Handball
Käerjeng erlebt die Belohnung auf einer Achterbahnfahrt
Der HB Käerjeng hat am Samstag in der AXA League überraschend gegen Berchem gewonnen. In einer komplizierten Saison ist es für die Mannschaft von Trainer Ben Schuster die Belohnung harter Arbeit.
Ben Schuster übernahm die Käerjenger Mannschaft im Dezember 2024 Foto: Editpress/Jeff Lahr
Es gibt Pflichtsiege – jene Erfolge, die erwartet werden, die man abhakt und zur Kenntnis nimmt. Und dann gibt es diese anderen Siege. Die, die mehr sind als nur zwei Punkte. Die, die besonders gut tun, weil sie erkämpft oder lang ersehnt waren. Einen der zweiten Kategorie haben am Samstag die Handballer des HB Käerjeng gefeiert. Mit 38:33 setzten sie sich überraschend gegen den HC Berchem durch. Während der Gegner im Kampf um den Meistertitel damit einen bitteren Dämpfer erlitt, war es für Käerjeng ein Befreiungsschlag.
„Das hat richtig gut getan“, sagt Trainer Ben Schuster auch noch zwei Tage nach dem Spiel. „Wenn man die Umstände dieser Saison berücksichtigt, ist dieser Sieg eine echte Erleichterung. Spieler haben uns verlassen, andere sind verletzt. Da tut es richtig gut, jetzt so ein Spiel zu gewinnen. Und die jungen Spieler sehen dadurch auch, dass das Projekt funktioniert und wir uns auch belohnen können.“
Nach dem Abgang zahlreicher Stammkräfte im Sommer stand Schuster, der das Team im Dezember 2024 übernommen hatte, diese Saison vor einem Neuaufbau. Eine neue Mannschaft musste sich finden und dabei auch immer wieder Rückschläge einstecken.
Entwicklung im Laufe der Saison
Als „Achterbahnfahrt“ beschreibt Schuster die bisherige Saison. Mit Hugo Adoue und Carmen Vidal verließen zwei Sommerzugänge den Klub bereits wieder. „Noah Huberty, ein wichtiger Spieler für uns, ist bei der Armee und kann uns im Moment nicht helfen. Und auch die Abwesenheit von Armin Zekan tut weh. Er ist ein Mentalitätsspieler, der die Mannschaft auf ein anderes Niveau heben kann. Er fehlt schon seit Oktober, das zu kompensieren, ist nicht einfach“, so Schuster.
Im Fokus stehen, neben einigen erfahrenen Akteuren, junge Spieler, die zwar bereits in den vergangenen Jahren erste AXA-League-Erfahrung sammelten, aber jetzt mehr Verantwortung übernehmen. „Ich erwarte von ihnen, dass sie den nächsten Schritt gehen“, sagt Schuster. „Sie machen das im Moment gut. Sie haben Vertrauen in das Projekt und hören zu. So ist die Mannschaft im Laufe der Saison immer besser zusammengewachsen.“
Besonders hebt er die positive Entwicklung von Loïc Ahossi und Louis Philippart hervor. Stabilisierend wirkten zudem die Nachverpflichtungen von Ognjen Jokic und Haris Hodzic im Saisonverlauf. Das erlaubte es dem Team auch, die Titelgruppe zu erreichen.
Doch gegen die Spitzenteams fehlte bislang das letzte Quäntchen. Gegen die Red Boys etwa war Käerjeng am ersten Spieltag der Titelgruppe bis in die Schlussphase hinein zwar nah dran, konnte sich aber nicht belohnen. Der erste große Coup gegen ein Topteam gelang nun am Samstag.
Dabei begann die Partie gegen Berchem alles andere als verheißungsvoll. Nach 13 Minuten lag Käerjeng mit 5:10 zurück. Ein Time-out brachte eine Verkleinerung des Rückstands auf drei Tore (8:11). Eine Schlüsselszene folgte dann in der 15. Minute: Berchems Kapitän Raphael Guden sah nach einem groben Foul die Rote Karte. „Einer ihrer besten Spieler konnte nicht mehr mitmachen. Da haben meine Jungs gecheckt, dass wir die Punkte vielleicht holen können“, blickt Schuster zurück. Käerjeng glich in der 20. Minute aus, übernahm wenig später die Führung – und gab diese nicht mehr her.
Wille entscheidend
„Es war ein absoluter Wille da, weil wir gemerkt haben, dass wir den ‚Exploit‘ tatsächlich schaffen können. Ich glaube, das hat in der Schlussphase bei den Jungs Kräfte freigesetzt, von denen sie vorher nicht mal wussten, dass sie sie haben“, so Schuster, der vor allem mit der Mentalität seiner Spieler zufrieden ist.
„Fehler gehören dazu, das ist kein Problem. Entscheidend ist, dass man sich zu 100 Prozent investiert. Wenn das stimmt, mache ich niemandem einen Vorwurf“, so der Trainer.
Mit dem Einzug in die Titelgruppe hat Käerjeng das Minimalziel der Saison bereits erreicht. In den kommenden Wochen geht es nun darum, den Kern der Mannschaft für die nächste Saison weiter einzuspielen – und die Favoriten weiter zu ärgern. „Wir haben Berchem geschlagen, jetzt kommt Düdelingen, danach Esch und Standard. Mal schauen, was wir noch fertigbringen“, so Schuster. Doch der Coach sagt auch: „Wir müssen ruhig bleiben, es ist eine junge Mannschaft. Es gilt, Schritt für Schritt, Wochenende für Wochenende zu kucken, mit dem Ziel, die Mannschaft langfristig weiterzuentwickeln.“