Olympia
Heraskewytsch vs. IOC: Fragen und Antworten zum Helmstreit
Wladyslaw Heraskewytsch fordert das IOC heraus: Der Skeletonfahrer aus der Ukraine will seinen Helm trotz des Verbots nicht abziehen und der Welt die Bilder seiner getöteten Landsleute zeigen. Der SID beantwortet die Fragen zum Fall, der die Olympischen Winterspiele beschäftigt.
Der Ukrainer Wladyslaw Heraskewytsch sorgt aktuell wegen seines Helms für Aufregung Foto: Aijaz Rahi/AP
Worum geht es?
Der ukrainische Skeletonpilot Wladyslaw Heraskewytsch steht im offenen Konflikt mit dem IOC. Der 27-Jährige will im Wettkampf einen Helm tragen, der Porträts ukrainischer Sportler zeigt, die im Krieg von russischen Soldaten getötet wurden. Das IOC verbietet das mit Verweis auf Regel 50.2 der Olympischen Charta. Politische Botschaften sind im Wettkampf auf dem „field of play“ untersagt. Heraskewytsch kündigte trotz des Verbots an, den Helm im Wettbewerb am Donnerstag zu tragen.
Wie argumentiert Heraskewytsch?
Heraskewytsch bestreitet jede politische Absicht. Der Helm sei ein Ausdruck von Gedenken, nicht von Propaganda. Für ihn geht es darum, die Realität des russischen Angriffskrieges in der Ukraine zu zeigen. Sein Land zahle „jeden Tag einen Preis“ in diesem Krieg, und Sportler seien Teil dieser Opfer. Er verweist auf das Beispiel des deutschen Gewichthebers Matthias Steiner, der 2008 nach seinem Olympiasieg in Peking ein Foto seiner verstorbenen Frau präsentierte. Für Heraskewytsch ein Beleg dafür, dass persönliches Gedenken Platz habe.
Was sagt das Internationale Olympische Komitee?
Das IOC verweist strikt auf sein Regelwerk. Der Helm sei verboten, als Kompromiss bietet das IOC eine schwarze Armbinde an. Laut Sprecher Mark Adams habe sich die Regel 50.2 seit 2008 weiterentwickelt. Zudem verweist er auf „130 Konflikte weltweit“. Das IOC könne „nicht zulassen, dass sie – so schrecklich sie sein mögen – während der Wettkämpfe thematisiert werden“. Heraskewytsch dürfe sich außerhalb des Wettkampfs politisch äußern, im Rennen aber nicht. „Wir werden mit ihm sprechen, um zu versuchen, ihm zu erklären, dass es im Interesse aller liegt, dass er antritt“, sagte Adams am Mittwoch.
Wer unterstützt Heraskewytsch?
Rückhalt erhält der Ukrainer aus Sport und Politik. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sowie das Nationale Olympische Komitee der Ukraine stehen klar hinter ihm. Der dreimalige Rodel-Olympiasieger Felix Loch sagte dem SID, er könne Heraskewytsch verstehen. „Da ist kein Text oder irgendwas mit dabei“, sagte Loch und ergänzte, eine mögliche Disqualifikation seines Freundes, der 2022 mit Familie Loch Weihnachten gefeiert hatte, wäre „traurig“ und „ein bisschen ein Skandal“. Box-Ikone Wladimir Klitschko wirft dem IOC Heuchelei vor.
Was passiert, wenn Heraskewytsch den Helm im Wettkampf trägt?
Die Regel 50.2 gibt den Weg vor: Heraskewytsch erwartet ein Disziplinarverfahren mit einer Anhörung, bei der ihn ein Vertreter der IOC-Athletenkommission begleiten kann. Potenzielle Folgen für Heraskewytsch wären der Entzug der Akkreditierung und damit die Verweigerung des Startrechts im Wettbewerb am Donnerstag und Freitag oder die Disqualifikation. Adams wollte die konkreten Folgen und das potenzielle Vorgehen des IOC nicht benennen. Er sagte: „Das ‚field of play‘ ist heilig. Die Athleten haben uns aufgefordert, es zu schützen.“
Warum legt sich Heraskewytsch mit dem IOC an?
Der Sportler will seine Bühne bei den Olympischen Spielen nutzen. Die betrat er vor vier Jahren in Peking, als er auf einem Schild „No War in Ukraine“ (Kein Krieg in der Ukraine) forderte. Wenige Tage später marschierten die russischen Truppen in seiner Heimat ein, die Angriffe halten bis heute an. Dennoch wächst das Bestreben im internationalen Sport, die derzeit ausgeschlossenen russischen Sportlerinnen und Sportler bald wieder einzugliedern.