Sportpolitik
Neuer Name, neue Aufgabe: Warum die Coque in Zukunft das Velodrom verwalten soll
In Mondorf entsteht das Velodrom – eine Sportstätte, auf die der Radsportverband seit Jahren hinfiebert. Das Oval steht derzeit im Fokus von Gesetzesänderungen: Einerseits muss die Finanzierung angepasst werden, andererseits muss auch die Verwaltung geklärt werden. Ein Überblick über die Vorschläge des Sportministeriums.
So soll das riesige Sportzentrum in Mondorf in Zukunft aussehen Foto: L'essentiel/Vincent Lescaut
Fakt ist: Der Bau des Velodroms in Mondorf wird deutlich teurer als ursprünglich vom Parlament genehmigt. In einem Gesetzesprojekt hat das Sportministerium Mitte August einige der Gründe für die Kostenexplosion genannt: Steigende Baupreise, Anpassungen des Projekts und eine Sicherheitsreserve wurden neu ausgerechnet und bewertet.
Büdgetär sind deshalb zusätzliche 17,8 Millionen Euro nötig. 15 Millionen Euro der Mehrkosten gehen auf sogenannte „Fiches de demande de modification“ (Fidemo) zurück, demnach Projektänderungen, die seit 2022 hinzukamen. Das geht von regulatorischen Anforderungen (etwa des Lyzeums) bis hin zu einer Anpassung des Bauprogramms.
Weitere 17 Millionen Euro fallen wegen der Anpassung des Baupreisindex an. 2022 war man von einem Gesamtpaket von 64 Millionen ausgegangen, laut aktuellen Berechnungen inklusive der Indexierung wird der Preis der Sportstätte mittlerweile auf 98 Millionen geschätzt.
Coque als Verwaltungsstandort
Das zweite Dossier ist direkt mit dem Velodrom verbunden: Nachdem das Konzept einer weiteren staatlichen Einrichtung, der AINS („Agence des infrastructures nationales du sport“), endgültig vom Tisch ist, musste die Frage des Betreibers der Radrennhalle geklärt werden. Laut Sportministerium soll die Coque die Verwaltung des Geländes in Mondorf übernehmen. „Es ist unerlässlich, sowohl den Aufgabenbereich als auch die operativen und organisatorischen Strukturen (der Coque) zu erweitern, damit diese strategische Rolle an mehreren Sportstandorten in vollem Umfang wahrgenommen werden kann“, heißt es in den Erklärungen zum Gesetzesprojekt.
Durch die Anpassungen im Aufgabendfeld wird die Coque einen neuen Namen erhalten und in „Centre national sportif“ (CNS) umgetauft werden. Heißt also, dass die kulturelle Nutzung offiziell an beiden Standorten zur Nebennutzung werden wird und die Gewichtung klar in Richtung Sport geht – obschon in beiden Fällen Räumlichkeiten für Konzerte oder Events zur Verfügung stehen würden. Dies hatte in der Vergangenheit zu Konflikten mit Sportverbänden in der Coque geführt, da kulturelle Ereignisse Einfluss auf Trainingsmöglichkeiten der Spitzentathleten hatten. Steve Reckel, Bürgermeister in Mondorf, sagte gegenüber dem Tageblatt: „Konzerte werden nur stattfinden, wenn sonst nichts anderes dort geplant ist.“
Auch personell wird es auf dem Kirchberg Veränderungen geben. Der Direktor der Coque soll in Zukunft Generaldirektor des CNS werden – ihm würde ein Assistent zur Seite stehen, um beide Standorte zu verwalten. Die Gemeinde Mondorf, die ein Schwimmbad und eine weitere Sporthalle auf dem Areal in Auftrag gegeben hat, ist in Zukunft im Verwaltungsrat des CNS vertreten. Reckel erklärte: „Das Schwimmbad ist sowohl für den Schulsport als auch für Ganztagsbesuche vorgesehen. Es wird autonom, sprich von der Gemeinde, verwaltet werden. Bei der Sporthalle wäre eine klare Trennung vom Velodrom nur schwer möglich, weshalb verschiedene Punkte gemeinsam gehandhabt werden.“
Die Radrennbahn und das „Infield“ (der Platz inmitten der Bahn) in Mondorf sollen im Alltag vor allem für Schulsport und die Athleten des Radsportverbands FSCL zur Verfügung stehen: Das Projekt wird also nur geringe Einnahmen generieren. Weshalb die laufenden Betriebskosten des CNS ebenfalls im Gesetzesprojekt 8822 vorgesehen sind: 2027 fallen 350.000 Euro an Personalkosten für die Betriebsaufnahme des Velodroms an. 2030 sind es neben den 2,7 Millionen Euro für Personalkosten ebenfalls drei Millionen Euro für Energie, Wasser, Verwaltung und Betrieb, die in der „Fiche financière“ vorgesehen sind.
Auf Eis gelegt
Sportministerin Martine Hansen hat in einer parlamentarischen Antwort an LSAP-Politiker Ben Streff mitgeteilt, dass derzeit keine Gemeinde den Bau einer überdachten Eishalle vorsieht. Zwar gab es sowohl in Befort als auch in Remich Gespräche und Ideen – ein konkreter Plan liegt aber nicht auf dem Büro der Ministerin. „Die Idee einer ganzjährig benutzbaren Eishalle ist aus sportpolitischer Sicht interessant und könnte das bestehende Angebot ergänzen. Es wäre für die Entwicklung vom Eishockey, Eiskunstlauf, Shorttrack, Curling und anderen Disziplinen eine Unterstützung und sicherlich auch eine Option für den Schul- und Freizeitsport.“
Sie ergänzte: „Es gab bereits informelle Gespräche mit den Verantwortlichen in Befort, um über die Zukunft der dortigen Eisbahn zu reden. Angesprochen wurden dabei die Renovierung, eine mögliche zweite Bahn und die Idee eines regionalen Sport- und Freizeitzentrums. Bislang liegt dem Sportministerium aber keine formelle Subventionsanfrage oder ein detailliertes Projekt vor.“ Ähnlich sieht es in der Hauptstadt und an der Mosel aus: „Auf Kockelscheuer wurde die zweite Bahn, die vor allem Trainingszwecken dient, 2024 renoviert. Ein Projekt für eine zusätzliche Eisbahn der Stadt Luxemburg liegt nicht vor. Der Masterplan in Remich (2021) sah eine Eisbahn auf dem Standort ‚Op der Millen‘ vor – bislang wurde aber keine Finanzierungsanfrage eingereicht.“ Das Dossier liegt also erst mal auf Eis.