Vor der Fussball-WM

Trump und Infantino: Eine Bromance mit Beigeschmack

Gianni Infantino pflegt eine fragwürdige Männerfreundschaft zu Donald Trump – mit Vorteilen für beide und der Fußball-WM als Höhepunkt.

Gianni Infantino und Donald Trump bei einem Gespräch, FIFA-Präsident trifft US-Präsident, politisches Treffen Fußball

Gianni Infantino weiß, wie er bei Donald Trump Eindruck schinden kann Foto: AFP/Andrew Caballero-Reynolds

Gianni Infantino wusste vom ersten Moment an, wie er bei Donald Trump Eindruck schinden kann. Schon im Jahr 2018, als die USA gerade den Zuschlag für die Fußball-WM erhalten hatten, umgarnte der FIFA-Boss seinen künftigen Kumpel, mit einem Ball, einem Trikot sowie einer Gelben und Roten Karte, die, wie Infantino scherzte, ja noch „nützlich“ werden könnten. Der US-Präsident streckte die Rote Karte den Medienvertretern im Oval Office entgegen – und Infantino lachte.

Es war der Beginn einer fragwürdigen Männerfreundschaft, einer anrüchigen Allianz, von der sich beide Seiten persönliche Vorteile erhoffen, und einer „Bromance“, die bei der Mega-WM ihren Höhepunkt erreicht. „Johnny“, wie der US-Präsident Infantino einst nannte, sei „fantastisch“ und „ein Freund“, schwärmt Trump. Der Kuschelkurs des FIFA-Chefs führt eine Woche vor dem WM-Start aber unvermindert zu Kritik – und einem Aufruf an Fußballfans weltweit zum Widerstand.

Der Fußball, analysierte der renommierte Guardian, habe durch Infantinos Verehrung für Trump, die in der Verleihung eines sogenannten „Friedenspreises“ und einer Beschwerde gegen den FIFA-Boss bei der hauseigenen Ethikkommission gipfelte, „Blut an den Händen“. Infantinos Unterwürfigkeit habe die FIFA zudem an einen „Tiefpunkt“ geführt.

Und tatsächlich stellt sich die Frage, wie das Mantra des FIFA-Chefs vom Fußball, der die Welt vereine, zu seinem Verhältnis zu einem Präsidenten passt, der für Spaltung auf dem Globus sorgt. Laut FIFA-Ethikcode müsste sich der Chef des Weltverbandes eigentlich „politisch neutral“ verhalten.

„Blut an den Händen“

Infantinos Verteidigung klingt simpel: Eine gute Beziehung zum Staatschef des WM-Gastgebers sei vonnöten, um den Erfolg des aus seiner Sicht größten Events der Menschheitsgeschichte zu garantieren. Nicht zuletzt, wenn dieser unberechenbar auftritt. In Trumps USA sind schließlich nicht nur Probleme bei der Einreise oder der Teilnahme des Iran zu befürchten. Also alles Realpolitik? Infantino entwickelte sich zuletzt zum Anhängsel in Trumps Entourage, während er sich in Mexiko oder Kanada deutlich seltener blicken ließ.

Der FIFA-Boss strahlte bei Trumps Amtseinführung. Er reiste mit ihm durch den Nahen Osten, als in Paraguay die FIFA-Mitglieder beim Kongress warteten. Infantino tauchte selbst beim Friedensgipfel in Ägypten auf, alberte mit USA-Mütze beim Treffen von Trumps umstrittenem „Board of Peace“ herum und überließ ihm den WM-Pokal, den eigentlich nur „Gewinner“ berühren dürften, aber da Trump ein Gewinner sei …

Der US-Präsident betrachte die FIFA hingegen als „Propagandamaschine“, als „perfektes Sprachrohr“ für sein „nationalistisches Projekt“, wie die Initiative Play the Game analysierte. Im Gegenzug darf sich der Weltverband über die höchsten Einnahmen seiner Geschichte freuen – und der allmächtig auftretende Infantino über etliche Milliarden, die er an die Mitgliedsverbände verteilen kann, um seine Position zu sichern. Im nächsten Jahr soll er bis 2031 gewählt werden.

Sammelbeschwerde gegen FIFA-Boss

Infantino, der aus dem kleinen Schweizer Örtchen Brig stammt, sich inzwischen aber im Kreise der Reichen und Mächtigen am wohlsten zu fühlen scheint, halte sich „ganz offensichtlich für einen Staatsmann“, sagte Nicholas McGeehan, Direktor der Organisation FairSquare, die Fans weltweit dazu aufrief, sich an einer Sammelbeschwerde gegen den FIFA-Boss zu beteiligen. Unter Infantino sei die FIFA stärker politisiert und gefährlicher als je zuvor, sagte McGeehan dem SID.

Dabei befindet sich Infantino auch auf der schier ewigen Suche nach frischen Geldquellen – und neuen „Freunden“. Schon jetzt hat er die FIFA eng an Saudi-Arabien gebunden, den finanzstarken WM-Gastgeber 2034. Anders als bei Trump hat Infantino dem Kronprinzen Mohammed bin Salman aber keine Rote Karte überreicht. Noch nicht? (SID)

2 Kommentare
JJ 08.06.202608:35 Uhr

Erklären wir diese WM doch einfach zu einem "Non Event",wie unser unvergessene Me Vogel zu sagen pflegte. Er meinte damals zwar die Hochzeit bei Hofe,aber für dieses korrupte Männerpärchen würde es auch passen. Schade für den Fußball.

Grober J-P. 08.06.202608:24 Uhr

Was ist Fußball? Eine WG44B2A40, mit Garantie!

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