WM
Messis letzter Tango: Schafft Argentinien das Titel-Double?
Nach dem Triumph von Katar startet Lionel Messi mit Titelverteidiger Argentinien in die WM. Weitere Rekorde locken, am Ende aber steht die alles entscheidende Frage.
Lionel Messi will mit Argentinien den Titel verteidigen Foto: AFP/Juan Mabromata
Der letzte WM-Tango: Mit seinem 200. Länderspiel für Argentinien beginnt die finale Mission Titelverteidigung zur Fußball-Unsterblichkeit für Lionel Messi. „Los, Messi, verdammt“, feuerte Staatspräsident Javier Milei höchstpersönlich den Kapitän der Albiceleste an.
Mit 17 Weltmeistern von Katar sind die Argentinier angerückt. Im Präsidentenjargon gab auch Messi ein Versprechen an die Nation ab: „Los geht’s, aber zusammen wie nie zuvor.“
Wiedersehen mit dem Endspiel-Schiedsrichter von 2022
Ein gutes Omen? Irgendwie fängt es auch ein bisschen so an, wie es in Katar aufgehört hat: Der damalige Finalreferee Szymon Marciniak pfeift den Auftakt gegen Algerien in der Nacht auf Mittwoch (MESZ) in Kansas City. Schafft Argentinien aber, was nur zwei Mannschaften in der bald hundertjährigen Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft gelang?
Italien, diesmal wieder nicht dabei, triumphierte 1934 und 1938 und Brasilien mit Pelé 1958 und 1962. Führt Messi, der am 24. Juni seinen 39. Geburtstag feiert, die Mannschaft zum erneuten Triumph, würde er es dem allerdings dreimaligen Weltmeister Pelé damals gleichmachen. Vor allem aber würde er Landsmann und Ikone Diego Maradona bei der Anzahl der gewonnenen WM-Titel in den Schatten stellen.
Ein Tanz zwischen Triumph und Reinfall?
Wenn nicht, werden viele sagen: Warum musste diese sechste WM für Messi sein nach der Krönung von 2022. „Es gibt ein großes Risiko, dass er mit einem Tiefpunkt abtritt, mit einem Anti-Höhepunkt, der Argentinien an all die Weltmeisterschaften vor Katar erinnert“, schrieb der britische Guardian.
Messi selbst postete kurz vor dem WM-Auftakt Fotos seiner bisherigen fünf Teilnahmen, die bis zum Titel vor allem von Enttäuschungen mit Niederlagen gegen Deutschland und auch dem Kampf um Anerkennung in Argentinien geprägt waren. Er hat Argentinien als Zehnjähriger mit seinem Vater verlassen und spielte nie für einen Heimat-Club.
Wenn der Gegner doppelt motiviert ist
Die Gruppe bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko birgt Gefahren: Nach Algerien geht es gegen Österreich. Der letzte und vermutlich schwächste Gegner in Gruppe J ist dann Jordanien. 2022 folgte auf die Auftaktpleite gegen Saudi-Arabien der Triumphzug zum Titel mit einem entschlossenen Messi wie bei keiner WM zuvor.
Klar ist aber auch: Zwischen Bewunderung und Hochachtung vor Messi zählen Siege gegen ihn moralisch doppelt und dreifach. In dieser Gruppe und bei der WM kann Argentinien – allen voran Messi – fast nur verlieren.
Fragezeichen hinter einigen Spielern
Wie fit sind die Argentinier? Keeper Emiliano Martínez hatte sich im Finale der Europa League gegen Freiburg einen Finger gebrochen. Der Torwart von Aston Villa soll aber einsatzbereit sein. Anderthalb Wochen vor dem Auftaktmatch hatte Trainer Lionel Scaloni noch durchaus sorgenvoll betont: „Viele Spieler sind noch nicht hundertprozentig fit.“
Ist es Messi? Der Gradmesser für Erfolg und Misserfolg ist er. Ist Messi bei bester Laune und fühlt er sich wohl, muss der Gegner mit allem rechnen. Dass er bei einem Auftritt des argentinischen Sängers Carlos „La Mona“ Jiménez nun in der ersten Reihe in Partystimmung mitsang, spricht schon mal für sich.
In der amerikanischen MLS stellte er auch in den vergangenen Monaten reihenweise Rekorde auf und glänzte bei Inter Miami. Dort, wie in der Nationalmannschaft, erledigt Rodrigo de Paul die Knochenarbeit für ihn.
Andere sind Messis Favoriten
Messi ist aber vorsichtig. „Man muss sich bewusst sein, dass es meiner Meinung nach andere Favoriten gibt, die besser in Form sind“, sagte er. Allen voran nannte er Frankreich, dann Spanien, Brasilien, aber auch England und Portugal sowie Deutschland. Tiefstapelei?
Er selbst kann auch WM-Rekordtorschütze werden. Drei Treffer fehlen zu Miroslav Kloses 16 Toren. Doch Bestmarken interessieren Messi nicht, wie er in einem Interview versicherte.
Was passiert, wenn die Mission gelingt?
Wenn Messi in Kansas auftritt, werden die Blicke wieder weltweit auf ihn gerichtet sein. Er, Cristiano Ronaldo aus Portugal und Mexikos Guillermo Ochoa sind die ersten Spieler mit sechs WM-Teilnahmen. Gelingt Messi auch noch die Krönung am 19. Juli 2026 in New Jersey bei New York, würden sie ihm in Argentinien wohl am liebsten eine Statue bauen, die höher ist als das Empire State Building.