WM-Kolumne „Hasta La Visa“
The Rhythm of the Night: Sportredakteur Pascal Gillen ist heute müde
1.00 Uhr, 4.00 Uhr, 6.00 Uhr: Die WM wird für echte Fußballfans zum Belastungstest. Die nächtlichen Anstoßzeiten könnten den gewohnten Tagesrhythmus gehörig durcheinanderbringen.
Grafik: Editpress
Manche Menschen werden vom Wecker geweckt. In Filmen werden andere vom Hahn geweckt, wiederum andere beginnen den Tag mit dem Läuten der Kirchenglocken. In den kommenden Wochen könnte diese Aufgabe allerdings der türkische, portugiesische oder brasilianische Nachbar übernehmen – das wird vielleicht dann nicht ganz so sanft, aber den Tag mit einem inbrünstigen „Gooool!“-Schrei zu starten, hat doch auch was.
Ja, wir müssen uns demnächst wohl auf ungewöhnlichere Nächte vorbereiten. Das betrifft nicht nur die Nachbarschaft, sondern auch sich selbst. Insgesamt muss man nämlich, wenn man fußballverrückt ist, den Tagesrhythmus umstellen. Man muss abwägen, ob es sich lohnt, um 3.00 Uhr ein Spiel zwischen dem Iran und Neuseeland zu schauen. Oder ob man doch lieber die Kräfte spart, damit man sich dann ein Brasilien - Marokko um 0.00 Uhr oder ein Argentinien - Algerien um 3.00 Uhr anschaut.
Die diesjährige WM wird deshalb weniger ein Fußballturnier als vielmehr ein großes Schlaf-Lotteriespiel. Auf Dauer wird man wohl merken, wer sich der nächtlichen Ruhe entzieht und stattdessen die WM-Spiele verfolgt. Allein im Büro könnte die Kaffeemaschine Überstunden machen, Kollegen könnten einen starren Blick auf den Bildschirm haben und vielleicht wird dann die Mittagspause genutzt, um Schlaf nachzuholen.
Sicher ist, dass es hart werden wird. Und trotzdem muss man da irgendwie durch. Weil Fußball bei solchen Turnieren eben nicht nur Sport ist, sondern ein Ausnahmezustand. Deshalb schon jetzt meine vorsorgliche Entschuldigung an Kollegen und Vorgesetzte, falls ich in den nächsten Wochen morgens nicht ganz auf der Höhe bin. Sorry, aber ich wurde heute um vier Uhr nachts Zeuge, wie Usbekistan den Kolumbianern ein 0:0 abgerungen hat.