Deutschland

Nagelsmann-Rücktritt: Weg frei für Klopp

Deutschlands Nationaltrainer Julian Nagelsmann legt nach dem WM-Aus sein Amt nieder, Jürgen Klopp steht bereit.

Julian Nagelsmann und Jürgen Klopp stehen gemeinsam am Mikrofon bei MagentaTV-Expertenanalyse

Noch vor wenigen Tagen stand Julian Nagelsmann neben Magenta-TV-Experte Jürgen Klopp am Mikrofon Foto: dpa/Tom Weller

Julian Nagelsmann geht mit gesenktem Haupt über die „goldene Brücke“ – und macht den Weg frei für Heilsbringer Jürgen Klopp. Der gescheiterte Bundestrainer tritt nach dem WM-Desaster auf eigenen „Wunsch“ zurück, die am Boden liegende einst so stolze Fußball-Nation soll ihren selbsternannten „Messias“ bekommen. Klopp, teilte der DFB am Freitag mit, habe „bereits seine grundsätzliche Bereitschaft zur Übernahme des Postens signalisiert“.

Er habe, bekannte Nagelsmann, nach dem mehr als blamablen Turnieraus gegen Paraguay „viel nachgedacht“. Die auf dem Krisengipfel am Donnerstag verabredete, mit angeblich sieben Millionen Euro Abfindung vergütete Trennung sei ihm „alles andere als leichtgefallen“. An die Fans gerichtet ergänzte er: „Es tut mir von Herzen leid und weh, dass wir euch enttäuscht haben. Ihr hättet viel mehr verdient gehabt!“

Die letzten Unterstützer verloren

Mit Nagelsmann wird auch Sport-Geschäftsführer Andreas Rettig gehen, mit Auslaufen seines Vertrages zum Jahresende. „Hinsichtlich der Neubesetzung des Trainerpostens“, teilte der Deutsche Fußball-Bund mit, „wird die DFB-Spitze nunmehr das Gespräch mit Jürgen Klopp suchen.“

Nagelsmann hatte am Vortag seinen letzten Unterstützer verloren: Auf der dreistündigen Krisensitzung mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf, Rettig, Bundesliga-Boss Hans-Joachim Watzke und rückte auch sein „Bodyguard“, Sportchef Rudi Völler, von ihm ab. Wie sehr die Trennung vom Verband betrieben wurde oder wirklich der Bundestrainer-Wunsch war, ließen Völlers Abschiedsworte erahnen.

Nagelsmanns Entscheidung verdiene „unseren Respekt“, sagte er. „Weil er Verantwortung übernimmt, wo er gerne weiter gestalten würde.“ Nagelsmann, das ehre ihn, habe „die Nationalmannschaft als Ganzes über die eigene Person“ gestellt. Er „ist und bleibt ein exzellenter Trainer“, werde „seinen Weg weiter erfolgreich gehen“. Auch Neuendorf lobte den 38-Jährigen, der sich 1.015 Tage im Amt hielt und bis 2028 gebunden war, als einen „verantwortungsbewussten und aufrichtigen Menschen, den wir alle schätzen“.

„So sicher wie das Amen in der Kirche“

Letzteres trifft mindestens genauso sehr auf Klopp zu. Dass der frühere Dortmunder und Liverpooler Meistermacher übernehmen werde, sei „so sicher wie das Amen in der Kirche“, zitierte der Spiegel einen „einflussreichen Topmanager eines Spitzenklubs“ der Bundesliga. Noch hat er einen Vertrag als „Head of Global Soccer“ bei Red Bull bis 2029, wo er „gerne“ arbeite. Es soll aber mindestens eine mündliche Zusage geben, wonach er bei einem DFB-Angebot aussteigen kann. Von einer Millionen-Ablöse ist die Rede.

Nagelsmann hatte am Ende keine andere Wahl. Der gesenkte Daumen der Bosse, der Druck der Öffentlichkeit durch Experten und Fans – seine anfangs formulierte Position, er werde nicht weglaufen, wurde nach dem WM-Desaster zunehmend unhaltbar.

Auch intern gab es scharfe Kritik, nicht zuletzt an Nagelsmanns Außendarstellung in den vergangenen Monaten. Das Wort „selbstverliebt“ fiel. Der Bundestrainer hatte sich vor der Rückkehr aus den USA noch Illusionen hingegeben, sein Job sei zu retten. Er werde den Bossen „Argumente liefern“ für seine Weiterbeschäftigung, sagte er gewohnt selbstsicher.

Runter vom hohen Vier-Sterne-Ross

Der Verband wisse, was er an ihm habe, auch das hatte Nagelsmann im Brustton der Überzeugung gesagt. „Jeder weiß, wie ich als Trainer ticke.“ Doch das passt nicht mehr zum neuen DFB-Takt.

Den soll Klopp formulieren und im September in der Nations League gegen die Niederlande einen Neustart moderieren. Wie der aussehen könnte, hatte der Magenta-TV-Experte schon bei der WM angedeutet. Runter vom hohen Vier-Sterne-Ross! Keine flapsigen Titel-Ansagen mehr wie von Nagelsmann nach dem unglücklichen, aber zu frühen EM-Scheitern 2024. Mehr Bodenhaftung statt „völlig losgelöst“. Klopp muss es richten. (SID)

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