Tennis

Stars und Streit: Mixed-Wettbewerb in New York polarisiert

Die Stars fiebern zum zweiten Mal dem spektakulär reformierten Mixed-Wettbewerb der US Open entgegen. Doch das neue Format gefällt nicht jedem.

Sie wird auf jeden Fall die Zuschauer ins Arthur Ashe Stadium bringen: Serena Williams tritt im Mixed-Doppel gemeinsam mit Carlos Alcaraz an

Sie wird auf jeden Fall die Zuschauer ins Arthur Ashe Stadium bringen: Serena Williams tritt im Mixed-Doppel gemeinsam mit Carlos Alcaraz an Foto: AFP/Matthew Stockman

Carlos Alcaraz und Serena Williams bilden ein ikonisches Doppel, Novak Djokovic und Aryna Sabalenka haben den Titel im Blick – und Alexander Zverev will seine Lockerheit auf Hartplatz wiederfinden: Wenn der Mixed-Wettbewerb bei den US Open zum zweiten Mal als Event mit Showcharakter steigt, ist geballte Starpower garantiert. Doch während sich die Prominenz der Tennisszene in New York auf ein „Vorbereitungsturnier“ der anderen Art freut, gibt es erneut reichlich Diskussionen.

Doppel-Experten außen vor

„Warum macht man nicht einfach eine Exhibition? Wir müssen nicht alles vermischen. Hier geht es wirklich nur darum, Geld zu verdienen“, kritisierte die frühere französische Topspielerin Alizé Cornet. Sie spricht damit vielen Doppel-Experten aus dem Herzen, die beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres im Mixed gezwungenermaßen außen vor sind – der Erfolg im Vorjahr gibt den Veranstaltern aber recht.

Der verantwortliche US-Tennisverband USTA hatte den Modus komplett umgekrempelt und das Mixed-Turnier nur an zwei Tagen in der Vorwoche der Einzelwettbewerbe und mit verkürzten Sätzen ausgetragen. Das reformierte Format kam prächtig an. Die Stimmung im Arthur Ashe Stadium, der größten Tennisarena der Welt, war an den beiden Spieltagen herausragend, den Stars gefiel es enorm.

Auch diesmal ist die Vorfreude groß. „Das wird so viel Spaß machen. Ich freue mich riesig“, sagte die Weltranglistenerste Sabalenka, die mit Kumpel Djokovic antritt, und scherzte: „Er hat mich angefleht, mit ihm zu spielen.“ Gemeinsam wollen sie „den Titel“ holen, so Sabalenka. Das wollen am Dienstag und Mittwoch aber auch die weiteren Star-Duos, von denen eines heraussticht: Der Spanier Alcaraz (23) spielt mit US-Ikone Williams (44).

Alcaraz und Williams

Der siebenmalige Grand-Slam-Sieger Alcaraz kehrt in Flushing Meadows nach viermonatiger Verletzungspause auf den Court zurück. Williams hatte ihre Karriere eigentlich 2022 beendet und feierte im Sommer ihr Comeback auf der Tour. Im Mixed kennt sie sich aus: 1998 hatte Williams in Wimbledon sowie bei den US Open in diesem Wettbewerb triumphiert – und will das 28 Jahre später wiederholen.

Das Duo bekam die letzte von acht Wildcards der Veranstalter. Weitere Startplätze wurden über die Einzel-Weltrangliste vergeben. French-Open-Sieger Zverev, der in der Vorbereitung auf das am Sonntag beginnende Highlight im Big Apple geschwächelt hatte, spielt an der Seite der US-Amerikanerin Taylor Townsend. Die Heimfans hoffen auf ein gutes Abschneiden des US-Duos Taylor Fritz und Jessica Pegula.

Zum Showevent degradiert?

Auch mit dabei: die Titelverteidiger Andrea Vavassori und Sara Errani, die sich als klassisches Doppel-Paar im Vorjahr gegen die zahlreichen Einzelstars durchgesetzt hatten. Für weitere Doppelspezialisten ist aber auch in diesem Jahr kaum Platz. Reichlich Unmut bleibt.

Das Format benachteilige Doppelspieler, „die sich dieser Disziplin widmen. Das ist das ganze Jahr über ihr Lebensunterhalt, und dafür arbeiten sie hart. Das ist unfair“, schimpfte Cornet. Laura Siegemund, 2016 Mixed-Siegerin in New York, hatte schon im Vorjahr davon gesprochen, dass „ein ernsthafter Wettbewerb“ zu einem „kurzen Showevent“ degradiert werde – die Vorfreude der Stars bremst das aber keineswegs.

Federer ruft Begeisterung hervor

Im Arthur Ashe Stadium wurde laut gejubelt, tausende Fans zückten ihre Smartphones und unzählige Kinder jagten ein Autogramm: Tennis-Ikone Roger Federer ist vor dem Start der US Open unter großer Begeisterung auf den Centre Court in New York zurückgekehrt. Der 20-malige Grand-Slam-Sieger bestritt ein Training mit dem Italiener Lorenzo Musetti, ehe er bei einem Showmatch mit den früheren Rivalen Andy Roddick, Andre Agassi und John McEnroe im Doppel antritt.

„Es gibt mir wirklich eine echte Gelegenheit, Danke zu sagen“, sagte Federer auf einer Pressekonferenz am Montag. Es ist sein erstes Match seit 2019 beim Grand Slam im Big Apple. Zudem steht für den 44-Jährigen in dieser Woche die Aufnahme in die International Tennis Hall of Fame in Newport an.

Die Fans in New York waren nach Federers Karriereende ohne einen großen Abschied geblieben. Als der Schweizer 2019 im Viertelfinale gegen den Bulgaren Grigor Dimitrow verlor, hatte er noch vor, seine Laufbahn fortzusetzen. Verletzungsprobleme verhinderten jedoch Starts bei den US Open 2020 und 2021, ehe er sein letztes Profimatch beim Laver Cup im September 2022 bestritt.

Inzwischen habe der Zeitpunkt für ein Wiedersehen in New York gepasst, erklärte Federer. Eine Rückkehr auf die Profitour schloss er dagegen erneut kategorisch aus. Auf die Frage nach einer Wildcard antwortete er mehrfach mit „Nein“ und betonte: „Es gibt einfach viel zu viele Hindernisse, und ich bin zu beschäftigt. Alles gut und ich bin jetzt einfach nur ein Fan, der es genießt, zuzuschauen.“ (SID)

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