Radsport

Tour der Frauen: Eigene Bühne, aber „zu schnell entwickelt“?

Die Tour de France Femmes startet in ihr fünftes Jahr und wird berechtigterweise als Erfolgsgeschichte verkauft. Wie groß ist die Kluft zur Ausgabe der Männer?

„Tour de France Femmes“-Präsidentin Marion Rousse ist stolz darauf, dass die Damen-Rundfahrt als eigenständiges Event wahrgenommen wird

„Tour de France Femmes“-Präsidentin Marion Rousse ist stolz darauf, dass die Damen-Rundfahrt als eigenständiges Event wahrgenommen wird Foto: dpa/Thibault Camus

Der Grand Départ in der Schweiz, die Königsetappe am legendären Mont Ventoux, und ein packendes Finale an der Côte d’Azur: Die Tour de France Femmes bietet sportliche Höhepunkte im Überfluss. Das größte Statement ist 2026 jedoch kein spektakuläres Etappenprofil, sondern der Startzeitpunkt: In ihrer fünften Ausgabe erhält die Tour der Frauen erstmals ihre eigene Bühne.

Bislang waren die Frauen stets parallel zum Schlusswochenende der Männer gestartet. Diese Überschneidung, erklärte Tour-Direktorin Marion Rousse, sei nötig gewesen, um sicherzustellen, dass „die Leute uns weiterhin folgen“. Mittlerweile aber ist das Rennen so stark gewachsen, dass die Fans die Tour der Frauen als „eigenständiges Event“ wahrnehmen, sagte Rousse der Marca: „Ja, wir können uns den Luxus leisten, eine Woche später zu starten.“

Mehrere Teams verschwunden

Es ist ein weiterer Schritt zur Eigenständigkeit des Frauenradsports. Zuvor hatte der Weltverband UCI mehrere Reformen angeschoben. In den vergangenen Jahren wurde eine zweite Profi-Liga eingeführt, der Rennkalender aufgestockt, ein Mindestgehalt gibt es längst. Das hat die Leistungsdichte in der Weltspitze vergrößert – aber auch die Kosten für die Teams.

„Der Frauenradsport hat sich in den letzten vier Jahren zu schnell entwickelt“, sagt Claude Sun. Der Franzose war Geschäftsführer des deutschen Teams Ceratizit Pro Cycling, das im September 2025 aus finanziellen Gründen aufgelöst wurde. „Ich glaube, die UCI wollte für Frauen das gleiche Niveau wie für Männer erreichen: Teams, Kultur, Budget. Aber sie haben eines vergessen: die Sponsoren“, sagte er dem Portal Cyclingnews: „Die Sponsoren geben das Geld.“

Mehrere Teams verschwanden aus wirtschaftlichen Gründen. Der Betrieb eines World-Tour-Teams koste laut Sun inzwischen rund fünf Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie noch 2022. Die Folge: Auf 15 verfügbare Plätze bewarben sich nur 14 Teams.

„Wie ein Feuerwerk“

Die steigende Popularität hält das nicht auf. In rund 190 Ländern wird die Tour Femmes übertragen, ein Millionenpublikum schaut zu. Spannung dürfte den Fans auf jeder der neun Etappen vom 1. bis zum 9. August geboten sein. Von der Schweiz bis Nice warten 1.175 Kilometer und fast 19.000 Höhenmeter auf das Peloton. Nach dem Grand Départ in Lausanne steht in Frankreich unter anderem der legendäre Mont Ventoux auf dem Programm. 15,7 km mit 8,8 Prozent Steigung erwartet die Fahrerinnen am „Riesen der Provence“. An der Côte d’Azur endet die Rundfahrt spektakulär: Viermal geht es über den Col d’Eze. „Es ist ein bisschen wie ein Feuerwerk“, sagt Rousse.

Angeführt von Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prévot, Ex-Siegerin Demi Vollering sowie Katarzyna Niewiadoma-Phinney steht erneut ein hochkarätiges Feld am Start. „Seit Saisonbeginn haben wir praktisch jedes Wochenende eine andere Siegerin, und das sorgt für viel Spannung“, sagte Rousse. Aus luxemburgischer Sicht geht Nina Berton für ihr Team EF Education-Oatly an den Start.

Die Siegerin der Gesamtwertung erhält 50.000 Euro. Damit zählt die Tour de France Femmes zwar zu den bestdotierten Rennen im Frauenradsport, der Unterschied zur Männer-Tour bleibt jedoch groß: Dort kassiert der Gesamtsieger 500.000 Euro – also das Zehnfache. In der Wahrnehmung hat die Tour der Frauen jedoch aufgeholt – und steht nun erstmals allein im Rampenlicht.

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