Olympia
Rauswurf für Heraskewytsch: „Ein Moment der Schande“
Der Disput um seinen Helm ist eskaliert: Der ukrainische Skeletoni Wladyslaw Heraskewytsch ist vom IOC von den Olympischen Spielen ausgeschlossen worden.
Wegen dieses Helms wurde der Ukrainer Wladyslaw Heraskewytsch am Donnerstag disqualifiziert Foto: AFP/Odd Andersen
Sein Vater saß im Schnee und weinte hemmungslos, Wladyslaw Heraskewytsch machte derweil „tief enttäuscht“ und mit seinem umstrittenen Helm unter dem Arm sein (Un-)Rechtsverständnis nach seinem Olympia-Ausschluss überdeutlich klar. „Ich habe keine Regeln verletzt“, beteuerte der ukrainische Skeletonfahrer und klagte einmal mehr das Internationale Olympische Komitee (IOC) an: „Mir ist mein olympischer Moment gestohlen worden!“
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha sprach nach dem Rauswurf von einem „Moment der Schande“, Heraskewytsch selbst lieferte gleich die Begründung, warum die olympische Welt am Donnerstagmorgen um kurz nach neun Uhr heftig erschüttert wurde. „Ich habe nie darüber nachgedacht, nicht mit dem Helm zu starten“, sagte er am ZDF-Mikrofon und kündigte an, noch lange nicht aufgeben und vor den Internationalen Sportgerichtshof ziehen zu wollen: „Wir werden einen Fall für den CAS vorbereiten.“
Coventry weint
Die Konsequenz des sich tagelang aufbauenden Grundsatzstreits zwischen Heraskewytsch und dem IOC war mit dem Beharren auf das Tragen des „Helms des Gedenkens“ letztlich unausweichlich, denn auch das IOC pochte eisern auf seine Verfassung: Der WM-Vierte wurde vom olympischen Wettkampf am Donnerstag und Freitag im Eiskanal von Cortina ausgeschlossen, das gaben das IOC und der Weltverband IBSF eine knappe halbe Stunde vor dem Beginn des ersten Laufs bekannt. Die formale Disqualifikation sprach die IBSF aus, das IOC entzog Heraskewytsch die Akkreditierung.
„Ich hätte ihn gern im Rennen gesehen. Es war ein wahnsinnig emotionaler Morgen“, sagte IOC-Präsidentin Kirsty Coventry unter Tränen. Auch die zweimalige Schwimm-Olympiasiegerin, einst Vorsitzende der IOC-Athletenkommission, schien schwer getroffen über das, was sie aussprechen musste. Das Nationale Olympische Komitee der Ukraine erklärte trotzig: „Ein Sieg für Wladyslaw. Ein Sieg für das ganze Land.“
Heraskewytsch hatte darauf beharrt, wie schon im Training auch im Wettkampf einen besonderen Helm zu tragen: Darauf sind Porträts von im Krieg von russischen Soldaten getöteten Sportlern aus der Ukraine zu sehen. Das IOC sieht darin einen Verstoß gegen die olympische Charta, die Meinungsäußerungen unter anderem auf dem Spielfeld („field of play“) untersagt.
Auf Konfrontationskurs
„Skeletonpilot Wladyslaw Heraskewytsch darf nicht an den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand-Cortina teilnehmen, nachdem er sich geweigert hat, die Richtlinien des IOC zur Meinungsäußerung von Athleten einzuhalten“, erklärte das IOC. Ferner habe man „mit Bedauern beschlossen“, ihm die Akkreditierung für die laufenden Winterspiele „zu entziehen“.
Am Donnerstagmorgen hatte es abermals ein Gespräch zwischen Heraskewytsch und Coventry am Cortina Sliding Centre gegeben, das IOC sprach in seiner Kommunikation von einer „letzten Chance“. Heraskewytsch aber hatte schon zuvor keinen Millimeter nachgegeben. Vielmehr verschärfte er durch Videos in den Sozialen Medien seinen Konfrontationskurs.
Das IOC teilte mit, es sei „sehr daran interessiert“ gewesen, dass Heraskewytsch an den Wettkämpfen teilnimmt. Aus diesem Grund habe man sich mit ihm zusammengesetzt, um nach einer „möglichst respektvollen Möglichkeit zu suchen, seinem Wunsch nachzukommen, seiner im Zuge der russischen Invasion in der Ukraine ums Leben gekommenen Sportlerkollegen zu gedenken“.
Der Kern seines Falls, so das IOC, sei aber „nicht die Botschaft selbst, sondern der Ort, an dem er sie zum Ausdruck bringen wollte“. Das IOC hatte Heraskewytsch als Kompromiss angeboten, mit einer schwarzen Armbinde als Zeichen der Trauer zu starten.