Radsport Damen
Koch überrascht in Roubaix – Berton wird 24.
Die deutsche Meisterin Franziska Koch hat für eine Überraschung gesorgt, indem sie am Sonntag erstmals in ihrer Karriere Paris-Roubaix gewann – vor den beiden Favoritinnen, der Niederländerin Marianne Vos und der Französin Pauline Ferrand-Prévot, mit denen sie sich 45 Kilometer vor dem Ziel abgesetzt hatte. Nina Berton wurde 24.
Franziska Koch (rechts) setzte sich knapp im Velodrom durch Foto: AFP/François Lo Pres
Die 25-jährige Koch feierte dank eines perfekten Sprints den vierten Sieg ihrer Karriere. Während Ferrand-Prévot ihre niederländische Teamkollegin optimal in Position gebracht hatte, als sie ins Velodrom einfuhren, manövrierte die Deutsche klug und zwang ihre Rivalin, außen zu fahren. Die Fahrerin des Teams FDJ-United Suez setzte sich um wenige Zentimeter durch und brach anschließend in Tränen aus.
Nachdem sie zuvor nur zweimal ihre nationale Meisterschaft und 2019 eine Etappe der Tour der Niederlande gewonnen hatte, ist dies mit Sicherheit der größte Erfolg ihrer Karriere. Nach einem dritten Platz bei den Strade Bianche im März und einem fünften Platz beim Omloop Het Nieuwsblad Ende Februar hatte die Fahrerin aus dem Ruhrgebiet acht Tage vor ihrem Sieg in Roubaix den zehnten Platz bei der Flandern-Rundfahrt belegt.
Das Rennen entschied sich 45 Kilometer vor dem Ziel, als „PFP“ im Kopfsteinpflastersektor von Mons-en-Pévèle beschleunigte. Nur Vos, Koch und die Ungarin Blanka Vas konnten dem Tempo der Tour-de-France-Siegerin folgen. Nachdem sie Vas 30 Kilometer vor Roubaix abgehängt hatten, arbeiteten die Fahrerinnen des Teams Visma zusammen, ohne Koch jemals anzugreifen.
„Letztendlich kam es mir ganz gelegen, mit zwei Fahrerinnen aus demselben Team unterwegs zu sein. So musste ich mich bei der Führungsarbeit nicht zu sehr verausgaben und konnte Kräfte für den Sprint sparen“, sagte Koch.
Vos, die mit 38 Jahren nach einem Monat Pause – bedingt durch Krankheit und den Tod ihres Vaters etwa zehn Tage zuvor – ins Renngeschehen zurückkehrte, scheiterte an ihrem Versuch, die „Königin der Klassiker“ zu gewinnen, die in ihrem beeindruckenden Palmarès mit 258 Profisiegen noch fehlt.
„Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass Marianne gewinnt“, sagte Ferrand-Prévot, die sich erst vor wenigen Tagen entschieden hatte, an der „Hölle des Nordens“ teilzunehmen. „Ich hatte mein Programm geändert, um ihr zu helfen. Es war meine Art, mich von ihrem Vater zu verabschieden, den ich gut kannte.“
Als einzige Luxemburgerin war Nina Berton am Start. Sie hatte am Sonntag die große Chance, für ihr Team EF Education-Oatly ein Ergebnis herauszufahren. Am Ende fuhr sie mit 4:42 Minuten Rückstand als 24. über die Ziellinie.
Im Überblick
6. Paris-Roubaix der Damen, Denain-Roubaix (143,1 km):
1. Franziska Koch (Deutschland/FDJ United-Suez) in 3:30:16 Stunden, 2. Marianne Vos (Niederlande/Visma) gleiche Zeit, 3. Pauline Ferrand-Prévot (Frankreich/Visma) 0:06, 4. Lotte Kopecky (Belgien/SD Worx Protime) 1:30, 5. Megan Jastrab (USA/UAE) gleiche Zeit, 6. Lorena Wiebes (Niederlande/SD Worx Protime) 2:20, 7. Charlotte Kool (Niederlande/Fenix-Premier Tech), 8. Lara Gillespie (Irland/UAE), 9. Arlenis Sierra (Kuba/Movistar), 10. Lucinda Brand (Niederlande/Lidl-Trek) alle gleiche Zeit, ... 24. Nina Berton (Luxemburg/EF Education-Oatly) 4:42