Olympia
Mikaela Shiffrin: Die bösen Geister sind zurück
Olympia ist, wenn Mikaela Shiffrin neben sich steht. Die Ski-Queen wird den Ringe-Albtraum nicht los.
Foto: AFP/Stefano Rellandini
Als Mikaela Shiffrin von ihren bösen Olympia-Geistern eingeholt wurde, zeigte die Größte ihre Größe. Ohne ihren neuerlichen, unerklärlichen Slalom-Patzer, sagte die Skikönigin zu Jacqueline Wiles und Paula Moltzan, hätten ihre Kolleginnen keine Medaille gewonnen, „und ihr habt euch das mit euren Herzen und Seelen verdient“. Dass sie vom Bronzeduo und Abfahrts-Olympiasiegerin Breezy Johnson getröstet worden sei, ergänzte Shiffrin, sei „eine der großartigsten olympischen Erfahrungen“ gewesen, „die ich je hatte. Ich hätte mir keinen besseren Start vorstellen können.“
Wie bitte? Shiffrin, die Dominatorin und Alles-Gewinnerin, die größte Skifahrerin der Geschichte, hatte gerade die sicher geglaubte Goldmedaille in der Team-Kombination verspielt – und damit böse Erinnerungen an ihr Olympia-Fiasko von Peking geweckt. „Bizarr“ nannte die Washington Post ihren Auftritt, ihre Story sei „verwirrend“ und „lähmend“. Das Wallstreet Journal („katastrophal“, „schockierend“) stöhnte: Shiffrin sei „drei Jahre und elf Monate lang die beste Skifahrerin der Welt – dann kommt sie zu Olympia“. Und alles geht schief.
Blockade oder Fluch?
Sieben von acht Weltcup-Slaloms hat die 30-Jährige in diesem Winter gewonnen, einmal war sie Zweite. Und am Dienstag? Rang 15 von 18! So schlecht platziert war sie im Weltcup zuletzt am 17. März 2012, vier Tage nach ihrem 17. Geburtstag. Was war nur los? „Ich habe nicht in meine Komfortzone gefunden, die mir Vollgas ermöglicht hätte“, sagte sie.
Eine Blockade? Ein Fluch? Olympia und Shiffrin, das schien einmal eine Erfolgsstory zu sein. Bei ihrer Premiere 2014 gewann sie Slalom-Gold, vier Jahre später triumphierte sie im Riesenslalom und holte nach einem enttäuschenden vierten Platz im Slalom noch Kombi-Silber.
Dann kam Peking. Aus im Riesenslalom, Aus im Slalom, Neunte im Super-G, Platz 18 in der Abfahrt, Aus in der Kombi, Vierte mit dem Team. Shiffrin stand noch immer unter dem Eindruck des plötzlichen Todes ihres Vaters, sie kämpfte verbissen, doch sie war nicht sie selbst.
Zwei Chancen stehen aus
Cortina sollte alles ändern, nach schweren Zeiten mit dem schlimmen Sturz ihres Lebensgefährten Aleksander Aamodt Kilde im Januar 2024 und ihrem bösen Unfall im November 2024 fand sie zurück in die Erfolgsspur. Doch die Furcht vor Olympia, diesem unberechenbaren Monster von einem Großereignis, hat sie immer begleitet. „Es könnte sein“, sagte sie im Vorfeld, „dass es nicht so schön endet für mich, dass ich Albträume habe.“
Und jetzt das! „Ich möchte keine Ausreden suchen“, sagte Shiffrin, bei Skirennen gehe es nunmal um winzige Details. Sie werde daraus lernen, „wir werden auf vielfältige Weise aus negativen Erfahrungen zu Champions“.
Zwei große Chancen hat sie noch, im Riesenslalom am Sonntag und im Slalom am 18. Februar. Ihre Teamkolleginnen drücken die Daumen. „Sie ist so wohlwollend, nett und unterstützend“, sagte Moltzan: „Sie ist eine wunderbare Siegerin, aber auch eine tolle Verliererin.“ (SID)