Formel 1

„Harte Arbeit zahlt sich aus“: Ferrari feiert Aufschwung und Leclerc

Charles Leclerc gewinnt den Großen Preis von Großbritannien. Beim späten Spektakel in Silverstone rückt die WM-Spitze noch enger zusammen.

Ferrari-Team jubelt in roten Outfits über Charles Leclercs Formel-1-Sieg beim Rennen

Jubel in Rot: Die Ferrari-Truppe von Charles Leclerc freute sich über dessen Sieg Foto: AFP/Andrej Isakovic

Während Charles Leclerc die Faust ballte und zur jubelnden Scuderia sprintete, ließ Spitzenreiter Kimi Antonelli mit gesenktem Kopf seinen defekten Mercedes hinter sich stehen. Das Wechselspiel in der Formel 1 geht weiter, der Titelkampf spitzt sich zu: Beim spektakulären Großen Preis von Großbritannien erlebte die Motorsport-Königsklasse ihren vierten Sieger in den jüngsten vier Rennen – und späte Dramatik.

„Ich bin so unglaublich froh“, sagte Leclerc, der seinen ersten Erfolg seit Oktober 2024 hinter dem Safety-Car einfuhr. Und weil Antonelli spät mit einem technischen Defekt zurückfiel, nimmt das Titelrennen weiter Fahrt auf. Leclerc sprach ein „großes Dankeschön an das Team“ aus – er sicherte den 250. Sieg für den italienischen Traditionsrennstall. „Harte Arbeit zahlt sich aus“, hatte er schon zuvor an die Box gefunkt. Tatsächlich: Ferrari schließt immer mehr zu Mercedes auf.

Hamilton bei der Rennleitung

Davon profitierte auch Rekordweltmeister Lewis Hamilton. Er wurde Dritter, musste sich wegen eines Vergehens unter Gelb aber noch bei der Rennleitung verantworten. „Das ist natürlich insgesamt ein tolles Ergebnis für das ganze Team“, sagte der König von Silverstone. Es ist sein 16. Podium auf dem Traditionskurs, neunmal gewann er.

Erstmals stand George Russell bei seinem Heimrennen auf dem Treppchen, der Mercedes-Pilot wurde Zweiter. Teamchef Toto Wolff sprach bei Sky von einem „bittersüßen“ Gefühl: „Mir tut es nur für den Kimi leid, er hat so viel Pech gehabt, auch mit den Ausfällen.“ Schließlich hatte Antonelli lange auf Rang zwei gelegen.

„Irgendwas ist kaputt“, fluchte der Italiener zehn Runden vor Rennende über Funk. Der nun langsamer werdende Antonelli versuchte wenigstens noch, ein paar Punkte zu sammeln – vergeblich. Weil Max Verstappen auf Platz drei liegend von der Strecke abkam, gab es dann noch ein spätes Safety-Car.

Antonelli gewinnt Sprint

Ferrari, zu dem Zeitpunkt mit beiden Autos an der Spitze, entschied, auf frische Reifen zu wechseln. Russell schob sich dadurch an Hamilton vorbei auf Platz zwei. „Bei mir hat es einfach nicht gepasst heute“, haderte Hamilton, erkannte aber das „tolle Ergebnis für das ganze Team“.

Im Duell der Generationen gegen Antonelli hatte er auf mehr gehofft. 32 Punkte liegt Hamilton in der Gesamtwertung nun hinter dem Teenager, Russell hat 25 Zähler Rückstand auf die Spitze.

Das Duell Alt gegen Jung und Ferrari gegen Mercedes hatte das gesamte Wochenende geprägt. „Das ist ein echter Gegner“, erkannte Wolff nach Rennende an. Das Sprint-Qualifying entschied Altmeister Hamilton noch für sich, beim Sprint und dem Qualifying für das Rennen landete Teenager Antonelli vorn.

Als die Ampeln ausgingen, kam Polesetter Antonelli schlecht weg. Beide Ferrari-Piloten zogen vorbei, Leclerc übernahm die Führung, Hamilton setzte sich dahinter. Der Start des Briten war jedoch nicht fehlerfrei. Weil er in der Startbox noch minimal nach vorn rollte, erhielt er eine Fünf-Sekunden-Strafe. Noch bevor Hamilton diese in der Box absitzen konnte, kam ihm Antonelli geduldig näher – und zog in der elften Runde vorbei.

„Kämpfen um dritten Platz“

Nach der abgesessenen Zeitstrafe kam Hamilton hinter Verstappen und Russell auf die Strecke, das Ziel war aber klar: „Wir kämpfen um den dritten Platz“, sagte sein Renningenieur.

Auf diesem lag noch Verstappen. Zunächst musste Hamilton aber an Russell vorbei. Nach zwei gescheiterten Manövern half ihm ein schleichender Plattfuß beim Mercedes-Piloten. Russell musste erneut an die Box, die Hoffnungen auf das erste Podium in Silverstone waren scheinbar dahin.

Erst 15 Runden vor Rennende kam Antonelli an die Box, mit sieben Sekunden Rückstand auf Leclerc. Kurze Zeit später ließ ihn sein Auto im Stich – dann nahm die dramatische Schlussphase ihren Lauf.

Im Überblick

Großer Preis von Großbritannien, 9. von 22 Läufen zur Formel-1-WM 2026, 52 Runden = 306,198 km:
1. Charles Leclerc (Monaco) Ferrari 1:27:11,335 h, 2. George Russell (Großbritannien) Mercedes 0,427 Sek. zurück, 3. Lewis Hamilton (Großbritannien) Ferrari 0,772 Sek. zurück, 4. Lando Norris (Großbritannien) McLaren 1,149 Sek. zurück, 5. Isack Hadjar (Frankreich) Red Bull 1,598 Sek. zurück, 6. Liam Lawson (Neuseeland) Racing Bulls 2,023 Sek. zurück, 7. Arvid Lindblad (Großbritannien) Racing Bulls 2,214 Sek. zurück, 8. Gabriel Bortoleto (Brasilien) Audi 2,413 Sek. zurück, 9. Franco Colapinto (Argentinien) Alpine 3,229 Sek. zurück, 10. Pierre Gasly (Frankreich) Alpine 3,445 Sek. zurück, 11. Oscar Piastri (Australien) McLaren 4,014 Sek. zurück, 12. Carlos Sainz (Spanien) Williams 4,391 Sek. zurück, 13. Oliver Bearman (Großbritannien) Haas 5,245 Sek. zurück, 14. Esteban Ocon (Frankreich) Haas 5,512 Sek. zurück, 15. Sergio Perez (Mexiko) Cadillac 7,403 Sek. zurück, 16. Kimi Antonelli (Italien) Mercedes 8,005 Sek. zurück, 17. Valtteri Bottas (Finnland) Cadillac 8,162 Sek. zurück, 18. Fernando Alonso (Spanien) Aston Martin 1 Runde zurück, 19. Lance Stroll (Kanada) Aston Martin 1 Runde zurück
ausgeschieden: Max Verstappen (Niederlande) Red Bull (46. Runde), Nico Hülkenberg (Deutschland) Audi (40./Defekt), Alexander Albon (Thailand) Williams (44./Defekt)
Schnellste Rennrunde: Antonelli 1:31,777 (37. Runde)
Fahrerwertung: 1. Antonelli 179, 2. Russell 154, 3. Hamilton 147, 4. Leclerc 108, 5. Norris 97, 6. Piastri 82, 7. Verstappen 76, 8. Hadjar 52, 9. Gasly 42, 10. Lawson 39, 11. Lindblad 20, 12. Bearman 18, 13. Colapinto 18, 14. Bortoleto 6, 15. Sainz 6, 16. Albon 5, 17. Ocon 3, 18. Alonso 1
Teamwertung: 1. Mercedes 333, 2. Ferrari 255, 3. McLaren-Mercedes 179, 4. Red Bull 128, 5. Alpine-Mercedes 60, 6. Racing Bulls-Red Bull 59, 7. Haas-Ferrari 21, 8. Williams-Mercedes 11, 9. Audi 6, 10. Aston Martin 1

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Handball

FLH-Kongress: Die Zukunft vorbereitet

Reaktionen

Im FLBB-Lager geht ein positiver Blick in die Zukunft

Radsport

Grand-Prix-Siege für Suppi und Herzog