s nicht reichen – es braucht neue Gesichter, neue Leader und vor allem auch Reformen beim DFB. Die Fehler sind nicht nur vor und während der diesjährigen WM passiert, seit Jahren wird beim größten Sportverband der Welt geschlampt. Das Versteckspiel, wer denn nun den nächsten Elfmeter schießt, die Nominierung von Manuel Neuer und die dazugehörige katastrophale Kommunikation reihen sich zu den Diskussionen um die „One Love“-Binde, mit der sich die Mannschaft und der Verband bis auf Mark blamiert haben, dem Festhalten an einem Weltmeisterbundestrainer, dem während Wochen und Monaten die Ideen ausgegangen sind. Spätestens mit dem Nike-Deal haben viele Akteure beim DFB ihr Gesicht verloren – wie könnt ihr nur?! Andererseits: Wie soll der Abgang Nagelmanns und die Verpflichtung Kloppos sonst auch finanziert werden?

Wie dem auch sei, nun muss in die Zukunft geschaut werden. Mit Klopp dürfte auf jeden Fall auf der Bank Ruhe einkehren. Die angestrebte Bewerbung für die WM 2038 oder WM 2042 setzt das richtige Zeichen, nun müssen Ergebnisse auf und neben dem Platz folgen. Vor allem aber braucht der DFB wieder Glaubwürdigkeit. Zu oft hatte man in den vergangenen Jahren das Gefühl, dass nicht der Fußball im Mittelpunkt stand, sondern Sitzungen, Strategiepapiere und Krisenkommunikation. Dies gilt es wieder umzukehren. Ein Verband darf Fehler machen – entscheidend ist, dass er daraus lernt. Genau daran bestehen derzeit berechtigte Zweifel. Es braucht eine klare sportliche Philosophie, eine bessere Nachwuchsförderung und vor allem einen Vorstand, der die Verantwortung auch übernimmt, wenn es unbequem wird. „Messias“ Klopp kann es auf jeden Fall nicht allein richten.

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