US Open
„Unethisch“? Die Debatte um Geschlechtstests im Tennis
Neue Gentests sorgen rund um die US Open für Diskussionen im Tennis. Spielerinnen müssen nachweisen, dass sie auf der Frauentour spielen dürfen. Die Tests haben nun kurz vor dem letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres begonnen. Viele Profis äußern sich positiv, aus Sicht von Kritikern ist die Regelung hingegen „unethisch“.
Die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka gehört zu den Befürworterinnen der Geschlechtstests Foto: AFP/Emilee Chinn
Vor gut einem Monat hatte die Women’s Tennis Association (WTA) angekündigt, dass jede Spielerin einmal einen genetischen Geschlechtstest machen muss – de facto stellt dies ein Verbot von Transfrauen im Tennis dar. Die Damen-Profitour folgt der Linie des Internationalen Olympischen Komitees. Auch in der Leichtathletik gibt es beispielsweise solche Tests seit rund einem Jahr.
Beim Screening auf das SRY-Gen wird untersucht, ob das auf dem Y-Chromosom liegende Gen vorhanden ist, das eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung männlicher Geschlechtsmerkmale spielt. Der Gentest kann entweder per Wangenabstrich oder anhand einer Blut- beziehungsweise Speichelprobe durchgeführt werden.
Bisher durften Transgender-Frauen an WTA-Turnieren teilnehmen, wenn sie ihr Geschlecht als weiblich angegeben und über einen Zeitraum von zwei Jahren vor dem Wettkampf einen gesenkten Testosteronspiegel nachweisen konnten. Derzeit sind keine Transgender-Frauen bekannt, die auf der WTA-Tour aktiv sind.
Forderungen von Menschenrechtsorganisationen
Mehrere Menschenrechtsorganisationen forderten die WTA, die Vereinigung der professionellen Tennisspielerinnen, nun auf, die Tests sofort zu stoppen. Diese würden die komplexe Realität der menschlichen Biologie ignorieren und den getesteten Frauen Traumata zufügen, heißt es in einer Erklärung der Sports & Rights Alliance.
„Geschlechtstests in ihren vielfältigen Formen wurden als unethisch, unwissenschaftlich und undurchführbar widerlegt und basieren häufig auf rassistischen Geschlechterstereotypen“, sagte Minky Worden, Direktorin bei Human Rights Watch. „Die WTA sollte sich darauf konzentrieren, mehr Frauen und Mädchen den wunderbaren Tennissport näherzubringen, anstatt ihn zu Überwachung, Stigmatisierung und Stereotypen zurückzuführen, gegen die sie so hart gekämpft hat.“
Viele Befürworterinnen
Die öffentlichen Stimmen aus dem Kreis der Spielerinnen sind aktuell weitgehend positiv. „Ich denke, dass es sehr wichtig ist, damit wir die Fairness auf der Tour wahren“, sagte die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka aus Belarus.
Die amerikanische Weltranglistendritte Jessica Pegula berichtete, dass mit den Tests beim Mastersturnier in Cincinnati, der Generalprobe für die US Open, begonnen worden sei. „Und so weit ich gehört habe, ist es sehr einfach“, sagte die 32-Jährige, die Mitglied des WTA-Spielerrates ist. Sie habe noch von keinen negativen Rückmeldungen und Beschwerden gehört. „Es ist ein heißes Thema gerade, aber ich denke, die Tour macht einen ziemlich guten Job und die Spielerinnen scheinen mit allem einverstanden zu sein“, äußerte Pegula bei Front Office Sports.
Aus Sicht ihrer US-Kollegin Coco Gauff hätte die WTA bei der Einführung der Tests jedoch transparenter sein können. Viele Spielerinnen hätten erst durch die Pressemitteilung von der Neuerung erfahren.
Differenzierte Diskussion
Inmitten der besonders in den USA hitzig geführten Debatte äußerte sich die 22-Jährige reflektiert. „Es ist eine sehr differenzierte Diskussion und ich brauche eine differenzierte Antwort“, sagte die US-Open-Siegerin von 2023. „Ich stimme grundsätzlich zu, dass man die Fairness im Frauensport schützen will, aber ich missbillige die Angriffe, die dadurch entstehen – von Leuten, denen das eigentlich egal ist und die das nur als Vorwand nutzen, um die Transgender-Community anzugreifen.“