Formel 1

Großer Preis von Ungarn: Antonelli betreibt Schadensbegrenzung

Weltmeister Lando Norris zeigte nach seinem ersten Saisonerfolg in der Formel 1 die Siegerfaust und widmete seinem McLaren-Team eine Liebeserklärung. Nach seiner erfolgreichen Schadensbegrenzung bis auf das Podium musste sich der abgekämpfte WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli erstmal setzen und einen großen Schluck aus seiner Wasserflasche nehmen.

Lando Norris feierte einen imposanten Erfolg

Lando Norris feierte einen imposanten Erfolg Foto: AFP

„Woooo! Wunderschön! Das Auto war unglaublich“, jubelte Norris nach seinem Coup vor der Sommerpause und sagte in Richtung Team: „Herzlichen Glückwunsch, das habt ihr euch redlich verdient. Harte Arbeit zahlt sich aus. Macht einfach weiter so. Vielen Dank. Ich liebe euch alle.“

Antonelli zeigt seinen ganzen Willen

Gehandicapt von einer Strafversetzung um drei Plätze rettete sich Mercedes-Teenager Antonelli im heißen Reifen-Poker von Ungarn als Dritter noch auf das Podest. „Es war ein hartes Rennen“, räumte der 19 Jahre alte WM-Führende ein. „Ich hätte mir nie vorstellen können, in dieser Situation zu sein. Ich bin sehr glücklich, das ist die beste Art, in die Sommerpause zu gehen. Wir müssen aber weiter Druck machen, denn die zweite Saisonhälfte wird hart.“

Antonelli lieferte sich in den letzten Runden einen packenden Zweikampf mit Ferrari-Star Lewis Hamilton, der spät eine Fünf-Sekunden-Strafe wegen zu schnellen Fahrens in der Boxengasse kassierte. Der Italiener profitierte auch von einem späten Aus von Norris’ Stallrivalen Oscar Piastri, der auf Podestkurs seinen McLaren wegen eines Getriebeschadens abstellen musste.

Verstappen mit bestem Saisonergebnis

Zweiter hinter Norris wurde mit seinem besten Saisonergebnis – zusammen mit dem Großen Preis von Österreich – Max Verstappen im Red Bull. „Es ist unglaublich, wie zum Teufel wir den zweiten Platz geschafft haben“, sagte der Niederländer verblüfft. „Ein tolles Ergebnis.“

Antonelli baute seine WM-Führung mit riesigem Kämpferherz nach dem Grand Prix in Budapest, der Mercedes ohnehin nicht besonders liegt, sogar auf 50 Zähler aus. „Das einzig Positive an diesem Wochenende ist, wie Kimi gefightet hat“, befand Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Zweiter in der Fahrerwertung bleibt Hamilton, der sich mit Rang fünf begnügen musste.

Erstmals kein Mercedes auf Pole

Nach einer vierwöchigen Sommerpause setzt die Formel 1 ihre Saison am 23. August fort mit dem Grand Prix der Niederlande in Zandvoort. Mit der kurzfristigen Ergänzung von Malaysia als Ausrichter für den Grand Prix von Bahrain am 4. Oktober stehen noch zwölf Etappen auf dem Programm.

In einem packenden Finish hatte sich Norris seine erste Pole-Position als Weltmeister gesichert. Erstmals stand in dieser Saison kein Mercedes-Fahrer ganz vorn. Norris schnappte Rekordchampion Hamilton dessen fast schon sichere 105. Karriere-Pole mit der Winzigkeit von 0,012 Sekunden weg.

Anschließend wurde es chaotisch. Sowohl Hamilton, wegen Behinderung von Norris-Stallrivale Piastri, als auch Antonelli, wegen zu schnellen Fahrens während einer Gelb-Phase, wurden strafversetzt. Hamilton fiel von Position zwei auf fünf zurück, Antonelli von vier auf sieben.

Piastri düpiert Norris

„Natürlich ist es schade, dass wir diese drei Plätze bekommen haben, aber es ist nun mal so“, meinte Antonelli vor dem Start. „Wichtig ist, das Rennen optimal zu nutzen. Das Tempo ist gut, es ist böiger und etwas wärmer.“

40 Jahre nach der Formel-1-Premiere im damaligen Ostblock führte Norris das Feld in Ungarn in die erste Kurve. Doch vor allem Charles Leclerc im zweiten Ferrari, der wie auch Hamilton im Gegensatz zur Konkurrenz mit Softs gestartet war, fiel zurück. Antonellis Teamkollege George Russell kam so gut wie gar nicht vom Fleck und rutschte ans Ende des Feldes. Nach wenigen Hundert Metern verlor Norris seine Führung an Piastri, Verstappen im Red Bull nahm die Verfolgung des McLaren-Duos auf.

Der viermalige Weltmeister, der sich erneut über die Leistungsfähigkeit seines Wagens heftig ausließ, hatte wiederum Hamilton im Rückspiegel. Der Engländer kam nicht am Niederländer vorbei und zog deshalb seinen Boxenstopp in der 14. Runde vor. Verstappen reagierte einen Umlauf später, doch kam erst hinter Hamilton wieder auf den Asphalt zurück.

„Aus dem Weg, du Idiot!“

Unter dem lautstarken Jubel der Fans konterte der Red-Bull-Star aber und schob sich am Rekordweltmeister vorbei. „Das war ziemlich besonders“, zollte die Box Verstappen für das fantastische Überholmanöver in Kurve eins Respekt. Piastri und Norris zogen nun mit frischen harten Reifen nach. Antonelli übernahm vorübergehend die Führung, gab sie nach seinem Stopp in der 23. Runde aber schnell wieder ab.

Ganz vorn gaben Norris und Piastri wieder das Tempo vor. Der Australier hatte nach seinem zweiten Stopp aber riesiges Pech, als ihn Williams-Mann Carlos Sainz aufhielt. „Aus dem Weg, du Idiot!“, schimpfte Piastri über den Spanier. Das war Glück für Norris, der diesen kleinen Puffer nutzen konnte, um nach seinem zweiten Reifenwechsel in der 39. Runde vor seinem Teamkollegen auf den Kurs zurückzukehren.

Antonelli wäre gerne mit nur einer Garageneinfahrt ausgekommen. „Schaffen wir es bis zum Ende?“, fragte der Teenager aus Bologna in der Schlussphase. Die Mercedes-Strategen holten ihn aber in der 54. Runde noch einmal rein.

Zwei Umläufe später war der Grand Prix für Piastri, der auf Podestkurs lag, wegen eines Defekts gelaufen. Während des virtuellen Safety-Cars kamen die Topplatzierten an die Box. Am imposanten Erfolg von Norris, seinem ersten seit Brasilien im vergangenen Jahr, änderte das aber nichts mehr.

Im Überblick

Großer Preis von Ungarn, 11. von 23 Läufen zur Formel-1-WM 2026, 70 Runden = 306,630 km: 1. Lando Norris (Großbritannien) McLaren 1:39:56,180 Stunden (184,095 km/h), 2. Max Verstappen (Niederlande) Red Bull 15,080 Sek. zurück, 3. Kimi Antonelli (Italien) Mercedes 18,728 Sek. zurück, 4. Charles Leclerc (Monaco) Ferrari 23,840 Sek. zurück, 5. Lewis Hamilton (Großbritannien) Ferrari 24,540 Sek. zurück, 6. Isack Hadjar (Frankreich) Red Bull 55,488 Sek. zurück, 7. George Russell (Großbritannien) Mercedes 57,503 Sek. zurück, 8. Liam Lawson (Neuseeland) Racing Bulls 1 Runde zurück, 9. Nico Hülkenberg (Deutschland) Audi 1 Runde zurück, 10. Arvid Lindblad (Großbritannien) Racing Bulls 1 Runde zurück, 11. Gabriel Bortoleto (Brasilien) Audi 1 Runde zurück, 12. Pierre Gasly (Frankreich) Alpine 1 Runde zurück, 13. Lance Stroll (Kanada) Aston Martin 1 Runde zurück, 14. Fernando Alonso (Spanien) Aston Martin 1 Runde zurück, 15. Franco Colapinto (Argentinien) Alpine 2 Runden zurück, 16. Esteban Ocon (Frankreich) Haas 2 Runden zurück, 17. Alexander Albon (Thailand) Williams 2 Runden zurück, 18. Carlos Sainz (Spanien) Williams 2 Runden zurück, 19. Oliver Bearman (Großbritannien) Haas 2 Runden zurück

ausgeschieden: Valtteri Bottas (Finnland) Cadillac (13. Runde/Defekt), Sergio Perez (Mexiko) Cadillac (48. Runde/Defekt), Oscar Piastri (Australien) McLaren (55. Runde/Defekt)

Schnellste Rennrunde: Charles Leclerc 1:22.000 (58. Runde)

Nach dem Großen Preis von Ungarn, dem 11. Lauf zur Formel-1-Weltmeisterschaft 2026, ergibt sich folgender Stand in der Fahrerwertung: 1. Antonelli 219, 2. Hamilton 169, 3. Russell 160, 4. Leclerc 138, 5. Norris 128, 6. Verstappen 109, 7. Piastri 92, 8. Hadjar 68, 9. Lawson 43, 10. Gasly 42, 11. Lindblad 23, 12. Colapinto 19, 13. Bearman 18, 14. Bortoleto 10, 15. Sainz 6, 16. Albon 5, 17. Ocon 3, 18. Hülkenberg 2, 19. Alonso 1
Teamwertung: 1. Mercedes 379, 2. Ferrari 307, 3. McLaren-Mercedes 220, 4. Red Bull 177, 5. Racing Bulls-Red Bull 66, 6. Alpine-Mercedes 61, 7. Haas-Ferrari 21, 8. Audi 12, 9. Williams-Mercedes 11, 10. Aston Martin-Honda 1

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