WM-Kolumne „Hasta la Visa“

Für alles andere gibt es Mastercard: Sportredakteurin Christelle Diederich über die Passkontrollen-WM

Ein Ticket für die WM-Vorrunde: 200 Euro. Ein Flug von Luxemburg nach Dallas: 1.000 Euro. Ein gültiges Visum und trotzdem von der Einreisebehörde abgewiesen zu werden: unbezahlbar.

Für alles andere gibt es Mastercard: Sportredakteurin Christelle Diederich über die Passkontrollen-WM

Grafik: Editpress

„We are 26.“ Die Marketing-Abteilung der FIFA hatte das Ungemach wohl schon gerochen und präventiv tief gestapelt. Denn statt der Jahreszahl könnten es laut Logo auch die Delegationen sein, die ohne größere Demütigungen und Schikane durch die US-Grenzkontrolle kommen. Vielleicht war es ja einfach nur ein Kommunikationsmalheur zwischen Gianni Infantino und dem amerikanischen Präsidenten. Der eine las die Liste der 48 Nationen vor, der andere nickte nach einem anstrengenden Morgen auf dem Golfplatz kurz weg. Und so verstand man in Washington: Mehr als 26 Länder müssen wir gar nicht reinlassen.

Etwas Gutes hat das Ganze dann doch. Wer bei der Passkontrolle durchfällt, für den besteht zumindest die Chance, in der Heimat als Nationalheld empfangen zu werden. So geschehen bei Omar Artan, dem FIFA-Schiedsrichter. Bis vor wenigen Tagen kannte ihn niemand. Spätestens seitdem er in Miami abgewiesen wurde, erreichte er ungewollten Kultstatus und Zuspruch: Sein Flug brachte ihn zurück nach Somalia – das Land, das Donald Trump im Winter noch als „Müll“ bezeichnet hatte.

Als Journalist fühlt es sich übrigens auch wie eine Parallelwelt an, wenn man auf einer Wellenlänge mit Sepp Blatter ist. Seine Aussage „Der amtierende Präsident sollte beweisen, dass er stärker ist als sein guter Freund im Weißen Haus, nicht wahr?“ klingt in diesen Tagen erschreckend vernünftig und korrekt.

Hat er aber (noch) nicht. Stattdessen spielte er den Behörden den Ball zu. In etwa: Die FIFA könne in dieser Hinsicht nichts unternehmen. Möglicherweise wurde hier gerade ein Fall von schleichender Amnesie diagnostiziert. „Es ist offensichtlich, dass alle Teams, Funktionäre und Fans Zugang zum Ausrichterland haben müssen. Sonst gibt es keine WM, das ist klar. Die Vorgaben werden klar sein. Und dann kann jedes Land entscheiden, ob es sich bewirbt“, hatte er noch 2017 herausposaunt.

Damals hofften Normalo-Fußballfans noch auf ein gigantisches Fest ohne Grenzen. Heute weiß man, dass es vor allem auf die eigene Staatsbürgerschaft ankommt. Die Einwanderungsbehörde verteilt Rote Karten – doch unser geliebter Freund VAR bleibt in diesem Fall stumm.

Und da hilft dann nicht mal mehr Mastercard.

Mögen sich definitiv mehr als Fußballfans den VAR

Mögen sich definitiv mehr als Fußballfans den VAR Foto: Chris Carlson/AP

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