Radsport

Verflixtes Sanremo: Helfen Pogacar die Tipps von Merckx?

Viermal stand Tadej Pogacar bei Mailand-Sanremo schon kurz vor dem Sieg. Jetzt soll es endlich gelingen, sogar der Kronprinz hilft mit. Aber sein großer Rivale ist wieder in Topform.

Tadej Pogacar konzentriert beim Radrennen Mailand-Sanremo am Samstag im Fokus der Zuschauer

Tadej Pogacar steht auch am Samstag bei Mailand-Sanremo im Fokus Foto: AFP/Anne-Christine Poujoulat

Der Fluch von Weltmeister Tadej Pogacar beim schweren Frühjahrsklassiker Mailand-Sanremo beschäftigt sogar Radsport-Legende Eddy Merckx. Der „Kannibale“, siebenmal bei der Classicissima siegreich, gab seinem Erben gar ein paar Tipps zum besten Zeitpunkt für einen Angriff. Ob der slowenische Ausnahmekönner darauf zurückgreift?

Regelmäßig machte Pogacar jedenfalls zuletzt im Training von seinem Wohnort Monaco aus einen Abstecher nach Italien. Das Finale dürfte er längst in- und auswendig kennen. Die Cipressa, der vorletzte Anstieg mit durchschnittlich 4,2 Prozent Steigung auf 5,6 Kilometern Länge, soll der Slowene im Training sogar in 8:51 Minuten hochgerast sein. Das wären nochmal sechs Sekunden schneller als im Rennen vor einem Jahr.

Zwei Klassiker fehlen Pogacar noch

Am Samstag soll es endlich klappen. Mailand-Sanremo mit seinen fast 300 Kilometern Länge ist tatsächlich noch eines der wenigen Rennen, das nicht in Pogacars beachtlicher Erfolgsbilanz zu finden ist. Genauso wie die Kopfsteinpflaster-Tortur Paris-Roubaix, das zweite große Ziel des 27-Jährigen in diesem Frühjahr. Für einen Sieg bei diesen Radsport-Monumenten würde Pogacar sogar einen möglichen fünften Toursieg hergeben.

„Ich habe die Tour schon viermal gewonnen, und ob ich sie ein fünftes Mal gewinne ... Ich denke, es ist ein größerer Unterschied zwischen null und eins als zwischen vier und fünf“, sagte Pogacar und betonte: „Mailand-Sanremo und Paris-Roubaix zu gewinnen, wäre ein Highlight in meiner Karriere. Sollte ich diese Rennen jemals gewinnen, würde ich denken, dass man nicht viel mehr in seiner Karriere erreichen könnte.“

Van der Poel als Spielverderber

Fünfter, Vierter, Dritter, Dritter – mit seiner durchaus starken Bilanz aus den vergangenen vier Jahren kann sich Pogacar nur schwer anfreunden. Er sei nicht besessen davon, jedes Rennen zu gewinnen, versichert er. Bei Mailand-Sanremo ist es aber doch ein wenig anders. Meist stand ihm Klassiker-König Mathieu van der Poel im Weg. Zweimal gewann der Niederländer auf der Via Roma (2023 und 2025), einmal navigierte er seinen sprintstarken Teamkollegen Jasper Philipsen (2024) zum Sieg.

Und MvP ist wieder in bestechender Form. Gerade erst gewann er zwei Etappen bei Tirreno-Adriatico, den Klassiker Omloop Nieuwsblad holte er sich auch. Und der achte WM-Titel im Cross – natürlich Rekord – war Ehrensache. „Es gibt nicht mehr viel zu tun“, sagt van der Poel vor dem erneuten Duell mit Pogacar, dem er aber trotzdem Hoffnung auf ein Ende des Fluchs macht: „Letztes Jahr war er schon nah dran. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er das Rennen gewinnt.“

An der Cipressa hatte Pogacar im Vorjahr eine kleine Lücke gerissen, doch van der Poel kämpfte sich wieder heran. Und im Sprint ist der Weltmeister von 2023 kaum zu schlagen. Merckx würde die entscheidende Attacke erst am letzten Anstieg beim Poggio setzen. „Auch wenn er zu langen Ausreißversuchen fähig ist, ist in Sanremo die Wahrscheinlichkeit, eingeholt zu werden, deutlich höher“, sagte Merckx der Gazzetta dello Sport.

Kronprinz del Toro als Edelhelfer

Egal ob Cipressa oder Poggio – die Taktik ist klar. Sein UAE-Team muss mit einem höllischen Tempo in den Anstieg fahren, sodass Pogacar schließlich den endgültigen K.o. setzen kann. Nachdem Edelhelfer Tim Wellens wegen eines Schlüsselbeinbruchs ausfällt, soll nun Pogacars Kronprinz Isaac del Toro – immerhin Giro-Zweiter – den Job übernehmen. „Ich fahre Mailand–Sanremo nur für Tadej“, sagt der Mexikaner, der auch bei der Tour wichtigster Helfer von Pogacar sein wird. Irgendwann soll er mal die Nachfolge antreten.

Das kann aber noch dauern. Denn laut Teamchef Mauro Gianetti ist Pogacar „stärker als je zuvor“, wie er nach dessen Sieg beim Schotterrennen Strade Bianche vor gut zwei Wochen sagte. Das soll sich im Frühjahr auszahlen.

Auch die weiteren großen Klassiker – die Flandern-Rundfahrt und Liége-Bastogne-Liège – will Pogacar wieder bestreiten und gewinnen. Wie einst Merckx, der in der Vergangenheit schon betont hat: „Er ist mein Erbe. Er ist auch ein Killer auf dem Rad.“

Nur Geniets am Start

Aus luxemburgischer Sicht geht nur Kevin Geniets an den Start. Für den Profi von Groupama-FDJ wird es die fünfte Teilnahme an Mailand-Sanremo sein, 2023 erreichte er mit Platz 29 sein bestes Ergebnis. Der 29-Jährige wird sich aber in diesem Jahr in den Dienst seines Kapitäns Romain Grégoire stellen. „Mailand–Sanremo ist das erste Monument der Saison, ein bedeutendes Rennen“, sagt Grégoire. „Es ist auch das offenste Rennen des Jahres und das ist ganz klar ein Vorteil für mich. Ich komme mit dem Ziel, vorne mitzufahren. Es ist ein Kurs, den ich gut kenne, den ich mehrmals besichtigt habe und der viele Möglichkeiten bietet. Das Ziel ist klar: perfekt positioniert zu sein, wenn sich das Rennen an der Cipressa entscheidet.“

Philippe Maduit, sportlicher Leiter des Teams, ergänzt: „Die Rennintelligenz von Romain Grégoire wird es ihm ermöglichen, sich an die verschiedenen Szenarien anzupassen. Wir gehen mit Ambitionen an den Start dieses ersten Monuments – für Romain, mit einem Team, das ihm helfen wird, über den Tag hinweg möglichst viel Energie zu sparen, um sich im Finale mit den Besten zu messen und ein starkes Top-fünf-Ergebnis auf der Via Roma zu erreichen. Er hat das Selbstvertrauen und die körperliche Form, um dabei zu sein und das Team bei diesem Rennen glänzen zu lassen.“

Eigentlich hätten auch Alex Kirsch (Cofidis) und Luc Wirtgen (Tudor) die luxemburgischen Farben in Italien vertreten sollen. Beide müssen ihre Starts allerdings krankheitsbedingt absagen. Kirsch erkältete sich vergangene Woche bei Paris-Nice, wo er die letzte Etappe nicht mehr antrat. Ab kommenden Mittwoch will er dann aber die Flandern-Klassiker in Angriff nehmen, beginnend mit der Ronde van Brugge.

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