Jeunesse Esch
Verweigerter Handschlag aus „religiösen Gründen“ sorgt für Diskussionen
Ein Spieler der Jeunesse Esch hat weiblichen Anhängern das traditionelle Abklatschen verweigert. Verein und Spieler erklären das Verhalten mit religiösen Motiven. Die öffentliche Stellungnahme löst jetzt eine Diskussion über Religionsfreiheit und den Umgang mit Frauen aus.
Bei der Jeunesse Esch gibt es Diskussionsbedarf Foto: Editpress/Julien Garroy
Ein Vorfall nach dem Spiel der Jeunesse Esch gegen Käerjeng sorgt in den sozialen Netzwerken für Diskussionen. Younes Mouadden, Spieler des Rekordmeisters, verweigerte weiblichen Fans das traditionelle Abklatschen.
In einer öffentlichen Stellungnahme auf Facebook erklärt die Jeunesse, dass es dem Spieler zu keinem Zeitpunkt an Respekt gegenüber Frauen gemangelt habe. Dass der Spieler den Anhängerinnen nicht die Hand gegeben habe, sei ausschließlich auf religiöse Gründe zurückzuführen. Der Fußballer habe sein Verhalten bereits unmittelbar nach der Begegnung erklärt und klargestellt. Doch damit war das Thema noch nicht erledigt. Nach dem Spiel soll es in der „Buvette“ zu Anfeindungen gegenüber Mouadden gekommen sein. Laut Augenzeugenberichten soll der Spieler sachlich und ruhig auf dieses Verhalten reagiert haben.
Die Erklärung der Jeunesse stößt allerdings nicht überall auf Verständnis. In einem Kommentar auf Facebook wird dem Komitee vorgeworfen, mit seiner Stellungnahme ein frauenfeindliches Verhalten zu rechtfertigen. Die religiösen Gründe, auf die sich Spieler und Verein beriefen, seien nach Ansicht der Verfasserin Ausdruck von Intoleranz und Misogynie. Die Jeunesse hat bei Facebook mittlerweile die Kommentarfunktion unter dem besagten Post ausgeschaltet.
Auch innerhalb der Mannschaft war der Vorfall ein Thema. Jeunesse-Trainer Reinhold Breu rief nach dem Montagstraining seine Mannschaft zusammen, um die Geschehnisse noch einmal aufzuarbeiten.
„Noch keine Konklusionen“
Der Jeunesse-Vorstand wird sich in den kommenden Tagen auch noch einmal mit der Sache befassen. „Wir haben kommuniziert, aber noch keine Konklusionen gezogen. Es ist wichtig, niemanden sofort zu verdammen, aber auch nicht zu ignorieren, was vorgefallen ist. Wir werden in der nächsten Vorstandssitzung über dieses Thema reden“, sagt Klubpräsident Marc Theisen.
Mouadden wurde vom Tageblatt um eine Stellungnahme gebeten und gab Folgendes zu Protokoll: „Ich möchte mich vorerst nicht zu diesem Thema äußern. Es wird zu gegebener Zeit ein Statement seitens des Vereins geben.“
Mehr zu diesem Thema können Sie in unserem Editorial in der Mittwochsnummer nachlesen.