Schmutziger Machtkampf

Infantino und die FIFA starten Gegenangriff

Die FIFA holt zum öffentlichen Gegenschlag aus. Präsident Gianni Infantino will seine Macht unbedingt behaupten.

FIFA-Präsident Gianni Infantino trifft zur Amtseinführung des neuen kolumbianischen Präsidenten de la Espriella ein

FIFA-Präsident Gianni Infantino trifft zur Amtseinführung des neuen kolumbianischen Präsidenten de la Espriella ein Foto: Santiago Saldarriaga/AP/dpa

Gianni Infantino kämpft mit allen Mitteln. Während der angeschlagene FIFA-Präsident in Südamerika fleißig die Werbetrommel für sich rührt, lässt er mit seinem Weltverband via Social Media die Muskeln spielen. Nach dem gescheiterten Investorendeal ist der Verteidigungs- längst wieder dem Attackemodus gewichen. „Es wird immer deutlicher, dass es gezielte und anhaltende Bemühungen einiger Akteure gibt, die FIFA und ihren Präsidenten zu untergraben“, teilte der Weltverband in einem am Samstagabend auf Instagram verbreiteten Statement mit.

Doch man werde „ungenaue“ oder „irreführende“ Berichterstattung „direkt und energisch anfechten“, drohte die FIFA. Am Wochenende waren neue Anschuldigungen gegen Infantino aufgekommen. So soll er in seiner Zeit als UEFA-Generalsekretär (2009 bis 2016) eine hohe Abfindung für eine enge Mitarbeiterin ausgehandelt haben. Das berichtete der Telegraph. Der britischen Tageszeitung zufolge soll die Frau seine „Geliebte“ gewesen sein. Die UEFA bestätigte dem SID auf Nachfrage eine Zahlung.

Jüngste Berichterstattungen würden „unbegründete Behauptungen und nachweislich falsche Anschuldigungen bezüglich der FIFA und ihres Präsidenten“ enthalten, teilte der Weltverband mit, ohne sich auf einen genauen Sachverhalt zu beziehen: „Spekulationen und Andeutungen sollten nicht als Tatsachen dargestellt werden, und eine Wiederholung macht eine Behauptung noch lange nicht wahr.“ Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass der Machtkampf im Weltfußball immer schmutziger wird.

Der weiter mit Boykott drohende europäische Dachverband UEFA und die FIFA stehen sich unversöhnlich gegenüber. Der Weltverband warnte mit einer deutlichen Kampfansage vor einem Putschversuch. „Diejenigen, die nicht die Unterstützung der FIFA-Mitgliedsverbände haben, sollten nicht versuchen, durch Anschuldigungen, Unterstellungen oder Fehlinformationen das zu erreichen, was sie durch die etablierten demokratischen Prozesse der FIFA nicht erreichen können.“

Die FIFA werde „keinerlei Verfahren im Zusammenhang mit der Wahl des FIFA-Präsidenten unterstützen, fördern oder dulden, das im Widerspruch zu den FIFA-Statuten, den demokratischen Verfahren und dem etablierten Governance-Rahmen steht“, schrieb der Weltverband weiter: „Der FIFA-Präsident wurde von den FIFA-Mitgliedsverbänden demokratisch gewählt und übt sein Amt weiterhin im Auftrag dieser Verbände aus.“ Im März 2027 will sich Infantino trotz aller Kritik beim Kongress in Rabat von den 211 Mitgliedsnationen erneut wählen lassen.

Dafür sucht er weiter Unterstützer, kämpft hartnäckig um die Rückgewinnung seiner langjährigen Verbündeten. So sicherte sich der 56-Jährige beispielsweise bei seinem Besuch in Kolumbien die Rückendeckung mehrerer südamerikanischer Fußball-Verbände. Allen voran Alejandro Dominguez, Präsident des Kontinentalverbandes CONMEBOL, zeigte sich nach einem Treffen in Cali versöhnlich. Er betonte die Verdienste des FIFA-Bosses und warb zugleich für einen konstruktiven Umgang innerhalb des internationalen Fußballs.

Man könne „die großartige Arbeit von Infantino nicht ignorieren“, sagte Dominguez am Rande der Amtseinführung des ultrarechten kolumbianischen Präsidenten Abelardo de la Espriella und blickte in die (gemeinsame) Zukunft: „Wir müssen weiterhin durch Dialog für den Fußball arbeiten.“ Dabei sei es „gar nicht notwendig, immer einer Meinung zu sein“. Während Südamerika, Afrika und einige Länder Asiens hinter Infantino stehen, sind der Verband CONCACAF und vor allem die UEFA als klare Gegner anzusehen.

Der norwegische Verband um Präsidentin Lise Klaveness hatte den FIFA-Boss jüngst gar zum Rücktritt aufgefordert. Dass Infantino diesem Wunsch nicht nachkommen wird, scheint seit dem jüngsten Statement aber klarer denn je zu sein.

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