Fußball-WM

Hinten hui, vorne pfui: Ecuadors Goldene Generation sucht ihren Weg

In der Quali ließ La Tri sogar Brasilien hinter sich, doch bei der WM kommt die Goldene Generation (noch) nicht in Schwung.

Willian Pacho und Ecuador bei der WM ohne Torerfolg, eines von vier torlosen Teams unter 48 Teilnehmern

Willian Pacho und Ecuador sind bislang eines von nur vier der 48 WM-Teams ohne Torerfolg Foto: AFP/Charly Triballeau

Was wurde vor der WM in der Heimat nicht alles geschrieben und orakelt! Ecuador verfüge über ein einzigartiges „Defensiv-Bollwerk“, die „Goldene Generation“ sei reif für etwas Großes und könnte als „perfekte Turniermannschaft“ zur „Überraschung der WM“ werden. Jetzt, da das Turnier keine zwei Wochen alt ist, hat sich die Stimmung komplett gedreht.

Gegen Deutschland am Donnerstag (22.00 Uhr) droht La Tri das Vorrunden-Aus – was in dem fußballverrückten Land für laute Kritik vor allem am argentinischen Trainer Sebastian Beccacece sorgt. „Hör auf, heiße Luft zu verkaufen, und tritt bei La Tri zurück!“, schrieb etwa Ex-Nationalspieler Jefferson Montero bei X: „Hab ein bisschen Würde, du hast unserem Fußball mit einer Generation, die die beste der Geschichte sein sollte, großen Schaden zugefügt.“

Ja, für Ecuador läuft es (noch) nicht nach Wunsch. Zwar steht die hochgelobte Star-Defensive um Willian Pacho (Paris St. Germain), Piero Hincapié vom FC Arsenal und Moisés Caicedo vom FC Chelsea bislang recht stabil, doch im Offensivspiel hapert es gewaltig. Dem schmerzhaften 0:1 zum Auftakt gegen die Elfenbeinküste folgte die trostlose Nullnummer gegen Curacao. Ecuador ist nach zwei Spieltagen eines von nur vier der 48 WM-Teams ohne Torerfolg.

„Es ist noch nicht vorbei“

„Mir tut es selbst weh, dass die Fans enttäuscht sind und leiden müssen“, sagt Beccacece im Interview mit der Sport Bild: „Fußball ist in Ecuador die populärste Sportart. All die Probleme, die es dort gibt, werden eine Zeit lang beiseitegeschafft. Die ganze Nation hat sich unglaublich auf das Turnier gefreut.“ Doch momentan sucht Ecuador noch nach seinem Weg. Gegen die bereits als Gruppensieger feststehende DFB-Elf müsse seine Mannschaft, so Beccacece, „den Spieß umdrehen. Warum soll uns ein Sieg nicht gelingen?“

Ja, warum nicht? Schaut man auf die WM-Qualifikation der Südamerikaner zurück, scheint diese Frage nur allzu berechtigt. Ecuador ließ dank seiner überragenden Defensive sogar Rekordweltmeister Brasilien hinter sich, kassierte in 18 Spielen nur fünf Gegentore und lag insgesamt gerade einmal 97 Minuten lang in Rückstand. 15 Spiele blieb Ecuador ohne Niederlage, ehe die Elfenbeinküste in der letzten Minute des WM-Auftakts mitten ins ecuadorianische Fußball-Herz traf.

„Das Leben hat mir immer gezeigt: Solange es noch eine Chance gibt, muss man daran glauben. Es ist noch nicht vorbei“, sagt Beccacece. Er weiß: Nur mit einem Erfolg gegen Deutschland hätte Ecuador eine realistische Chance, ins Sechzehntelfinale und damit nach 2006 zum zweiten Mal in der WM-Geschichte in die K.-o.-Runde einzuziehen.

„Für mich zählen nur Siege“, betont Beccacece: „Wir wollen auf Augenhöhe sein, mit dieser Marschroute gehen wir ins Spiel. Wir dürfen nicht denken: ‚Wir sind eine kleine Fußball-Nation, wir haben keine Chance.‘ Wenn wir das tun, dann haben wir tatsächlich keine Chance.“ (SID)

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Fußball

Nichts für Donald Trump: Die multinationale WM