WM-Qualifikation

„Rote Löwinnen“ unterliegen dem Favoriten nach starker erster Hälfte

In ihrem fünften WM-Qualifikationsauftritt in der Liga B waren die Luxemburgerinnen während 45 Minuten ein Gegner auf Augenhöhe. Couragiert und ballbesitzorientiert, spielte die Nationalmannschaft mutig nach vorn. Nach dem Dreh wurden die Defensivfehler hart bestraft und die logische Niederlage gegen den Tabellenersten Belgien fiel dementsprechend (zu) hoch aus.

Charlotte Schmit und die Roten Löwinnen kämpfen engagiert in der ersten Hälfte eines Fußballspiels.

Charlotte Schmit und die „Roten Löwinnen“ haben sich in der ersten Hälfte teuer verkauft Foto: FLF/Alex Benavente

Das Trainerduo Daniel Zirbes und Cristina Correia musste in Belgien auf die verletzten Caroline Jorge (Kreuzbandriss) und Ana Barbosa (Muskelfaserriss) verzichten sowie auf eine Reihe von Spielerinnen, die aus schulischen Gründen fehlten. Andreia Machado und Amy Thompson, die beide in internationale Rente gehen werden, saßen zunächst auf der Bank.

Bei den Belgiern hatte man im Vorfeld nur eine Frage – und zwar, wie hoch der Heimsieg ausfallen würde. Im Hinblick auf die Tabelle der Liga B würde das Torverhältnis wohl eine entscheidende Rolle spielen – da Schottland in der gleichen Lage steckte. Selbst bei der Pressekonferenz vor dem WM-Qualifikationsspiel war von Bescheidenheit oder Demut keine Spur. Würde dieser Hochmut bestraft werden?

Insgesamt fünf Stürmerinnen standen in der Startelf, darunter Kapitänin Tessa Wullaert. Sie wurde eine Viertelstunde vor Anpfiff auf dem Rasen geehrt: Die Angreiferin von Inter Mailand erhielt zum sechsten Mal den „Soulier d’or“ des belgischen Fußballs.

Die Belgierinnen fackelten nicht lange und hatten nach wenigen Sekunden die erste Strafraumszene, bei der Estevez, die im Zentrum der Fünferkette aushalf, sofort einen Schlag abbekam und behandelt werden musste.

Die FLF-Auswahl wirkte davon nicht sonderlich geschockt – und schon gar nicht ängstlich. Lavinas, Miller und Kocan ließen den Ball über mehrere Stationen laufen. Und fast, ja fast hätte es sogar für die riesige Überraschung gereicht: Estevez brachte nach einem Foul auf Miller einen Freistoß in den Strafraum. Torhüterin Evrard verschätzte sich, doch Dos Santos und auch Dietrich verpassten die Sensation. Auf dem großen Platz hatten die „Roten Löwinnen“ einen bravourösen Start hingelegt.

Torhüterin Lucie Schlimé aus Luxemburg zeigt starke Parade im Handballspiel in der 40. Minute

Luxemburgs Torhüterin Lucie Schlimé hatte einen anstrengenden Arbeitstag: In der 40. Minute überzeugte sie mit einer starken Parade Foto: FLF/Alex Benavente

Allerdings würde gegen einen übermächtigen Gegner jeder Fehler sofort bestraft werden. Faria wollte nach hohem Janssens-Ball klären, doch legte ungewollt für Eurlings auf, die aus kurzer Distanz mit voller Wucht das 1:0 erzielte (11.). Die Geschosse aus zweiter Reihe blieben eine Gefahr, denn schon in der 15. donnerte Toloba die Pille mit wahnsinniger Kraft an die Latte.

Wenn es nach vorn ging, dann meist über Lavinas und Dos Santos, die auf der rechten Seite gut harmonierten. Doch das taten die Favoritinnen auch, besonders wenn man ihnen auch noch den roten Teppich ausrollte: Unter Druck bekam Schlimé den Ball nicht ordentlich nach vorn – sondern musste zusehen, wie Kapitänin Wullaert daraufhin völlig allein auf sie zukam und zum 2:0 lupfte (19.).

Kremer räumt auf

Kremer hatte währenddessen unheimlich viel zu tun und maßgeblichen Anteil daran, dass das Ergebnis nicht dramatischer war. Mit jeder Minute wuchs dagegen die Unzufriedenheit bei der Lokalelf, da Luxemburg mit kämpferischer Einstellung dagegenhielt, gut organisiert war und die Duelle annahm. Seitenwechsel mit hohen Bällen hinter die Verteidigung waren die größten belgischen Gefahrenquellen, doch die Abseitsfalle funktionierte meist gut.

Und selbst nach vorn ging noch etwas: Eine der besten FLF-Offensivaktionen entstand nach einer Kombination von Dietrich und Dos Santos: Die Nachwuchshoffnung legte für den Routinier auf, doch der Abschluss flog in der Nachspielzeit der ersten Hälfte am Tor vorbei.

Panne mit Konsequenzen

Schade, dass die FLF-Auswahl die ersten Sekunden nach Wiederanpfiff verschlief. Kocan wartete zu lange auf den Ball und konnte nur noch zusehen, wie die eingewechselte Reynders und Wullaert die Verteidigung überspielten (3:0). Inzwischen war mit Carvalho eine Debütantin auf dem Rasen, die Lavinas ersetzte. Zur Spielstunde durfte dann auch Thompson für Dietrich ran.

Etwas zu viel Unordnung im FLF-Defensivsektor nutzte Wullaert in der 67. für ihren persönlichen Dreierpack (67.). Die Hereinnahme von Machado brachte nicht den erhofften Effekt: Die Mannschaft war noch nicht richtig sortiert, als ein hoher Eurlings-Ball quer durch den Strafraum flog, Janssens köpfte ihn in die Maschen (74.). Die Luxemburgerinnen wurden nun förmlich überrollt. Der nächste Sturmlauf hatte das 6:0 zur Folge. Wieder war es Janssens, die dieses Mal nur aus kurzer Distanz einschieben musste. Binnen einer Viertelstunde hatte nicht nur das Ergebnis drastische Formen angenommen, sondern die engagierte Vorstellung der Luxemburgerinnen war zu einem Einbahnstraßenfußball der Belgierinnen geworden. Die FLF-Auswahl bekam den Kopf nicht mehr aus der Schlinge und die Angriffe rollten im Minutentakt auf Schlimé dar. Die Keeperin machte in den letzten Minuten alles richtig und wehrte noch mehrere Bälle ab.

Es blieb beim 0:6. Schon am Dienstag sehen sich beide Teams um 19.00 Uhr auf der Escher „Grenz“ zum abschließenden Rückspiel wieder.

Kapitänin Tessa Wullaert rechts bei Ehrung vor Fußballspiel, Teamführung und Auszeichnung sichtbar

Kapitänin Tessa Wullaert (r.) wurde vor der Partie geehrt Foto: AFP

Statistik

Belgien: Evrard - Mertens, Tysiak, Cayman, Janssen (63. Mathys) - Toloba (46. Reynders), Teulings, Vanzeir (63. Jacobs) - Janssens, Wullaert, Eurlings
Luxemburg: Schlimé - Lavinas (46. Carvalho), Faria (89. Freymann), Estevez, Kremer, Miny - Miller, Kocan (89. Besch), Schmit - Dos Santos (74. Machado), Dietrich (56. Thompson)
Schiedsrichterinnen: Terteleac - Nan, Ivanov (alle ROU)
Gelbe Karte: Freymann
Torfolge: 1:0 Eurlings (11.), 2:0 Wullaert (19.), 3:0 Wullaert (46.), 4:0 Wullaert (67.), 5:0 Janssens (74.), 6:0 Janssens (76.)
Zuschauer: 4.137 zahlende

Startelf der Gäste auf dem Fußballfeld vor Spielbeginn in sportlicher Mannschaftsaufstellung

Die Startelf der Gäste Foto: FLF/Alex Benavente

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