Karate
Jenny Warling schlägt zurück: Platz 5 bei der K1 Premier League in Istanbul
Sie ist zurück: Nach einer enttäuschenden WM und einem öffentlichen Wortgefecht mit dem Karateverband meldete sich die derzeit erfolgreichste Athletin in Istanbul zurück. Obschon Jenny Warling am Sonntag an einer Bronzemedaille vorbeischrammte, dürfte dieser Auftritt Balsam für die Seele gewesen sein.
Jenny Warling feierte in Istanbul ein gelungenes Comeback Foto: Editpress/Luis Mangorrinha
Nach einem Jahr mit Höhen und Tiefen ging es für Jenny Warling am Wochenende zurück ins Kampfgeschehen. Hinter der Walferdingerin lagen der Titel einer Vize-Europameisterin, eine verpatzte WM und ein öffentlicher Schlagabtausch mit dem Verband. All das geriet für das luxemburgische Aushängeschild am Freitag in Vergessenheit, als sie in Istanbul auf dem Tatami stand.
Denn noch hatte Jenny Warling nicht alle Pfeile aus dem Köcher gezogen und das wollte sie bei der ersten (von vier) Runde der „K1 Premier League“ unter Beweis stellen. Das Turnier in der türkischen Bosporus-Stadt war mit 382 Teilnehmern aus 65 Ländern nicht nur quantitativ top besetzt, der Auftakt der K1 Premier League in Istanbul hatte auch Weltklasse-Niveau zu bieten. Gekämpft wurde zunächst in acht Vorrundengruppen à 32 Karatekas nach dem „Round Robin System“.
Die Luxemburgerin trat im „Başakşehir Sports Complex“ in der Gruppe 3 der Gewichtsklasse -55 kg an und traf zuerst auf Migle Liutkeviciute. Trotz ihrer erst 18 Jahre schaffte es die Litauerin mit einigen Medaillen auf den 25. Weltranglistenplatz. Warling ließ ihre Routine walten und gewann den Kampf klar (6:3). In der Folge nahmen sich ihre Gegnerinnen gegenseitig die Punkte ab. Auch in der Ungewissheit (immer noch) über die Zukunft ihres Trainers konnte die 31-Jährige (WR-14) ihren zweiten Auftritt gegen Valentina Marrucci ebenfalls erfolgreich (1:0) abschließen. Die erst 18-Jährige (W-28) zählt in Italien zu den Hoffnungsträgerinnen.
Im letzten Kampf ging es gegen Matilda Rosenlind, die nach dem bisherigen Verlauf quasi chancenlos auf ein Weiterkommen war. Dementsprechend gefährlich war die 23-jährige Schwedin (WR-56), die allerdings beim 4:6 erneut chancenlos blieb. Mit diesem dritten Sieg stand Jenny Warling souverän als Gruppensiegerin im Viertelfinale, Zweite wurde Liutkeviciute.
Warling von sich selbst überrascht
In dieser Finalrunde geriet Warling gegen Nina Kvasnicova schnell ins Hintertreffen und musste der Slowakin den Vortritt (2:4) lassen. Die Überraschung war nicht so groß, Kvasnicova (WR-9) konnte sich im November 2025 bei der WM in Kairo die Silbermedaille krallen. Bei der WM 2023 in Budapest (H) konnte die Luxemburgerin diese Auseinandersetzung noch mit 6:1 gewinnen, geglückte Revanche demnach für die 20-Jährige. Glück hatte die Luxemburgerin dennoch, mit einem Sieg gegen Chaimae Elhayti (WR-64) zog die Slowakin ins Finale am Sonntag ein und Jenny Warling in die Trostrunde, wo es demnach, ebenfalls am Sonntag, gegen die Marokkanerin ging.
In diesem kleinen Finale musste die Luxemburgerin abermals einem Rückstand hinterherkämpfen, den die 24-jährige Marokkanerin mit 6:3 über die Distanz brachte. Für Elhayti war es die dritte K1-Bronzemedaille (nach 2023) in ihrer Karriere, während Jenny Warling wieder einmal mit dem undankbaren fünften Platz vorliebnehmen musste.
Unter den gegebenen Umständen war es ein tolles Ergebnis, das die ehemalige Sportlerin des Jahres auf Facebook kommentierte: „Unter den aktuellen Bedingungen hätte ich nicht geglaubt, dass so ein Ergebnis möglich wäre. Aber wenn du die richtigen Leute an deiner Seite hast, ist alles möglich. Mein Dank geht an Rafael Veras, er macht einen hervorragenden Job.“
Was man bei der FLK wohl anders sieht: Der Verband hat einen neuen Nationaltrainer engagiert, allerdings darf Veras die Walferdingerin weiter betreuen. Die Goldmedaille in Istanbul ging überraschend an Bella Samasheva (KAZ-37), Silber an Kvasnicova und das zweite Bronze an Rina Kodo (JAP-10). Die zweite Runde der Premier League findet Mitte März in Rom (I) statt.