Olympia
Simon zeigt es den Kritikern – und will jetzt „Ruhe“
Julia Simon gewinnt ihre zweite Goldmedaille – und schickt anschließend eine Nachricht an ihre Kritiker. Nach der Kreditkartenaffäre will sich die Biathletin nur noch auf den Sport fokussieren.
Julia Simon brach bei der Siegerehrung in Tränen aus Foto: AFP/Franck Fife
Als Julia Simon ihr zweites goldenes Ausrufezeichen gesetzt hatte, wollte sie ihre innere Gefühlswelt nicht länger verbergen – und legte den Finger auf den Mund. „Ich möchte, dass man mich in Ruhe lässt“, sagte die französische Biathletin bei Eurosport nach ihrem Olympiasieg im Einzel: „Ich glaube, ich muss niemandem mehr etwas beweisen, jetzt möchte ich einfach nur Biathlon machen.“
Auch wenn sich die Schweigegeste im Ziel explizit gegen einen Reporter der französischen Sportzeitung L’Equipe richtete, von dem Simon im Vorfeld „einen schlechten Artikel gesehen“ habe, ließ sich diese doch auch auf eine viel größere Ebene übertragen. Nach einem folgenschweren Fehlverhalten hatte die zehnmalige Weltmeisterin in den vergangenen Jahren viel Kritik einstecken müssen – daran änderten auch sportliche Glanzleistungen nichts.
Weil sie unter anderem die Kreditkarte von ihrer Teamkollegin Justine Braisaz-Bouchet für Einkäufe im Wert von 2.400 Euro missbraucht und zudem kleinere Geldbeträge zwischen 20 und 50 Euro gestohlen hatte, war Simon im Oktober verurteilt worden. Neben einer dreimonatigen Bewährungsstrafe erhielt die 29-Jährige eine Geldstrafe in Höhe von 15.000 Euro und wurde anschließend auch vom Disziplinarausschuss des französischen Skiverbandes (FFS) für sechs Monate, davon fünf auf Bewährung, gesperrt.
Tränen in Strömen
Den Auftakt in den olympischen Winter in Östersund verpasste Simon somit. Und auch nach ihrer Rückkehr lief es lange nicht, erst unmittelbar vor dem Saisonhöhepunkt platzte mit dem Sieg im Massenstart von Nove Mesto der Knoten. Nach Goldmedaille Nummer zwei in Südtirol strotzt sie nun vor Selbstvertrauen.
Wie schwer der Druck auf ihren Schultern lag, verdeutlichte die Siegerehrung nach dem Einzel. Während die „Marseillaise“ durch das Antholzer Biathlon-Stadion dröhnte, flossen bei Simon die Tränen in Strömen. „Wenn man auf dem Podium steht, kommen viele Gefühle hoch. Man denkt an seine Zweifel, an die guten und schlechten Momente, an die Menschen, die einem geholfen haben“, sagte die Siegerin: „Ich bin heute wirklich stolz auf mich.“
Simon will die Fehler ihrer Vergangenheit hinter sich lassen – und sich Schritt für Schritt den verlorenen Respekt zurückverdienen. „Das Kapitel innerhalb des Teams ist jetzt abgeschlossen“, ist sich die Einzel-Olympiasiegerin sicher. Auch wenn die Stimmung untereinander weiter angespannt scheint.
„Ich bin wegen des Sports hier. Ich gebe mein Bestes im Sport“, sagte Simon – und schickte eine letzte Nachricht in Richtung ihrer lauten Kritiker: „Also müssen wir jetzt über Sport reden und nicht über Klatsch und Tratsch. Wenn sie über Klatsch und Tratsch reden wollen, dann gehen sie bitte weg.“ (SID)