KARATE

Kimberly Darcy-Mae: Vom Sportstar zur Schauspielerin – Emotionen und neue Lebenswege

Mit 17 Jahren konnte Kimberly Nelting 2017 den Karate-Weltmeistertitel bei den Juniorinnen gewinnen und war über Nacht in aller Munde. Damit wuchs aber auch der Druck auf die junge Karateka: Sie bestätigte – und wurde im August 2021 Europameisterin bei den U21. Nur zwei Monate später überraschte Kimberly Nelting die Sportwelt mit ihrem endgültigen Rücktritt und wendete sich der Schauspielerei zu.

Moderatoren bei der Awards Night in Luxemburg Anfang Dezember, Wahl der besten Sportler Luxemburgs mit Nico Keiffer

Anfang Dezember fand ihr erster großer Auftritt in Luxemburg statt, gemeinsam mit Nico Keiffer moderierte sie die „Awards Night“ von sportspress.lu mit der Wahl der besten Sportler Luxemburgs Foto: Editpress/Julien Garroy

Tageblatt: Am 4. Dezember durften Sie bei der „Awards Night“ eine Rückkehr in die Welt des Sports feiern, wie war die Gefühlswelt?

Kimberly Darcy-Mae: Schon der Anruf mit der Anfrage zur Moderation hat bei mir Freude ausgelöst. Ich war sofort begeistert, die Aufgabe in der Heimat anzunehmen, wo ich die Umgebung und auch die Leute kenne. Ich war deshalb auch nicht so aufgeregt, sondern eher freudig angespannt.

2017 wurden Sie selbst bei dieser Veranstaltung mit dem „Prix Jeune Espoir“ ausgezeichnet, welcher Auftritt war emotionaler?

Eine schwierige Frage. Ich habe 2017 nicht mehr so richtig im Gedächtnis, ich weiß nur noch, dass ich Bammel davor hatte, die Treppen hinaufzusteigen. Ich hatte Angst, ich könnte wegen der hohen Absätze stolpern. Aber ansonsten konnte ich den Abend genießen, der Preis stand ja schon fest und Interviews konnte ich in den Monaten zuvor schon üben. Die „Awards Night 2025“ war eine ganz neue Herausforderung: Eine andere Bühne und eine Moderation mit vielen Eventualitäten. Wegen der Vorfreude hielten sich Nervosität und Stress aber in Grenzen.

Sie haben 2021 im jungen Alter das Tatami verlassen, haben Sie das nie bereut? Insbesondere da bei der Ehrung der Sportlerinnen des Jahres eine Auszeichnung für Sie auch möglich gewesen wäre?

Die Frage muss ich chronologisch beantworten. Mein Entschluss, zurückzutreten, stand schon vor der Europameisterschaft fest, unabhängig vom Ergebnis. Mit der Goldmedaille schossen mir noch ein paar Zweifel durch den Kopf, aber nur kurz. Ich hatte mir selbst versprochen, dass ich nicht umkehren würde. Der Sport war eine einmalige Erfahrung, aber am Ende kämpfte ich nur noch mit Frust und Wut im Bauch, nicht aus der Motivation heraus. Ich hatte das Herz für den Sport verloren. Es war natürlich nicht einfach, die Sache durchzuziehen, aber ich habe es trotzdem geschafft. Und ich habe es nie bereut, auch nicht bei der Sportlerehrung. Die Redensart besagt, dass man aufhören soll, wenn es am schönsten ist.

Ende 2021 haben Sie den Weg der Schauspielkunst eingeschlagen, zunächst mit privatem Unterricht und seit 2023 an der angesehenen Universität der Künste in Berlin. Wie würden Sie die letzten vier Jahre beschreiben?

Die ersten beiden Jahre hatte mich Steve Karier (luxemburgischer Schauspieler, die Red.) unter seine Fittiche genommen. Er kam auch aus dem Sportbereich (Rugby), deshalb klappte die Zusammenarbeit wohl auf Anhieb gut. Wir standen schon vor meinem Karriereende in Verbindung, er hatte aber Verständnis dafür, dass der Zeitpunkt noch nicht gekommen war.

Natürlich war es am Anfang nicht einfach, ich wollte aber nichts verpassen, was ich noch nicht ausprobiert hatte. Ich habe mich richtig entschieden, denn vor mir stand die schönste Zeit meines Lebens. Um an der Universität der Künste angenommen zu werden, musste ich hart arbeiten, aber es hat sich gelohnt. In Berlin sind wir, nicht wie an anderen Universitäten, in kleine Gruppen von zehn Studenten unterteilt. Ich hatte das große Glück, auf einen Jahrgang zu treffen, der harmoniert. Wir verstanden uns auf Anhieb prächtig, was nicht so einfach ist, wenn man weit über 40 Stunden pro Woche eng zusammenarbeitet. Meine Mitstudenten sind zu meiner Zweitfamilie geworden. In Berlin hat für mich ein neues Lebenskapitel begonnen, ich konnte meine Hobbys wie Tanzen, Singen oder Akrobatik ausüben. Ich habe aber auch viel Neues kennengelernt, z.B. wie man einen Flickflack macht. Das Wichtigste ist, dass mir alles Freude bereitet.

War die „Awards Night“ Ihr erster ganz großer Auftritt?

Wie der Zufall so spielt, war es eine Woche mit gleich zwei ersten großen Auftritten für mich: donnerstags die Moderation in Mondorf vor 650 Leuten, samstags eine Aufführung auf der Uni-Bühne in Berlin mit 350 Zuschauern. Zum Glück haben sich die Rollen gegenseitig nicht gestresst. Also Deckel drauf.

Waren Sie überrascht, als „sportspress.lu“ wegen der Moderation angefragt hat?

Ich weiß noch genau, wie sich das zugetragen hat. Ich war im Skiurlaub, als mich die Präsidentin von sportspress.lu, Christelle Diederich, angerufen hat. Ich hatte den Anruf leider verpasst und mir schossen viele Fragen durch den Kopf. Ein kleiner Teil von mir hoffte, dass sie mich genau aus diesem Grund kontaktiert hatte. Ich habe natürlich sofort zurückgerufen und als sich meine Hoffnungen bewahrheiteten, herrschte bei mir nur noch Freude pur.

Sie haben in Mondorf angekündigt, dass man Sie bald in einem Film bewundern kann, wie bald ist das und welche Projekte verfolgen Sie?

Eine Filmrolle ist nie voraussehbar. Was stimmt, ist, dass ich im November das große Glück hatte, bei einer Schauspielagentur unter Vertrag genommen zu werden. Die „Ahoi Agency“ ist sehr renommiert (u.a. Eko Fresh, Sophie Rois, Till Wonka usw.; d.Red.) und meine Agentin zählt zu den besten. Jetzt freue ich mich darauf, was 2026 auf mich zukommt. Ein festes Projekt steht bisher nicht in Aussicht. Und wenn, dann dürfte ich es laut Vertragsklauseln nicht verraten. Was mich freuen würde, wäre, wenn ich bei einem Film in Luxemburg mitwirken dürfte.

Sie werden an der Universität, und auch bei der Sportler-Gala, als Kimberly Darcy-Mae vorgestellt: Wurden Ihre Vornamen zu Ihrem Künstlernamen?

Genau. Mein vollständiger Name ist Kimberly Darcy-Mae Nelting, der Vorname wurde von meiner Mutter sorgfältig gewählt, weil er die Initialen der Vornamen meiner Geschwister enthält. Mir war es schon bei Karate-Turnieren ein Dorn im Auge, dass man im Ausland den Namen Nelting nicht ordentlich aussprechen konnte. Ich habe mich deshalb für Kimberly Darcy-Mae als Künstlernamen entschieden, das klingt nicht nur international, sondern ist auch einfach.

Gelegentlich tauchen Sie beim Training ihres Heimatvereins KC Niederanven auf und werden vom Nachwuchs bewundert. Kann nichts in der Welt Sie zum Karate zurückbewegen?

Ich sehe mich immer noch in der Verantwortung, dem Nachwuchs etwas zurückzugeben, wenn man etwas erreicht hat. Zur Frage, was mich zurück auf das Tatami bringen könnte, fällt mir spontan nur eine einzige Möglichkeit ein: Wenn ich meine komplette Mannschaft von damals reaktivieren könnte. Wenn wir wieder gemeinsam trainieren und zu Turnieren fahren dürften, könnte mich das für den Wettbewerbsmodus begeistern. Wir waren eine super Truppe, es war meine Familie.

Der Sport war eine einmalige Erfahrung, aber am Ende kämpfte ich nur noch mit Frust und Wut im Bauch, nicht aus der Motivation heraus.

Kimberly Darcy-Mae

Karatekämpferin in weißem Gi bei letztem Wettkampfmoment ihrer Karriere in dynamischer Kampfhaltung

Einer der letzten Momente ihrer Karate-Karriere Archiv-Foto: FLAM

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