WM-Kolumne „Hasta la Visa“
„GOAT“-Debatte, Trinkpausen, VAR: Warum Sportredakteur Pascal Gillen einfach nur noch genervt ist
Für Fußballfans ist die WM das Highlight alle vier Jahre. Doch zwischen GOAT-Debatten, Trinkpausen und VAR gibt es diesmal einiges, was mich gewaltig nervt. Zeit, abzurechnen.
Liebe Leserinnen und Leser, eine Kolumne lebt von Meinung. Also spare ich mir heute die diplomatischen Zwischentöne. Let’s get ready to rumble.
An alle, die behaupten, CR7 sei der „GOAT“: Diese Debatte um den Greatest of All Time zwischen Ronaldo und Messi ist inzwischen nur noch ermüdend. Wer 2026 noch behauptet, Ronaldo sei der bessere Fußballer als Messi, schaut entweder durch die Fanbrille oder ignoriert die Realität. Dass Ronaldo zu den Größten aller Zeiten gehört, steht außer Frage. Aber besser als Messi? Ich bitte Sie. Auch ein möglicher WM-Sieg Portugals darf die „GOAT“-Debatte nicht neu entfachen. Doch mit einem CR7 in der Startelf wird es für die Portugiesen ohnehin schwer, weit zu kommen.
An die FIFA und ihre großartige Idee der Trinkpausen: Klar, super Sache – wenn es 50 Grad wären. Mittlerweile werden die Unterbrechungen aber auch bei 19 Grad und Nieselregen oder in klimatisierten Stadien durchgezogen – natürlich, damit alle Teams die gleichen Bedingungen haben. Außerdem reden wir hier von austrainierten Hochleistungssportlern, die vor dem Spiel, in der Halbzeit und notfalls auch während einer Spielunterbrechung genug Möglichkeiten haben, zur Trinkflasche zu greifen. Ganz ehrlich: Diese Trinkpausen sind ein Witz. Keinem Funktionär der FIFA geht es um die Gesundheit der Spieler. Mit zusätzlichen TV-Slots, Werbeflächen und Vermarktungsmöglichkeiten hat das bestimmt nichts zu tun. Und als wäre das nicht genug, zerstören die Unterbrechungen auch noch den Spielfluss. Der nächste Schritt zur US-Sportifizierung, die den Sport einfach nur verändert und kaputtmacht.
An den Videobeweis: Lieber VAR, es wird einfach nicht besser. Wenn Mbappé im Strafraum von Sadio Mané abgeräumt und nach Ansicht der Bilder am Ende auf Abstoß entschieden wird, fragt man sich schon, wofür der VAR eigentlich da ist. Mal greift er bei jedem noch so kleinen Kontakt ein, mal überhaupt nicht. Das brutale Foul von Messi im Spiel gegen Algerien? Dafür wurde nicht mal der Videobeweis eingeschaltet. Aber klar, einen Topstar der WM will man ja nicht sperren. Und dann der Elfmeter für die Schweiz gegen Katar. Viele Zuschauer vermuteten zuvor eine Abseitsstellung, doch die übliche 3D-Grafik blieb aus. Die FIFA erklärte später, die Technik zur Visualisierung sei ausgefallen, die Szene sei dennoch geprüft worden. Aha, aber wenn die Beweisbilder fehlen, darf man sich nicht wundern, wenn Zweifel bleiben. Transparenz sieht jedenfalls anders aus.