„Safe Fall, Safe Schools“
Verletzungen vermeiden: Luxemburger Schüler nehmen an internationaler Studie teil
Kinder klettern, laufen, springen – und stürzen. Teilweise unsanft und sehr gefährlich. Welche Auswirkungen ein Sturz auf die Gesundheit haben kann: Der Technische Direktor des Luxemburger Judoverbandes, Wolfang Amoussou, führte gemeinsam mit der Lunex-Universität und der Lasep die nationalen Tests für die internationale, wissenschaftliche Studie „Safe Fall, Safe Schools“ aus.
Hinfallen, ohne sich zu verletzen: Das wollte Wolfgang Amoussou der Testgruppe beibringen Foto: FLJudo
„Vum Fale léieren d’Kanner goen.“ Das Luxemburger Sprichwort mag seine Richtigkeit haben. Doch nicht jeder Sturz bleibt folgenlos. „Bei Kindern machen sie die Hälfte der Unfälle mit Verletzungen aus. Das kann im schlimmsten Fall tödlich enden“, warnte Wolfgang Amoussou. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sind Stürze sogar die zweithäufigste Ursache für tödliche Unfälle weltweit. Der Technische Direktor der FLJudo fügte erklärend hinzu: „Die größte Gefahr sind schwere Kopfverletzungen, sei es der Hinterkopf oder das Gesicht. Zudem können sich Kinder Knochenbrüche an den Händen, Schlüsselblättern, Knien oder beispielsweise den Ellenbogen zuziehen.“ Das geschieht beispielsweise, wenn man sich mit den Händen abstützt.
Dass sich solche Verletzungen mit ein paar ganz gezielten Kniffen vermeiden lassen, wollen zwei spanische Wissenschaftler beweisen: Die Studie „Safe Fall Safe Schools“ wurde im Jahr 2016 von den besagten Forschern sowie Judokas der Universität Sevilla ins Leben gerufen. Dr. Oscar del Castillo-Andrés und Dr. Maria del Carmen Campos-Mesa waren vergangene Woche in Luxemburg zu Gast, um die abschließenden Tests des Projekts der FLJudo zu beobachten: Teilgenommen hat die Klasse C4 der Grundschule in Sandweiler.
Zehn Minuten pro Woche
Noch muss auf die Auswertungen der Lunex gewartet werden, dennoch konnten vielversprechende Ergebnisse festgestellt werden: „Die Kinder, die am Programm teilgenommen haben, zeigten bei simulierten Vorwärts- und Rückwärtsstürzen sehr sichere, teilweise sogar perfekte Reaktionen. Die Kontrollgruppe, die kein Training erhalten hatte, zeigte hingegen potenziell gefährliche Reflexe, was das reale Risiko bei unerwarteten Stürzen deutlich macht.“ Diese Unterschiede wurden schon nach nur zwölf Wochen notiert – und das bei nur zehn Minuten gezielter Falltechniken und Übungen pro Woche (während der Sportstunden). Das Ziel ist es, den Kindern die richtigen Reflexe beizubringen.
Wie der Zufall es so wollte, waren bei der Testgruppe in Sandweiler zwar keine Judokas, dafür aber zwei Kinder dabei, die regelmäßig Parkour betreiben. Amoussou sagte: „Die wussten eigentlich schon, was zu tun war. Das Wichtigste ist das Abrollen, wenn man nach hinten oder auf die Seite fällt.“
Klingt eigentlich so, als wäre das Programm sowohl beim Zeitaufwand als auch bei der Umsetzung nicht mit großen Herausforderungen verbunden: „Man erlernt das sehr schnell. Ich erfinde nichts, sondern nutzte die Anleitungen in der App der Studie. Ein Lehrer muss die Prinzipien verstehen: Sich rund machen, ein bisschen üben und danach mit der App weiterarbeiten.“
In Luxemburg wurden Daten für die wissenschaftliche Studie gesammelt Foto: FLJudo