„Reich werde ich sicher nicht“

So teuer ist Skisport für Olympionik Matthieu Osch

Mehrere Paar Ski, Reisen zu Wettkämpfen, Trainerkosten – aber kein Preisgeld. Skifahrer Matthieu Osch, der am Samstag im olympischen Riesenslalom in Bormio startet, spricht offen über die finanziellen Belastungen seines Sports. Ohne die Unterstützung der Armee wäre seine Karriere – und damit auch der dritte Start bei Olympischen Spielen – nicht möglich.

Matthieu Osch mit 3S-Tech Sponsorenlogo auf Sportbekleidung bei Outdoor-Event

Matthieu Osch, hier erkennbar mit seinem Kopfsponsor „3S-Tech“ Foto: AFP/Fabrice Coffrini

Die Ausrüstung

„Es fängt schon bei der Unterwäsche an“, erklärt Matthieu Osch, wenn es um die Ausrüstung geht. „Du brauchst spezielle Socken. Dann brauchst du deinen Rennanzug, eine Überhose, Softshell-Jacken, Skijacken, wenn du nicht gerade beim Rennfahren bist, um warm zu bleiben.“

Je nach Disziplin unterscheidet sich die Ausrüstung deutlich. Für die Speed-Disziplinen (Abfahrt und Super-G) benötigen Skifahrer andere Helme als für die technischen Disziplinen (Slalom und Riesenslalom). „Bei den technischen Disziplinen ist am Helm ein Kinnbügel, den du brauchst. Du brauchst auch mehrere Brillen, die sich an die Sichtverhältnisse anpassen. Dann, logisch: Stöcke, Skischuhe, Bindungen und Skier.“

Skipass

Wie Hobby-Skifahrer brauchen auch Rennfahrer Skipässe. In diesem Winter kostete eine Saisonkarte für Erwachsene in Tirol 1.169 Euro. „Wir bekommen einen ganz leicht ermäßigten Preis“, sagt Osch. „Diese Saisonkarte rentiert sich bei mir, weil ich sehr viel in Tirol fahre. Sonst ist es aber auch für uns als Sportler schwer, ermäßigte Preise zu bekommen. Es wird immer schwieriger, besondere Preise zu erhalten, da es für die Liftbetreiber mit den steigenden Kosten für Strom und Wasser auch immer komplizierter wird. Das spiegelt sich alles in den Preisen für die Skipässe wider.“

Wohnen und Reisen

Als Wintersportler – vor allem als Skifahrer – ist es wenig sinnvoll, in Luxemburg zu leben. Osch wohnt mittlerweile in Innsbruck, wo er gute Trainingsbedingungen vorfindet. „Ich kann den Sport nicht zu Hause machen, ich muss ins Ausland“, sagt er. Neben dem festen Wohnsitz ist der Skisport aber auch stark mit Reisen verbunden. Allein im Kalenderjahr 2025 startete Osch bei Rennen in Italien, Frankreich, Österreich, Bosnien-Herzegowina und der Schweiz. 2026 bestritt er unter anderem bereits Rennen in Slowenien.

Sportliche Leistungsfähigkeit

Neben gutem Material spielen viele weitere Faktoren eine Rolle: Kosten für Hotelübernachtungen, Auto, Physiotherapie, Trainer, Konditions- und Athletiktraining, Videoanalysen – all das ist notwendig, um auf diesem Niveau konkurrenzfähig zu bleiben, und kostet somit auch Geld.

Preisgeld

Am 28. Januar erreichte Matthieu Osch sein bestes Karriereergebnis. Beim FIS-Slalom im österreichischen Telfs Seewaldalm fuhr er nicht nur 25,98 FIS-Punkte ein (Karrierebestwert), sondern stand als Dritter auch auf dem Podium. Preisgeld erhielt er dafür jedoch keines. „Nein, wir müssen sogar noch Startgeld bezahlen“, erklärt er. „Die FIS-Rennen, die ich bestreite, sind das Sprungbrett für Rennen, bei denen man Preisgeld gewinnen kann.“ Hinter Welt- und Europacup bilden die FIS-Rennen die dritte Liga des Skisports. „Im Europacup gewinnst du ein wenig etwas, wenn es gut läuft. Aber richtig gut verdienst du nur als Spitzensportler im Weltcup.“ Skisportler haben dabei ein ähnliches Problem wie Athleten in vielen anderen Sportarten: Während die Besten sehr gut verdienen, bleibt für die Sportler dahinter kaum etwas übrig. „Es gibt nur wenige Skifahrer, die von ihrem Sport gut leben können. Ich denke, dass die Sportler in der erweiterten Spitze auch noch gut vom Geld leben können. Aber auch sie müssen nach ihrer aktiven Karriere sicher noch etwas dazuverdienen.“

Sponsoren

Während die besten Sportler hohe Einnahmen durch Sponsoren erzielen, hat Matthieu Osch lediglich einen sogenannten „Kopfsponsor“ – also ein Unternehmen, dessen Logo auf seinem Helm zu sehen ist. „3S-Tech“, eine luxemburgische Firma für die Installation und Bearbeitung von Fußballplätzen, bei der sein Vater Gilles Osch arbeitet, unterstützt ihn finanziell. Dass er bei Olympia startet, macht für seine Sponsoren aber keinen Unterschied, da während der Olympischen Spiele keine Werbung erlaubt ist. Die Firma kann lediglich kommunizieren, dass ein von ihr unterstützter Sportler an den Olympischen Spielen teilnimmt.

Geschätzte Kosten

Auf etwa 30.000 bis 40.000 Euro pro Jahr schätzt Osch die Kosten, die sich allein auf seinen Sport belaufen. „Es hängt natürlich immer von der Saison ab. Wenn Rennen außerhalb Europas stattfinden, sind die Flugtickets teurer. Manchmal brauchst du auch etwas Spezielles für das Material, das einmalig viel kostet.“

Finanzielle Unterstützung

Als Sportsoldat wird Osch von der Armee finanziell unterstützt. „Die Unterstützung vom Militär ist sehr gut. Sie geben mir die Möglichkeit, meinen Sport auszuüben. Ich habe einen Lohn und bin versichert. Zudem werden sie mich auch nach der Karriere noch unterstützen. Ohne das Militär wäre es sehr, sehr schwierig.“ Zusätzlich erhält Osch als Elitesportler Unterstützung vom Sportministerium und vom COSL.

Fazit

„Reich werde ich durch meinen Sport sicher nicht“, sagt Osch. „Durch die Budgets, die ich bekomme, und das Geld vom Kopfsponsor komme ich ungefähr auf null raus. Vielleicht gewinne ich irgendwann Preisgeld, wenn ich in der Weltrangliste noch aufsteige. Dadurch könnte ich mehr Screen-Time bekommen, also mehr Zeit im TV. Dann würden vielleicht auch andere Sponsoren auf mich aufmerksam werden. Aber klar ist: Es ist ein sehr teurer Sport.“

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