Der Abschied?

Messis „letzter Tango“: „Deine Tränen sind auch unsere“

Das verlorene Finale gegen Spanien könnte das letzte WM-Spiel des großen Lionel Messi gewesen sein. Vieles deutet auf Abschied hin.

In vier Jahren wird Messi 43 Jahre alt sein

In vier Jahren wird Messi 43 Jahre alt sein Foto: AFP/Jewel Samad

Die Bilder des weinenden Lionel Messi gingen um die Welt. Die ungeliebte Silbermedaille um den Hals, liefen dem Superstar Tränen übers Gesicht, minutenlang harrte er vor den argentinischen Fans aus, die wieder und wieder seinen Namen sangen. Untröstlich. Tief traurig. Messi wurde von seinen Emotionen übermannt und wollte nicht hinschauen, wie hinter ihm die große spanische Titelparty tobte.

Langsam, wie in Trance, trottete der 39-Jährige nach seinem dritten WM-Finale, dem zweiten verlorenen, schließlich vom Platz. Zwar sprach der Kapitän der Argentinier nach dem 0:1 nach Verlängerung gegen den neuen Weltmeister zunächst nicht öffentlich. Auch beim Gang zum Teambus, vorbei an den wartenden Journalisten, blieb Messi stumm. Doch auch ohne Worte deutete vieles darauf, dass dieses 34. WM-Spiel tatsächlich sein letztes gewesen sein könnte.

Würdigung

„Deine Tränen sind auch unsere, Kapitän. Du hast uns die größten Freuden unseres Lebens geschenkt“, hieß es in einem Post der argentinischen Nationalmannschaft: „Danke für die Hingabe, für die Magie und dafür, bis zur letzten Sekunde alles zu geben. Wir lieben dich für immer, Leo!“

2006 hatte Messi seine erste WM gespielt, seitdem war er immer dabei und erlebte Höhen und Tiefen. 2014 verlor er das Endspiel gegen Deutschland (0:1 n.V.), doch er rappelte sich wieder auf und erlöste 2022 eine ganze Nation, als er Argentinien in Katar zum WM-Titel führte. 36 Jahre nach Diego Maradonas Triumph 1986. Nun erlitt Messi noch mal eine schmerzhafte Niederlage.

„Bester Fußballer aller Zeiten“

Unabhängig davon bezeichnete Nationaltrainer Lionel Scaloni ihn als „den besten Fußballer der Geschichte“ und lobte dessen „unglaubliche Leistung“. Wie und ob es für Messi weitergeht, konnte der Coach aber nicht sagen. Es sei „kristallklar, dass er so lange spielt, wie er es möchte. Ich hoffe, dass jeder auf ihn stolz ist und darauf, was er erreicht hat“, sagte Scaloni, dem die Niederlage sichtlich zugesetzt hatte – und der ebenfalls seine Zukunft offen ließ.

„Ich verdiene es, mir Zeit zu nehmen, um zu entscheiden, was ich tun werde“, sagte er unter Tränen: „Es bildet sich kaum noch einmal eine so wunderbare Gruppe wie diese, und es tut mir in der Seele weh.“ Dann brach er weinend die Pressekonferenz ab.

Umbruch steht bevor

Den Argentiniern steht ein riesiger Umbruch bevor, über allem schwebt jedoch Messis Entscheidung, die womöglich bereits gefallen ist. „Abseits seiner Teamkollegen, die Hände in die Hüften gestemmt, wird ihm die Realität bewusst: Dies war sein letzter Tango“, schrieb die Tageszeitung Clarín über die Szenen nach dem Abpfiff.

Im Finale von East Rutherford, bei dem Messi seine einzigartige Karriere mit dem zweiten WM-Titel noch einmal krönen wollte, blieb er unauffällig. Zu gut, zu dominant waren die Spanier, die Argentinien keinen einzigen Schuss aufs Tor gewährten. Gegen diese Übermacht konnte nicht einmal Messi, der achtmalige Weltfußballer, etwas ausrichten.

Und so blieb am Ende nur ein trauriger Abschied voller Tränen, vielleicht für immer. Bei der WM 2030 wird Messi 43 Jahre alt sein, schon jetzt teilte er sich seine Kräfte sehr dosiert ein. Doch wer weiß? In vier Jahren findet ein WM-Spiel in Buenos Aires statt, das könnte Messi sicher reizen. Doch an diesem emotionalen Abend wollte davon niemand etwas wissen.

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