Gewichtheben

Großes Ziel ist die WM in China: Kusterer und Strzykala starten in die Saison

Sabine Kusterer hat eine Menge Erfahrung: Als zweifache Olympionikin kann sie ihre Erfahrungswerte als luxemburgische Nationaltrainerin im Gewichtheben an Mara Strzykala weitergeben. Doch mit 35 Jahren will die Deutsche auch als Athletin noch einmal angreifen.

Sabine Kusterer (l.) und Mara Strzykala sind ein eingespieltes Team

Sabine Kusterer (l.) und Mara Strzykala sind ein eingespieltes Team Foto: Editpress/Julien Garroy

Mit Mara Strzykala und Sabine Kusterer sind zum ersten Mal in der Geschichte Luxemburgs gleich zwei Gewichtheberinnen Teil des COSL-Elitekaders. Als luxemburgische Nationaltrainerin hat Kusterer Strzykalas Wettkampfkalender richtig vollgepackt: Bundesliga-Wettkämpfe mit Obrigheim, wo sie um den deutschen Titel mitkämpfen will, und dann startet das Duo noch in der obersten französischen Top-neun-Liga mit der ASPTT Straßburg, wo Strzykala in der Vergangenheit zur eifrigsten Punktesammlerin gehörte.

Mara Strzykala beim Stoßen im High Performance Training & Recovery Center (HPTRC)

Mara Strzykala beim Stoßen im High Performance Training & Recovery Center (HPTRC) Foto: Editpress/Julien Garroy

Kusterer laborierte lange Zeit an einer hartnäckigen Schulterverletzung, musste verletzungsbedingt mit Rehatraining einsteigen und erhielt einen Vertrauensvorschuss. Der lange Aufbau ersetzt aber keinen Wettkampf. So steht gleich zum Beginn der Saison am 26. September der Pokal der Blauen Schwerter in Meißen auf dem Programm. Bei diesem Pokal starten Welt- und Europameister. Kusterer selbst hat als deutsche Athletin gute Erinnerungen an den Wettkampf. Für Strzykala bietet sich ebenfalls die Gelegenheit, nach längerer Wettkampfpause wieder in die Routine zu kommen. Das große Ziel ist jedoch die Weltmeisterschaft Ende Oktober – davor wird die Luxemburgerin insgesamt drei Turniere bestreiten.

Die Vorbereitung auf die WM laufe insgesamt sehr gut. „Bei Mara ist der Plan nur auf diesen Wettkampf programmiert. Langsam transformiert er sich hin zu weniger Umfang und mehr Intensität“, erklärt Sabine Kusterer. Sie fühlt sich in Luxemburg sehr heimisch. Der SC Hamm und der Verband PWFL haben sie auf dem Wege zur internationalen Bühne unterstützt und bestärkt, diesen Schritt zu gehen. Die zweifache Olympiateilnehmerin will mit 35 Jahren noch einmal angreifen.

Momentan gibt es in Luxemburg nicht so viele Gewichtheber und Gewichtheberinnen mit einer offiziellen Lizenz. (...) Der Sprung in die Nationalmannschaft ist nicht so einfach, ein gewisses Niveau wird vorausgesetzt.

Als Trainerin sind Ligawettkämpfe keine Pflichtwettkämpfe, sondern Leistungsüberprüfungen und werden immer hinten angestellt. Die Ligawettkämpfe helfen aber auch, Erfahrung zu sammeln, um sie dann international anzuwenden. Beim Pokal in Meißen muss schon eine kleine Spitze erfolgen, um die WM-Norm zu erreichen. Ein Fernziel für Kusterer sind die Olympischen Spiele 2028 in LA.

Ein Nischensport in Luxemburg

Der Weltverband IWF hat im vergangenen Jahr die 49-Kilogramm-Gewichtsklasse als nicht olympisch erklärt. Wegen der Kürze der Zeit und Einberechnung aller Faktoren hat das Trainerin‑Athletin-Gespann entschieden, keinen Gewichtsklassenwechsel vorzunehmen.

Bei all diesen internationalen Einsätzen sollte aber nicht die nationale Bühne vergessen werden. Nach dem luxemburgischen Potenzial befragt, meint die Nationaltrainerin: „Momentan gibt es in Luxemburg nicht so viele Gewichtheber und Gewichtheberinnen mit einer offiziellen Lizenz. Die Frauen haben ohne Zweifel für einen Aufschwung gesorgt. Der Sprung in die Nationalmannschaft ist nicht so einfach, ein gewisses Niveau wird vorausgesetzt. Kurzfristig wird sich da nichts ändern.“

Gefragt nach Akzenten für die Zukunft meint Kusterer, dass sie viele Ideen habe. Zurzeit investiert sie viel in ihr Studium, ihre eigene Sportlerkarriere, das Training von Mara Strzykala und das Vereinstraining. „Leider ist es gerade noch Zufall, dass jemand mit Gewichtheben anfängt. Wir bedanken uns, in der Hoffnung, dass weitere Athleten(innen) den Weg in einen Kraftraum finden, um an dieser olympischen Sportart zu schnuppern und, wenn möglich, weitere Fortschritte zu erzielen. Unsere Athletinnen haben zudem die Richtung angezeigt.“

Trainerin und Athletin: Sabine Kusterer erzählt dem Tageblatt, wie sie die Doppelbelastung meistert

Trainerin und Athletin: Sabine Kusterer erzählt dem Tageblatt, wie sie die Doppelbelastung meistert Foto: Editpress/Julien Garroy

Wie eine typische Trainingswoche aussieht, beschreibt Strzykala: „Da sie sich nach meiner Arbeit richtet, gibt es immer wieder Änderungen je nach Tagesform, Stresspegel und Müdigkeit. In der Regel trainiere ich montags mit einem Schwerpunkt auf Maximalkraft und leichter Technik bei den Übungen. Am Dienstag ist es dann umgekehrt. Mittwochs ist Ruhetag. Donnerstags geht es weiter mit schwerer Maximalkraft und leichter Technik, freitags stehen klassisches Reißen und Stoßen an und am Samstag werden technische Übungen durchgeführt, die unter der Woche zu kurz kommen, sowie Kraft- und Athletiktraining.“

Bei diesem strammen Programm liegt ein besonderes Augenmerk auch auf Lehrgängen. „Ich freue mich immer darauf, in einem Gewichtheber-Umfeld und einer großen Gruppe zu trainieren, in der man sich gegenseitig motivieren kann“, sagt Strzykala. Dieser Austausch sei ihr besonders wichtig und bringe ihr nicht nur auf mentaler Ebene viel, sondern auch bei der Trainingsplanung. „Das sind Tage, an denen ich mich zu 100 Prozent auf das Training konzentrieren kann, sowohl in puncto Leistung als auch Regenerationsphasen.“ Dieses Jahr steht lediglich ein solcher Lehrgang an. Polen ist eine Möglichkeit, jedoch erst nach der WM. Doch egal, wo es hingeht, die Freude auf das Trainingslager ist groß: Dort, sagt Strzykala, erziele sie die besten Ergebnisse.

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