Formel 1
„Erst mal einen Drink“: Russell beendet Durststrecke in Hitzeschlacht von Spielberg
Während George Russell ohne große Probleme zu seinem zweiten Saisonsieg fährt, duellieren sich die Verfolger munter.
George Russell hat sich damit im Kampf um den WM-Titel zurückgemeldet Foto: AFP/Andrej Isakovic
George Russell hatte nach der souverän überstandenen Hitzeschlacht von Spielberg nur noch einen Wunsch. „Jetzt freue ich mich erst mal auf einen Drink“, sagte der schweißgebadete Engländer. Seinen Durst nach Rennsiegen in der Formel 1 hatte er da schon längst eindrucksvoll gestillt: Fast vier Monate nach dem erfolgreichen Saisonauftakt in Melbourne gewann Russell den Großen Preis von Österreich unbeirrt von spektakulären Duellen seiner Verfolger – und hat sich damit im Kampf um den WM-Titel zurückgemeldet.
Zurück in der Spur
„Es hat ein wenig gedauert, und definitiv werde ich diesen Sieg heute Abend genießen. Ich möchte dem Team danken, dass wir zurück in die Spur gefunden haben“, sagte Russell, bevor er dann auf dem Podium der Steiermark tatsächlich einen großen Schluck vom Edel-Champagner nahm. Nach seinem Sieg vor Max Verstappen und WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli ist Russell wieder Zweiter in der Gesamtwertung. Auf seinen Teamkollegen Antonelli hat er nur noch 40 Punkte Rückstand. „Dieses Wochenende war natürlich sehr, sehr wichtig für mich. Ich musste mich daran erinnern, dass ich es noch kann“, sagte Russell.
Doch überhaupt scheinen die Kräfteverhältnisse neu durchmischt: Einerseits, weil Verstappen im runderneuerten Red Bull groß auftrumpfte. „Es war ganz klar ein gutes Rennen für uns“, sagte der viermalige Weltmeister: „Der zweite Platz ist extrem positiv für uns und ganz klar bin ich sehr, sehr zufrieden, sehr glücklich damit.“ Auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff gestand bei Sky: „Er war sehr stark.“
Hamilton-Rückschlag
Andererseits kassierte Lewis Hamilton nach dem jüngsten Aufschwung einen Rückschlag: Der Ferrari-Star wurde nur Fünfter. Grund war eine fragwürdige Strategie der Scuderia.
Einen Schlüsselfaktor sahen die Teams in den hohen Temperaturen von rund 35 Grad. „Das ist wahrscheinlich das heißeste, was ich in den letzten Jahren erlebt habe“, sagte Polesetter Russell: „Jeder wird Probleme haben.“ Besonders die Reifen litten.
Als die Ampeln ausgingen, blieb Russell souverän an der Spitze, dahinter lieferte sich Leclerc ein enges Duell mit Teamkollege Hamilton. Der Monegasse verlor erst den zweiten Platz – und rutschte dann weiter auf Platz fünf ab.
Im Überblick
Großer Preis von Österreich, 8. von 22 Läufen zur Formel-1-WM 2026, 71 Runden = 307,026 km: 1. George Russell (Großbritannien) Mercedes 1:26:37,979 Stunden (212,639 km/h im Schnitt), 2. Max Verstappen (Niederlande) Red Bull 1,611 Sekunden zurück, 3. Kimi Antonelli (Italien) Mercedes 1,986, 4. Oscar Piastri (Australien) McLaren 21,809, 5. Lewis Hamilton (Großbritannien) Ferrari 26,393, 6. Isack Hadjar (Frankreich) Red Bull 29,399, 7. Lando Norris (Großbritannien) McLaren 31,505, 8. Charles Leclerc (Monaco) Ferrari 45,659, eine Runde zurück: 9. Liam Lawson (Neuseeland) Racing Bulls, 10. Arvid Lindblad (Großbritannien) Racing Bulls, 11. Gabriel Bortoleto (Brasilien) Audi, 12. Nico Hülkenberg (Deutschland) Audi, 13. Pierre Gasly (Frankreich) Alpine, 14. Oliver Bearman (Großbritannien) Haas, 15. Franco Colapinto (Argentinien) Alpine, zwei Runden zurück: 16. Esteban Ocon (Frankreich) Haas, 17. Alexander Albon (Thailand) Williams, drei Runden zurück: 18. Fernando Alonso (Spanien) Aston Martin
Ausgeschieden: Lance Stroll (Kanada) Aston Martin (45. Runde/Defekt), Carlos Sainz (Spanien) Williams (23./Defekt), Sergio Perez (Mexiko) Cadillac (4./Defekt), Valtteri Bottas (Finnland) Cadillac (2./Defekt)
Schnellste Rennrunde: Antonelli 1:10,374 Minuten (59. Runde)
Fahrerwertung nach dem 8. Lauf: 1. Antonelli 171 Punkte, 2. Russell 131, 3. Hamilton 125, 4. Piastri 80, 5. Norris 79, 6. Leclerc 79, 7. Verstappen 73, 8. Hadjar 42, 9. Gasly 41, 10. Lawson 30, 11. Bearman 18, 12. Colapinto 16, 13. Lindblad 14, 14. Sainz 6, 15. Albon 5, 16. Ocon 3, 17. Bortoleto 2, 18. Alonso 1
Teamwertung: 1. Mercedes 302 Punkte, 2. Ferrari 204, 3. McLaren-Mercedes 159, 4. Red Bull 115, 5. Alpine-Mercedes 57, 6. Racing Bulls-Red Bull 44, 7. Haas-Ferrari 21, 8. Williams-Mercedes 11, 9. Audi 2, 10. Aston Martin- Honda 1
Verstappen ging als großer Gewinner der Startphase hervor. Nachdem er im runderneuerten Red Bull im Qualifying wiedererstarkt, aber auch gecrasht war, düpierte er sowohl Leclerc als auch Antonelli innerhalb von drei Kurven und schob sich auf Platz drei vor. „Sehr, sehr spaßig“ seien die ersten Runden gewesen, sagte er. In Runde elf duellierte sich Verstappen hart mit Hamilton. Der Rekordweltmeister behielt im Ferrari zunächst die Oberhand, ehe er zwei Runden später als erster Top-Pilot an die Box kam.
Brennende Bremsen
Bis dahin hatte die Hitze schon die ersten Fahrer um ihr Rennen gebracht. Cadillac musste sowohl Valtteri Bottas als auch Sergio Perez mit brennenden Bremsen in die Box rufen.
Nachdem auch Verstappen an der Box war, nahm der Zweikampf mit Hamilton wieder Fahrt auf – in der 22. Runde mit dem besseren Ende für den Niederländer. Hamiltons Rennen wurde dann auch durch einen Strategiefehler erschwert. Während alle Top-Teams auf eine Zwei-Stopp-Strategie mit den härteren Reifenmischungen setzten, schickte Ferrari Hamilton zwischenzeitlich auf weichem Gummi wieder raus. Hamilton machte drei Stopps und fiel zurück.
Vorne pirschte sich Verstappen Stück für Stück bis auf 1,5 Sekunden an Russell heran, näher kam er aber nicht mehr. Der Mercedes-Pilot hielt dem Druck stand und setzte mit seinem zweiten Saisonsieg ein deutliches Signal im Titelkampf.
Supercup: Kieffer wieder zweitbester Rookie
Nach dem Rückschlag im deutschen Carrera Cup auf dem Lausitzring, wo Chester Kieffer trotz eines starken Qualifyings ohne Punkte blieb, stand bereits der Supercup in Spielberg.
Mit einem sechsten Startplatz zeigte der ambitionierte Motorsportler, dass er sich an die Herausforderung des Supercups mit nur einem Training, dem Qualifying und auch dem starken Reifenabrieb der Formel-1-Boliden gewöhnt hat, und meinte vor dem Rennen: „Im Carrera Cup bin ich hier schon zweimal von Platz sechs gestartet und weiß genau, wo ich die Reifen hinbringen muss. Ich will einen sauberen Start, eine saubere erste Runde und dann die Reifen managen und auf die Tracklimits achten.“
Der Start am Sonntagmorgen war gut, aber er wurde in Kurve eins und drei blockiert und beendete die erste Runde auf dem achten Platz, direkt hinter dem Meisterschaftsführenden Theo Oeverhaus. Dieser bot dem jungen Talent während der 18 Runden keine Chance zum Angriff. Vorne hatten sich in der dritten Kurve dagegen die beiden Lechner-Porsche von Marcus Amand und Robert de Haan an die Spitze gesetzt. Vier Runden vor Schluss nutzte der Niederländer einen Fehler von Amand, um die Spitze zu übernehmen. Und ein Platten des Finnen brachte Chester Kieffer als zweitbesten Rookie auf Rang sieben.
Bester Rookie wurde der Italiener Andrea Bristot auf Platz fünf, der die Wertung mit 41 Punkten vor dem Franzosen Paul Cauhaupe (27) und Chester Kieffer (23) anführt. (ChB.)