Fußball-WM
Kroatien feiert Modrics Jubiläum – und hadert mit sich selbst
Kroatien feiert Jubilar Luka Modric und seinen wichtigen Arbeitssieg gegen Panama. Doch es gab nicht nur Grund zur Freude.
Luka Modric absolvierte sein 200. Länderspiel Foto: AFP/Michael Reaves
Luka Modric hielt das Trikot mit der Nummer 200 aus silbernen Glitzersteinen grinsend in die Kamera, auch seine Mitspieler trugen eigens angefertigte T-Shirts zu Ehren ihres Anführers – und dann ließen sie ihn hochleben. Einmal, zweimal, dreimal, viermal warfen die Kroaten ihren Fußball-Gott weit nach oben in den Nachthimmel von Toronto.
„Es ist etwas Unglaubliches. 200 Spiele im Trikot, das mir am meisten bedeutet, machen mich sehr stolz und glücklich. Ich hätte nie zu träumen gewagt, dass ich einmal diese Zahl erreichen würde“, sagte Modric nach dem mauen 1:0 im zweiten WM-Gruppenspiel gegen Panama. Als erst vierter Spieler nach Lionel Messi, Cristiano Ronaldo und Bader Al-Mutawa aus Kuwait lief Modric 200-mal für sein Land auf.
Gab die Partie, die der Joker Ante Budimir (54.) mit seinem Tor entschied, kaum Anlass für Jubelarien, huldigten sie in der Heimat zumindest ihrem Superstar. Die auflagenstärkste Zeitung 24sata sah ein „unglaubliches Jubiläum“ und nannte Modric einen „Kapitän für die Ewigkeit“. Seit seinem Debüt am 1. März 2006 gegen Argentinien und den jungen Lionel Messi trägt er das Schicksal der Kroaten auf seinen Schultern. Glorreich führte er sie 2018 zur Vize-Weltmeisterschaft und vor vier Jahren auf Platz drei.
Bei seiner fünften und letzten WM sind dem Altmeister seine bald 41 Jahre mittlerweile anzumerken, doch Nationaltrainer Zlatko Dalic widerspricht. Gegen Panama, so der Coach, habe Modric „hervorragende 80 Minuten absolviert, er hat die Nationalmannschaft zum Sieg geführt“. Als der Maestro schließlich ausgewechselt wurde, skandierten tausende kroatische Fans in der kanadischen Metropole seinen Namen.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sie vorher von ihrer Mannschaft viel zu wenig gesehen hatten. Lange auch von Modric, der nach seinem ganz schwachen Auftakt beim 2:4 gegen England zwar besser spielte, aber längst nicht so überragte, wie es Dalics Lob vermuten ließ. Und prompt schlugen die Medien in Kroatien Alarm.
„Mit einer solchen Leistung fährt man direkt nach Hause!“, schrieb Jutarnji List. Ferner stellte das Blatt die Frage: „Wie bereit ist Kroatien überhaupt für die WM?“ Modric und Co., mutmaßte die Zeitung, hätten gegen eine Mannschaft, „die wirklich zu einer Weltmeisterschaft gehört“, das Spiel verloren. Tatsächlich wirkte Panama über weite Strecken wesentlich gefährlicher als die Kroaten.
Der Erfolg sei „hart erkämpft“ gewesen, gab Modric zu: „Wir waren nicht wirklich locker, wir kannten die Bedeutung dieses Spiels, und das hat man gespürt.“ Bei einer Pleite wäre Kroatien nämlich raus gewesen. Durch den Sieg stehen die Chancen auf die K.-o.-Runde sehr gut, am Samstag (23.00 Uhr) soll in Philadelphia im finalen Gruppenspiel gegen Ghana der letzte Schritt folgen. (SID)