104 Spiele und ihre Geschichten
Ein kleines Fußball-ABC zur WM
Ein von einem ghanaischen Spiritualisten verfluchter Harry Kane, pinke Schuhe und „Hydration breaks“: Die WM lieferte viele kuriose Geschichten.
Folarin Balogun (l.) stand im Mittelpunkt einer politischen Debatte im Weltfußball Foto: AFP
Alphonso Davies: Nach langer Verletzung feierte Kanadas Kapitän bei der Heim-WM sein Comeback und führte Kanada erstmals in der WM-Geschichte ins Achtelfinale.
Balogun, Folarin: US-Stürmer, der eine Rote Karte erhielt, dann aber von der FIFA begnadigt wurde. Zuvor hatte Donald Trump seinen Kumpel Gianni Infantino angerufen, wohl nicht nur, um sich die Regeln erklären zu lassen („I didn’t know what the hell a red card was“ – „Ich wusste nicht, was zum Teufel eine Rote Karte war“).
Covered his mouth: Schiedsrichter Iván Barton zeigte die erste Rote Karte der WM-Geschichte für das Bedecken des Mundes mit der Hand während eines Spielerstreits – auf gebührende Weise. Seine nach einem VAR-Check in bestimmendem Ton vorgetragene Entscheidung wurde zum Netz-Hit: „After Review. Number 10. Paraguay. Covered his mouth. Decision is: Red Card!“
Doku, Jeremy: Belgischer Nationalspieler, der zwischendurch von der WM abreiste, um die Geburt seines ersten Kindes zu erleben. Hätte dank der XXL-WM mit teilweise mehr als einer Woche Pause für Nationen eigentlich auch noch in der Heimat heiraten können – war aber nicht nötig, hat er schon.
Elfmeter: 21 von 60 Elfmetern wurden bislang nicht verwandelt.
Fluch: Nana Kwaku Bonsam heißt der Mann, der Harry Kane so richtig ausschaltete. Zumindest behauptet er das. Der ghanaische Spiritualist kündigte vor dem Spiel der Engländer gegen Ghana an, seine spirituelle Kraft gegen Kane einzusetzen. Nach dem Spiel meldete sich Bonsam wieder: Er habe Kane jetzt vom Fluch befreit.
Gruppendritten-Ranking: Acht von zwölf Gruppendritten kamen bei dieser XXL-WM weiter – aber nicht einfach so. Es gab dabei 495 Varianten, auf welche Weise sich die Gruppendritten in den Turnierbaum integrierten. Wie genau das ablief? Das lassen wir hier lieber weg.
Hattrick: Bei der WM 2026 gelangen bislang drei Hattricks – Lionel Messi (Argentinien), Jonathan David (Kanada) und Ousmane Dembélé (Frankreich).
Infantino, Gianni: FIFA-Boss, der mehr WM-Spiele besuchte als Kaiser Franz 2006, aber zunächst erstaunlich unauffällig blieb. Doch dann rief Trump an.
Jordanien: Jordanien feierte 2026 seine erste WM-Teilnahme überhaupt.
Kap Verde: Auch Kap Verde gab sein WM-Debüt. Der Inselstaat mit rund 600.000 Einwohnern gehört zu den kleinsten Nationen, die jemals an einer WM teilnahmen. Insgesamt gab es diesmal vier Neulinge beim Turnier.
Längste WM: Noch nie dauerte eine Weltmeisterschaft so lange: Vom 11. Juni bis 19. Juli werden 104 Spiele ausgetragen. Ein Rekord.
Messi, Lionel: Nahm den WM-Pokal 2022 in einem in den Golfstaaten traditionellen Gewand entgegen, das ihm kurz zuvor Katars Emir umgelegt hatte. Auch eine zweite Siegerehrung dürfte besonders werden, Trump ist zuständig.
Neuseeland: Neuseeland qualifizierte sich mit nur fünf Qualifikationsspielen für die WM, so wenige wie keine andere Mannschaft im Teilnehmerfeld.
Oasis: Britpop-Band, deren Hymne „Wonderwall“ die Engländer endlich zum Triumph führen sollte. Schwierig, wenn in dem Lied doch nur vielleicht („Maybeee“) jemand zum Heilsbringer wird. Hat folglich natürlich nicht geklappt.
Pink: Die dominierende Schuhfarbe des Turniers. War schon vorher so, fiel nun aber einem großen Millionenpublikum auf.
Qualifikation: Langsam vom Aussterben bedrohter Wettbewerb auf dem Weg zur XXL-WM, weil Infantino eine Endrunde mit 64 Teams nicht mehr ausschließt. Es locken tatsächlich unerschlossene Märkte: Acht der zehn bevölkerungsstärksten Länder der Welt fehlten bei der WM. Ja, und Italien natürlich auch.
Ro!: Ausruf beim Viking Row, die norwegische Antwort auf die Prozeduren aus Island (Viking Clap, „Huh“) und den Niederlanden („Naar links! Naar rechts“). Alle Norweger – im Stadion und sogar im Parlament – ruderten mit. Nur Emil Lappen nicht. „Ich finde das einfach total dumm“, schimpfte der norwegische Fan – und sah historische Unschärfen: „Es ist sachlich falsch, sie sind nicht gerudert, sie sind über den Atlantik gesegelt.“
Siuuu: CR7-Torjubelruf. Von allen Superstars ist die WM-Geschichte von Cristiano Ronaldo am schnellsten erzählt: Dreimal machte es „Siuuu“ im Stadion, zweimal beim 5:0 gegen Usbekistan, einmal beim 2:1 gegen Kroatien.
Trump, Donald: US-Präsident und erster FIFA-Friedenspreisträger der Geschichte. Ließ sich aber bislang nie im Stadion blicken, weil er unter anderem Kriege zu führen hatte. Gab sich aber interessiert, als er sich bei Infantino wegen einer Roten Karte für Balogun erkundigte.
Underdogs: Teilnehmer dank der XXL-WM, die hübsche Geschichten lieferten. Kap Verde etwa holte dank Vozinha ein 0:0 gegen Spanien und brachte Argentinien in einem epischen Sechzehntelfinale an den Rand einer Niederlage. Die DR Kongo brachte England in große Not. Was wäre möglich gewesen, hätte Nana Kwaku Bonsam nicht den Fluch für Kane aufgehoben?
Vozinha: 40 Jahre alter Torhüter der Underdogs von Kap Verde, der vor der WM Zehntausende Instagram-Follower hatte. Hielt dann gegen Spanien und im weiteren Turnierverlauf so viele Bälle, dass ihn mittlerweile 27 Millionen Menschen abonniert haben. Hat vielleicht nicht die größte Aura, ist aber jetzt der Torhüter mit den meisten Followern.
Wetter/Werbung: Steht beides in direktem Zusammenhang mit der WM-Neuheit „Hydration Break“. Sollte offiziell bei Hitze den Spielern die Möglichkeit geben, genügend zu trinken. Und inoffiziell den TV-Stationen, mit Werbung noch etwas Geld einzuspielen. Wurde dann von den Trainern bei manchmal 18 Grad durchaus dankbar als Taktik-Besprechung genutzt.
XXL-WM: 104 Spiele, eine Vorrunde mit 72 Spielen samt Gruppendritten-Ranking für Freunde der Mathematik. Am Ende war es unterhaltsamer als gedacht, siehe Underdogs. Und Doku konnte zur Geburt seines Kindes.
Yamal, Lamine: Ein Kandidat wäre auch sein dreijähriger Bruder Keyne gewesen, der im Stadion bei Spaniens Viertelfinale mit seinem „Vamooos“-Torjubel für eine herrliche Szene sorgte.
Zwergstaat Curaçao: Curaçao ist mit rund 150.000 Einwohnern das kleinste Land der WM-Geschichte, das sich jemals für eine Endrunde qualifiziert hat.
Alle WM-Endspiele
1930 Uruguay: URUGUAY - Argentinien 4:2 (1:2)
1934 Italien: ITALIEN - Tschechoslowakei 2:1 (1:1, 0:0) n.V.
1938 Frankreich: ITALIEN - Ungarn 4:2 (3:1)
1950 Brasilien: URUGUAY (Gruppensieger und Weltmeister)
1954 Schweiz: DEUTSCHLAND - Ungarn 3:2 (2:2)
1958 Schweden: BRASILIEN - Schweden 5:2 (2:1)
1962 Chile: BRASILIEN - Tschechoslowakei 3:1 (1:1)
1966 England: ENGLAND - Deutschland 4:2 (2:2, 1:1) n.V.
1970 Mexiko: BRASILIEN - Italien 4:1 (1:1)
1974 Deutschland: DEUTSCHLAND - Niederlande 2:1 (2:1)
1978 Argentinien: ARGENTINIEN - Niederlande 3:1 (1:1, 1:0) n.V.
1982 Spanien: ITALIEN - Deutschland 3:1 (0:0)
1986 Mexiko: ARGENTINIEN - Deutschland 3:2 (1:0)
1990 Italien: DEUTSCHLAND - Argentinien 1:0 (0:0)
1994 USA: BRASILIEN - Italien 0:0 n.V., 3:2 i.E.
1998 Frankreich: FRANKREICH - Brasilien 3:0 (2:0)
2002 Südkorea/Japan: BRASILIEN - Deutschland 2:0 (0:0)
2006 Deutschland: ITALIEN - Frankreich 1:1 (1:1, 1:1) n.V. 5:3 i.E.
2010 Südafrika: SPANIEN - Niederlande 1:0 (0:0) n.V.
2014 Brasilien: DEUTSCHLAND - Argentinien 1:0 (0:0) n.V.
2018 Russland: FRANKREICH - Kroatien 4:2 (2:1)
2022 Katar: ARGENTINIEN - Frankreich 3:3 (2:2, 2:0) n.V., 4:2 i.E.
2026 USA, Mexiko und Kanada: Spanien - Argentinien am 19. Juli/21.00 Uhr (MESZ) in East Rutherford/New Jersey