Afrika Cup

Marokko greift nach dem Titel

Marokko wird beim Afrika-Cup im eigenen Land seiner Favoritenrolle bisher gerecht. Der WM-Gastgeber von 2030 greift nach dem ersten Titel seit 50 Jahren.

Brahim Diaz und Achraf Hakimi, marokkanische Fußballstars im Trikot auf dem Spielfeld

Die beiden Stars der Marokkaner: Brahim Diaz und Achraf Hakimi (r.) AFP

Walid Regragui fiebert seiner zweiten Chance entgegen. „Das ist der Höhepunkt, der Kampf der zwei besten Teams Afrikas in den letzten drei Jahren“, schwärmte der Nationaltrainer Marokkos. Im Finale gegen Senegal am Sonntag (20.00 Uhr) kämpfen die „Löwen vom Atlas“ im eigenen Land um das Ende der ewig langen Durststrecke beim Afrika-Cup – und Regragui gegen sein eigenes Finaltrauma.

50 Jahre ist es her, dass Marokko zum bislang einzigen Mal den Cup holte. 1976, damals noch im völlig anderen Modus und mit nur acht anstatt 24 Teilnehmern. Regragui war damals ein knappes halbes Jahr alt. 2004 stand der ehemalige Außenverteidiger dann beim einzigen weiteren Finaleinzug auf dem Platz, als Marokko gegen Gastgeber Tunesien unterlag (1:2).

Warum die Mannschaft seitdem nicht einmal in die Nähe des Pokals kam, weiß Regragui ganz genau und mahnt seit Turnierbeginn. „Wir haben den Afrika-Cup nicht gewonnen, weil uns in vielen Turnieren die Bescheidenheit gefehlt hat. Wir dürfen nicht wieder in diese Falle tappen“, hatte er schon lange vor dem Einzug ins Endspiel gesagt.

Der Favoritenrolle auf kontinentaler Ebene wurde Marokko dieses Mal bisher gerecht. Seit dem wahnsinnigen Lauf bei der WM 2022 in Katar, als es drei Monate nach Regraguis Übernahme bis ins Halbfinale ging, besitzt Marokko einen anderen Status als zuvor. Dank Stars wie Afrikas Fußballer des Jahres, Achraf Hakimi von Paris Saint-Germain, Real Madrids Brahim Diaz oder Elfmetertöter Bono im Tor.

Nun liegt der Fokus für Regragui sogar schon in der Zukunft, das Spiel am Sonntag sei „sehr wichtig für unsere Geschichte, unsere DNA“. Diese soll Marokko durch einen Turniergewinn grundlegend ändern. „Wir müssen in den kommenden Jahren konstant werden, um unter den letzten vier zu bleiben“, lautet seine Forderung. Mit dieser Einstellung wollen die Nordafrikaner auch bei der WM 2030 als Co-Gastgeber für Furore sorgen.

Vor dem ersten Finalduell mit Senegal um den Münchner Nicolas Jackson und Ex-Bayern-Star Sadio Mané fand Regragui aber auch warme Worte für den Kontrahenten. „Sie sind wunderbare Menschen. Ich liebe Senegal“, sagte er nach dem Halbfinalsieg im Elfmeterschießen gegen Nigeria: „Für uns Marokkaner sind sie wie Brüder.“

Brüder im Geiste sind Regragui und Senegal-Coach Pape Thiaw allemal: 2002, zwei Jahre vor seinem Amtskollegen also, verlor Thiaw als Nationalspieler das Finale (2:3 i.E. gegen Kamerun).

Immerhin ließen Mané und Co. ihr Land durch den Triumph 2022 wieder feiern. Nun wollen auch Regraguis Marokkaner ihr Trauma besiegen. (SID)

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