Fußball
Legende in England – und Teil einer Escher Legende: Kevin Keegan ist tot
Beim HSV und beim FC Liverpool reifte Kevin Keegan zum Weltstar, 1973 spielte er ein legendäres 1:1 in Esch an der „Grenz“. Überall verehrten ihn die Fans. Nun ist das Fußball-Idol gestorben.
Der ehemalige englische Fußballer und Trainer Kevin Keegan Neal Simpson/PA Wire/dpa
London. Sein vielleicht größtes Vermächtnis ist die Tatsache, dass er sich immer treu geblieben ist. Am Ende war auch Kevin Keegan nicht mehr so oft zu sehen: Das Alter und seine Krebserkrankung setzten ihm zu.
Aber wenn er etwas sagte, dann war es meistens genau wie früher: leidenschaftlich, emotional und vor allem authentisch. Die ehemalige Legende des Hamburger SV, des FC Liverpool und der englischen Fußball-Nationalmannschaft war nicht nur in England als echter Typ bekannt. Nun ist Keegan im Alter von 75 Jahren gestorben.
Fußball-Business verliert ein Unikat
Anfang Januar hatte seine Familie öffentlich gemacht, dass Keegan an Krebs erkrankt sei und sich einer Behandlung unterziehen müsse. Einen Tag nach dem WM-Finale gaben seine engsten Angehörigen „in tiefer Trauer“ bekannt: „Kevin kämpfte gegen den Krebs und war in seinen letzten Augenblicken von seiner Frau und seinen Töchtern umgeben.“
Der Fußball verliert damit einen weiteren Menschen, wie es sie heute in diesem Millionen-Business kaum noch gibt. Keegan stammte zwar aus einer Zeit, in welcher er seine Hemdsärmeligkeit ohne Sorge vor negativen Konsequenzen noch vor Mikrofonen ausleben konnte. Aber er veränderte sich und seine offene Art auch nicht, als der Fußball längst zum Medienzirkus verkommen war.
„Keegan war nie der Mann für Strategiepapiere – aber einer, der dich mitreißen konnte, weil du wusstest: Der meint das ernst“, sagte Alan Shearer einst über seinen ehemaligen Trainer.
Begonnen hat für Keegan aber alles als Spieler. Sein großer Durchbruch gelang ihm 1971 mit seinem Wechsel zum FC Liverpool. Mit seinem aggressiven Spielstil und seinem unermüdlichen Willen eroberte der Angreifer die Herzen der Fans. Die gewonnenen Titel waren sicher auch kein Nachteil: in sechs Jahren an der Anfield Road holte er drei englische Meisterschaften, den FA Cup und 1977 den Europapokal der Landesmeister.
Vom Escher Remis zum Ballon d‘Or
Kevin Keegan gehörte zu jener Liverpooler Mannschaft, die am 19. September 1973 in Esch antrat und dort eine der größten Überraschungen der luxemburgischen Europapokalgeschichte erlebte. Der amtierende englische Meister und UEFA-Pokalsieger, trainiert von Bill Shankly, kam mit zahlreichen Nationalspielern an die „Grenz“: Ray Clemence, Tommy Smith, Emlyn Hughes, Ian Callaghan und eben Keegan. Ihnen gegenüber stand eine reine Amateurmannschaft, deren Spieler zum Teil auf der Schmelz arbeiteten. Rund 7.000 Zuschauer drängten sich an jenem Abend ins Stadion. Nach dem Ausgleichstreffer von Gilbert Dussier in der 88. Minute sprach die BBC von der „Tragödie des englischen Fußballs“.
Für Keegan war Esch eine Fußnote in einer außergewöhnlichen Karriere. Shankly hatte ihn 1971 von Scunthorpe United nach Liverpool geholt und aus dem Mittelfeldspieler einen Stürmer gemacht. Drei englische Meistertitel, zwei UEFA-Pokale, der FA Cup und 1977 der Europapokal der Landesmeister folgten. Das 1:1 an der „Grenz“ dürfte in seinen Erinnerungen kaum vorgekommen sein. In Esch dagegen wird bis heute davon erzählt.
Weltstar beim Hamburger SV
Keegan entwickelte sich später zu einer der prägendsten Figuren der deutschen Bundesliga. 1979 führte er den HSV zur Meisterschaft und wurde zweimal in Folge zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. Die Hamburger hatten plötzlich einen internationalen Superstar in ihren Reihen. Der größte HSV-Fußballer seit Uwe Seeler.
„Kevin war ein ganz wichtiger Baustein für diese Mannschaft“, erinnerte sich sein früherer Teamkollege Felix Magath im Gespräch mit dem NDR. „Er war ein super Teamplayer und ein super Mensch.“ Und: „Er war Vollprofi und uns in der Zeit voraus, was das ganze Auftreten gegenüber Medien und Fans betraf.“
Später arbeitete Keegan noch als Trainer: Er führte Newcastle United 1996 beinahe zur Meisterschaft und Englands Nationalteam 2000 zur EM. An den Glanz seiner Spielerkarriere knüpfte er als Coach aber nicht an. Aber auch als Trainer blieb Keegan, wie er immer war: kein Taktiktüftler oder Stratege, sondern ein Motivator, der die Spieler mit seiner Art mitriss.