Vuelta

Pogacars Dominanz kennt keine Grenzen – so wie einst Real Madrid

Tadej Pogacar dominiert bei der Vuelta noch eklatanter als erwartet – und stellt sogar Real Madrid in den Schatten.

Tadej Pogacar bestimmt in Spanien die Schlagzeilen

Tadej Pogacar bestimmt in Spanien die Schlagzeilen Foto: AFP/Josep Lago

Matthew Brennan hat am Mittwoch die fünfte Etappe der Spanien-Rundfahrt gewonnen und damit seinen zweiten Tagessieg gefeiert. Das 21 Jahre alte Toptalent des Teams Visma-Lease a Bike setzte sich am ersten Vuelta-Tag in Spanien auf dem eher leichten Teilstück nach 173,3 km im Süden Kataloniens durch.

Doch gesprochen wurde an diesem Tag in Spanien nur über einen Mann: Tadej Pogacars Dominanz erreichte selbst die Kioske Madrids. Am Morgen nach seinem Wunder-Solo bei der Vuelta schenkte das ansonsten fußballfixierte Hauptstadtsportblatt AS dem Rad-Giganten die gesamte Titelseite: „Pogi“ als Triumphator im Roten Trikot, „INVENCIBLE“ (Unbesiegbar) in Riesenlettern darunter. Und das am Tag des ersten Real-Heimspiels unter José Mourinho. Ein Außerirdischer verdrängt die Galaktischen – Pogacars Vuelta-Donnerschlag in Andorra wirkte mächtig nach.

Matthew Brennan feierte am Mittwoch seinen zweiten Tagessieg

Matthew Brennan feierte am Mittwoch seinen zweiten Tagessieg Foto: AFP/Josep Lago

„Das war supergut. Damit kann ich in den kommenden Tagen etwas ruhiger und zuversichtlicher sein“, sagte der Slowene. Und ließ damit einem Monster-Alleingang eine Monster-Untertreibung folgen. Bei seinem Sieg nach einem Über-50-km-Solo – seinem längsten bei einer Grand Tour (am Tourmalet im Juli siegte er nach 43 km) – hatte er 2:39 Minuten Vorsprung, während hinter ihm Olympiasieger wie Primoz Roglic und Richard Carapaz am Anschlag fuhren.

Nicht am Anschlag

Das Wilde daran: Pogacar fuhr am Dienstag eben nicht am Anschlag – oder allenfalls zeitweise. Er trat an, besaß in Windeseile über drei Minuten Vorsprung, wirkte danach völlig entspannt, klatschte am Anstieg mit Teamkollege Adam Yates ab, der als Fan in Zivil an der Strecke anfeuerte, und radelte winkend zu dem Sieg, den er eigentlich schon bei der abgebrochenen Hageletappe am Montag hatte holen wollen.

Ob er denn wirklich so früh auf dieser nur 104,8 km langen Etappe über den Port Envalira, mit 2.408 m das Dach dieser Vuelta, attackieren musste? „Nee, musste ich nicht“, sagte Pogacar. Aber weil er sich gut gefühlt habe, wollte er einfach. Zumal er 2019 in Andorra bei seinem Vuelta-Debüt seinen ersten Etappensieg bei einer Grand Tour gefeiert hatte.

„Das sind wunderschöne Erinnerungen, es war einer der Lieblingsmomente meiner Karriere“, sagte er nun, sieben Jahre später: „Damals hätte ich nie gedacht, dass ich einmal wie heute fahren werde.“

Nun fährt er aber so, wie er gerade fährt. Und dominiert damit den Radsport so, wie es Real Madrid im Fußball in allergrößten Tagen gelang. Dass er diese Vuelta gewinnen und damit die Lücke in seiner sagenhaften Siegessammlung schließen wird, daran zweifelt schon jetzt niemand mehr.

Den Außerirdischen einfach ignorieren

Und selbst die besten irdischen Rundfahrer beginnen, den Außerirdischen einfach zu ignorieren. „Wir lassen ihn einfach sein Ding machen und tragen dann ein Rennen unter uns aus“, sagte der Brite Oscar Onley.

Pogacar fährt außer Konkurrenz, nur noch gegen sich selbst und die Historie. Nur vier Fahrer haben es in der Nachkriegszeit geschafft, eine große Rundfahrt vom ersten bis zum letzten Tag anzuführen: die Belgier Eddy Merckx (Giro 1973) und Freddy Maertens (Vuelta 1977) sowie Gianni Bugno (Italien/Giro 1990) und Tony Rominger (Schweiz/Vuelta 1994).

Schafft nun Pogacar, der seit dem Auftakt in Monaco Rot trägt, das im postmodernen Radsport eigentlich unvorstellbar Gewordene? „Wir werden unser Bestes geben, das Rennen jeden Tag zu kontrollieren“, sagte er, „und dann weiß man nie.“ Die jüngste Vergangenheit lehrt allerdings: Bei Pogacar weiß man es eigentlich sehr wohl. (SID)

Im Überblick

5. Etappe: Falset - Roquetes (173,3 km): 1. Matthew Brennan (Großbritannien/Visma-Lease a Bike) 3:47:02 Stunden, 2. Jordi Meeus (B/Red Bull-Bora-hansgrohe), 3. Vincenzo Albanese (I/EF Education-EasyPost), 4. Alessandro Romele (I/XDS Astana), 5. Axel Laurance (F/Netcompany Ineos), 6. Orluis Aular (KOL/Movistar), 7. Christophe Laporte (F/Visma-Lease a Bike), 8. Alberto Dainese (I/Soudal Quick-Step), 9. Vito Braet (B/Lotto Intermarché), 10. David Gonzalez (ESP/Pinarello Q36.5 Pro Cycling) alle gleiche Zeit, ... 152. Mats Wenzel (L/Kern Pharma) 10:39 Minuten zurück, ... 176. Arthur Kluckers (L/Tudor) 10:46

Stand in der Gesamtwertung nach 5 von 21 Etappen: 1. Tadej Pogacar (SLO/UAE Emirates-XRG) 11:26:01 Stunden, 2. Primoz Roglic (SLO/Red Bull Bora-hansgrohe) 3:21 Minuten zurück, 3. Enric Mas (ESP/Movistar) 3:32, 4. Sepp Kuss (USA/Visma-Lease a Bike) 3:44, 5. Oscar Onley (GB/Netcompany Ineos) 3:45, 6. Richard Carapaz (ECU/EF Education-EasyPost) 3:50, 7. Felix Gall (AUT/Decathlon-CMA CGM) 3:57, 8. Mattias Skjelmose (DEN/Lidl-Trek) 4:06, 9. Jarno Widar (B/Lotto Intermarche) gleiche Zeit, 10. Jay Vine (AUS/UAE Team Emirates - XRG) 4:11,158. Wenzel 37:23, ... 174. Kluckers 42:11

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