Fall Heraskewytsch

Ukrainer scheitert vor CAS – Gericht stützt IOC-Argumentation

Das Olympia-Aus von Skeleton-Pilot Wladyslaw Heraskewytsch in der Helm-Kontroverse ist besiegelt. Der Internationale Sportgerichtshof CAS stützt die Argumentation des IOC.

Wladyslaw Heraskewytsch mit blau-gelbem ukrainischen Schal beim CAS in Mailand am Freitagmorgen

Mit einem Schal in den ukrainischen Farben war Wladyslaw Heraskewytsch am Freitagmorgen in Mailand beim CAS vorstellig geworden Foto: AFP/Piero Cruciatti

Wladyslaw Heraskewytsch geizte nicht mit Symbolen und Zuversicht. Seinen Helm, das Politikum der 25. Olympischen Winterspiele, hatte der Skeletonpilot ebenso dabei wie einen Schal in den ukrainischen Landesfarben, als er vor der Ad-hoc-Kammer des Internationalen Sportgerichtshofes CAS am Freitagmorgen doch noch seinen Olympia-Start erwirken wollte – vergebens.

„Die Ad-hoc-Kammer des CAS wies den Antrag zurück und urteilte, dass die Meinungsfreiheit bei den Olympischen Spielen zwar gewährleistet ist, nicht aber am Wettkampfort selbst, was ein unantastbares Prinzip darstellt“, sagte CAS-Generalsekretär Matthieu Reeb nach der Entscheidungsfindung gegenüber Journalisten.

CAS-Richterin Annett Rombach, eine Expertin im Sportrecht aus Frankfurt am Main, gab in dieser dringlichen Angelegenheit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) Recht – und damit auch Präsidentin Kirsty Coventry, die kein Jahr nach ihrer Wahl und bei ihren ersten Spielen an der IOC-Spitze gleich eine handfeste Krise bewältigen musste.

Unantastbares Prinzip

Die Einzelrichterin habe „zwar vollstes Verständnis für Herrn Heraskewytschs Gedenken, ist aber an die Richtlinien des IOC zur Meinungsfreiheit von Athleten gebunden“, teilte der CAS mit. Auch halte sie die Einschränkungen der Meinungsäußerung „für angemessen und verhältnismäßig (...) angesichts der anderen Möglichkeiten für Athleten, auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen“. Dies ist etwa in Mixed Zones, bei Pressekonferenzen oder in Sozialen Netzwerken möglich.

Wie schon in den vergangenen Tagen gab sich Heraskewytsch nach der knapp dreistündigen Anhörung in einem Hotel im Herzen Mailands ungebrochen zuversichtlich. „Ich bin wirklich dankbar, dass ich diese Gelegenheit erhalten habe. Ich sehe happy aus, denn ich bin sehr positiv gestimmt darüber, wie es gelaufen ist“, sagte er und betonte sein Mantra: „Die Wahrheit wird sich durchsetzen. Ich weiß, dass ich mir nichts habe zuschulden kommen lassen.“

Der WM-Vierte hatte die Aufhebung der Entscheidung der Jury des Bob- und Skeleton-Weltverbandes IBSF vom Donnerstagmorgen beantragt. Zudem „als einstweilige Maßnahme des CAS die Wiederaufnahme mit sofortiger Wirkung in die Olympischen Winterspiele 2026 oder alternativ die Durchführung eines vom CAS überwachten offiziellen Laufs bis zur endgültigen Entscheidung des Wettkampfs“. Am Donnerstag fanden bereits die ersten beiden Wertungsläufe im Cortina Sliding Centre statt, am Freitagabend die abschließenden zwei.

Heraskewytsch hatte beabsichtigt, im Wettkampf einen Helm mit Porträts ukrainischer Sportler zu tragen, die im Angriffskrieg durch Russland ihr Leben verloren haben. Vom IOC wurde dies als unvereinbar mit der Olympischen Charta bezüglich der Richtlinien zum Ausdruck von Athleten angesehen.

Unterstützung aus der Heimat

Heraskewytsch hatte zuvor dem IOC und der IBSF deutlich gemacht, dass er den Helm tragen würde – auch nachdem ihm mitgeteilt worden war, dass er unter diesen Umständen nicht zugelassen würde. Der Helm wurde von ihm bereits während der Skeleton-Trainingseinheiten der Winterspiele verwendet, dies war noch erlaubt.

Er argumentierte gegenüber dem CAS, dass der Ausschluss „unverhältnismäßig“ sei, „nicht durch technische oder sicherheitstechnische Verstöße gestützt“ werde und ihm „irreparablen sportlichen Schaden“ zufüge. An Unterstützung aus der Heimat hatte es nicht gemangelt: Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj etwa stellte sich bei X demonstrativ hinter den Sportler. Die Rodler der ukrainischen Team-Staffel setzten nach ihrem Wettkampf ein sichtbares Zeichen, indem sie nach dem Lauf gemeinsam ihre Helme in die Höhe hielten.

Coventry betonte am Freitag abermals den Standpunkt ihrer Organisation, die wegen des Ausschlusses von Heraskewytsch in internationalen Medien heftig kritisiert wurde. „Die Regeln sind die Regeln, wie sie heute gelten. Und ich glaube, es ist eine sehr gute Regel, weil sie ihren Zweck erfüllt“, sagte die Präsidentin des Ringe-Ordens bei einer Pressekonferenz.

Angesprochen auf die schweren Zeiten beim IOC, das mehr Problemfelder zu bearbeiten hat als den „Fall Heraskewytsch“, konterte sie: „Das ist ein Job, den nur eine Frau machen kann.“

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